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Bundesbank-Präsident Axel Weber : Enttäuschung am Finanzplatz

Josef Ackermann (rechts) und sein Nachfolger Axel Weber? Bild: DPA

Lange wurde spekuliert, dass Bundesbank-Präsident Axel Weber Chef der Europäischen Zentralbank wird. Daraus scheint freilich nichts zu werden, wie am Mittwoch am Finanzplatz spekuliert wurde.

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          Spätestens im Januar ist Axel Weber in der Frankfurter Gesellschaft angekommen. Seine Rede beim Neujahrsempfang der Stadt war präzise, passagenweise humorvoll und von genau jener Dauer, wie sie bei einer solchen Gelegenheit erwartet wird. Die Oberbürgermeisterin war von dem Vortrag des Bundesbankpräsidenten dermaßen begeistert, dass sie spontan eine Regel bei städtischen Neujahrsempfängen zur Disposition stellte: Dass jeder in seinem Leben dort nur einmal als Festredner sprechen darf. Werde Weber dereinst einmal ein anderes Amt übernehmen, so sei zu überlegen, ob er ein zweites Mal eingeladen werde, meinte Petra Roth (CDU).

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Wie alle im Saal dachte sie an den Posten des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, für den Weber schon länger im Gespräch war. Daraus scheint freilich nichts zu werden, wie am Mittwoch am Finanzplatz spekuliert wurde, nachdem ein Sprecher der Bundesbank bestätigt hatte, Weber denke über einen Verzicht auf eine zweite Amtszeit nach 2012 in diesem Hause nach. Spekuliert wurde Mittwoch generell viel, auch dass der Dreiundfünfzigjährige statt in die EZB in die Deutsche Bank wechseln werde – an die Spitze, als Nachfolger von Josef Ackermann.

          „Ich finde das beschissen“

          Solche Nachrichten bringen dann doch auch die Frankfurter Banker noch in Unruhe, die sich in den vergangenen Jahren an aufregende Tage gewöhnt haben. Weber genießt am Finanzplatz hohes Ansehen, wegen des erfolgreichen Krisenmanagements der Bundesbank, auch wegen seiner Grundsatzfestigkeit. „Fast wie Karl Otto Pöhl“, sagte gestern jemand, und das war überaus anerkennend gemeint, denn der Bundesbank-Präsident in den Jahren von 1980 bis 1991 stand für eine konsequente Stabilitätspolitik, aber auch für den selbstbewussten Umgang mit Politikern, und sei es ein Kanzler der Einheit.

          So war am Mittwoch viel von Enttäuschung darüber die Rede, dass es Weber womöglich nicht zum EZB-Präsidenten bringt. „Ein guter Mann mit einer klaren Linie“, sagte ein Manager über Weber, „geradezu Mr. Stabilität“, ein anderer. Und ein dritter sprach Klartext: „Ich finde das beschissen.“ Allgemein herrscht die Meinung, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe nicht genügend für Weber gekämpft. Dabei sei er es gewesen, dessen Rat wie der keines anderen in Berlin in der Krisenzeit gefragt gewesen sei.

          An der Spitze der EZB könne sein tadelloser Ruf nur Schaden nehmen

          Als Chef der Deutschen Bank kann man sich Weber vorstellen, viel ist am Finanzplatz von einer Doppelspitze mit dem Investmentbanker Anshu Jain die Rede, wobei Weber die Kontaktpflege zur Politik zufiele. Er sei sich jedenfalls sicher, dass Weber eine Alternative habe, sagte ein Branchenkenner. Weber, der seit 2004 an der Spitze der Bundesbank steht, kennt jeder der Spitzenbanker am Finanzplatz – zwangsläufig, weil die Bundesbank eine der beiden Aufsichtsbehörden der Branche ist. Aber Weber zeigt sich, anders als Trichet, auch oft in Frankfurt, nicht nur, wenn er als Festredner zugesagt hat.

          Auch wenn das Bedauern überwog: Ein Bankchef sagte am Mittwoch, eigentlich mache der Bundesbank-Chef alles richtig. An der Spitze der EZB, in die zunehmend die Politik hineinregiere, könne sein tadelloser Ruf nur Schaden nehmen.

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