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Pfungstädter : Ära einer Traditionsbrauerei geht zu Ende

Zählte der Verband zur Jahrtausendwende hessenweit noch etwa 3000 dieser Gasthöfe, sollen es heute nur noch rund 1200 sein. „Das sind typische Restaurants, in denen Bier ausgeschenkt wird“, so Seibold, „dieser Rückgang trifft uns unheimlich“.

Rückgang im Bierabsatz

Deshalb hatte Seibold, der seit 2014 an der Spitze von Pfungstädter steht und die Geschäfte seit 2017 allein verantwortet, zuletzt bereits ein Sanierungsprogramm aufgesetzt, im Zuge dessen rund 20 Stellen und Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro eingespart wurden. Zudem habe man Teile des rückläufigen Bierabsatzes durch höhere Exporte nach Asien und in die Vereinigten Staaten, aber auch durch eine Erweiterung des Sortiments auffangen können.

So hat Pfungstädter zuletzt einige neue Biersorten auf den Markt gebracht: Ein Ur-Weizen mit Dinkelmalz, ein Schwarzbier, ein „Kellerbier“ getauftes Lager und zuletzt das Braumeister-Pils, für das fünf verschiedene Hopfensorten aus der Region verwendet werden. Doch auch wenn sich der Biermarkt in immer mehr Sorten ausdifferenziert und die Kunden öfter zu Mixgetränken wie Radler oder zu alkoholfreien Varianten greifen, könnten die neuen Produkte den Rückgang im Bierabsatz insgesamt und das Gasthof-Sterben nicht kompensieren, sagt Seibold. Zuletzt ging die verkaufte Biermenge von 220.000 auf 200.000 Hektoliter zurück, damit ist die Brauerei in Südhessen nur zur Hälfte ausgelastet. Der Umsatz schrumpfte ebenfalls, von 24 auf 20 Millionen Euro 2018.

Kulturgut: Die Pfungstädter Brauerei gibt es seit 1831.

Seibold hofft nun von dem Investor auf eine hohe einstellige Millionensumme, um die Brauerei in eine sichere Zukunft führen zu können. Von dem Geld soll als erstes eine neue Abfüllanlage gekauft werden, mit deren Hilfe der stark wachsende Markt für Dosenbier befriedigt werden soll. Während im Ausland ohnehin Dosenbier seit Jahren gut verkauft wird, greifen in Deutschland wieder mehr Kunden zu Bierdosen, nachdem der Verkauf mit Einführung des Dosenpfands 2003 zurückgegangen war. Da Pfungstädter bislang aber keine Abfüllanlage für 0,33- und 0,5-Liter-Dosen hatte, musste das Produkt bei einem Dienstleister abgefüllt werden. Dort konkurrierte das Unternehmen aber mit anderen Brauereien um Kapazitäten und verlor einen Teil der Gewinnmarge.

Frische Ideen durch neue Investoren

Zudem will Seibold die Marke Pfungstädter vor allem in Großstädten der Region bekannter machen, etwa in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz. „Dort brauchen wir mehr Marketing-Power.“ Schließlich werde der Bierkonsum künftig eher in Städten als auf dem Land wachsen. Auch dort sei zwar, ebenso wie im Ausland, die Konkurrenz groß. Doch Seibold glaubt weiter daran, Pfungstädter durch innovative Sorten und gute Brau-Kunst von Wettbewerbern differenzieren zu können. Der neue Investor sei eingeladen, frische Ideen ins Unternehmen einzubringen.

Die 100 Mitarbeiter des Betriebs hätten die Entscheidung, einen Geldgeber ins Haus zu holen, gut aufgenommen, sagt Seibold. Nun hofft er, den Brauerei-Standorten langfristig erhalten zu können – auch mit Blick auf ein Jubiläum: In zwölf Jahren wird Pfungstädter 200 Jahre alt.

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