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Bundesbankpräsident : Weidmann gibt seinen Einstand am Finanzplatz

  • -Aktualisiert am

Neu in Frankfurt: Jens Weidmann auf dem Dach der Bundesbankzentrale. Bild: dapd

Seit sieben Wochen ist der neue Bundesbankpräsident im Amt. Seine erste Rede in Frankfurt nutzte Jens Weidmann für klare Aussagen – in sanftem Ton.

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          Wenn Axel Weber auf eine Veranstaltung kam, hat es immer gerumpelt. Mit mehreren Sicherheitsleuten und Pressesprechern in dunklen Anzügen marschierte er ein. Selbst in einem großen Raum wie dem Mozartsaal der Alten Oper, wussten alle schnell: Der Bundesbankpräsident ist da.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jens Weidmann kommt leise. Plötzlich steht Webers Nachfolger an der Spitze der Bundesbank mitten im Foyer der Deutschen Nationalbibliothek. Gelassen unterhält er sich mit dem Veranstalter der CFS Lectures, Uwe Walz, Direktor am Center for Financial Studies der Goethe-Universität. Der Vortrag in der Nationalbibliothek über „Aktuelle Herausforderungen für Zentralbanken“ am Montagabend ist sein erster großer öffentlicher Auftritt als Bundesbankpräsident in Frankfurt. Gut 200 Zuhörer sind gekommen, weniger Studenten als vielmehr Frauen und Männer aller Altersgruppen. Unter ihnen der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni, der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer und Weidmanns Kollege im Bundesbankvorstand, Carl-Ludwig Thiele.

          Seine Rede liest Weidmann zwar vom Blatt ab, wirkt dabei aber souverän

          Im Foyer bleibt Weidmann unbehelligt. Hatte Weber zum Ende seiner Amtszeit in Frankfurt stets eine Reihe von Bekannten um sich stehen, die sein Gespräch suchten oder wenigstens in seiner Nähe gesehen werden wollten, so fehlt Weidmann sieben Wochen nach seinem Amtsantritt noch dieses Netz. Wenn man in Klischeebildern sprechen will, könnte der schlanke Dreiundvierzigjährige auch Sparkassenberater sein. Dass er einer der wichtigsten Akteure im Drama um die Griechenlandkrise ist und die Euro-Rettung für reichlich Stress in seinem Terminkalender sorgen dürfte, merkt man ihm an diesem Abend in keiner Minute an. Während die Zuhörer langsam in den Vortragssaal strömen, bereitet er sich am Buffet noch einen Becher Milchkaffee zu.

          Seine Rede liest Weidmann zwar vom Blatt ab, wirkt dabei aber so souverän, als würde er frei referieren. Immer schaut er ins Publikum, um sich dessen Aufmerksamkeit zu vergewissern. Die hat er. Denn Weidmann vertritt klare Thesen, wenn er sie auch manchmal etwas umständlich formuliert. Wer noch einen Beweis braucht, dass der ehemalige Berater der Bundesregierung die Bundesbank nicht zum Puppentheater von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble macht, der wird mit seiner Rede bedient.

          Die Finanzkrise habe die Grenzen der Zentralbanken aufgezeigt

          Die Zentralbank macht Geldpolitik, stellt er klar, keine Finanzpolitik. Und es sei nicht Aufgabe der Geldpolitik, die Zahlungsunfähigkeit von Staaten abzuwenden. Auch gegen eine Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Rettung in Form einer Umschuldung spricht er sich aus und stellt sich damit gegen die Bundesregierung. Größter Gläubiger sei ohnehin das griechische Bankensystem, das in der Folge nur durch weitere Rettungspakete aufgefangen werden müsste.

          Die Finanzkrise habe die Grenzen der Zentralbanken aufgezeigt, befindet Weidmann. Statt Blasen entgegenzuwirken, hätten sie sich mit einer „Strategie des Abwartens“ beschieden und versucht, die Folgen ihres Platzens abzumildern. In seiner Rede regt er mehrfach an, die Wirtschaftswissenschaft müsse sich damit befassen, wie die Aufsicht verbessert werden könne, was Finanzforscher Walz nur zu gerne hört.

          Schlagfertigkeit und Humor

          In der Fragerunde beweist Weidmann Schlagfertigkeit und Humor und bemängelt selbstironisch seinen „etwas trockenen Bundesbanksprech“. Der hat offenbar dazu geführt, dass ein Zuhörer nicht mitbekommen hat, dass die Antwort auf seine Frage bereits ein wesentlicher Teil von Weidmanns Rede war.

          Auch sein Plädoyer für eine starke Rolle der Bundesbank in einer reformierten Bankenaufsicht formuliert Weidmann reichlich umständlich. Seit je gehört es in Frankfurt zum guten Ton, sich für eine Zusammenlegung der auf Bonn und Frankfurt verteilten Bafin am Finanzplatz auszusprechen. War im Koalitionsvertrag der Bundesregierung noch davon die Rede, die ganze Bankenaufsicht der Bundesbank zuzuschreiben, so soll nach aktuellen Plänen nur die Aufgabenverteilung klarer geregelt werden – und wer die Systemrisiken überwacht, also die makroprudenzielle Aufsicht übernimmt. Hierfür fordert Weidmann ein „umfassendes Mandat, das mit entsprechenden Rechten auf den Zugang zu Informationen und Daten verbunden ist“. Weber hätte das schärfer formuliert.

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