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Brauerei-Neubau : Radeberger macht mit Zeitplan Druck auf die Stadt

Binding als Frankfurter Kernmarke von Radeberger wird noch in Sachsenhausen gebraut Bild: Frank Röth

Bei der Suche nach einem neuen Standort peilt die in Frankfurt ansässige Radeberger Gruppe eine Fläche im Stadtteil Nieder-Eschbach an. Bis Mitte November soll sich die Stadt zu einem von Radeberger vorgelegten Fahrplan und Projektrahmen äußern. Das Areal gilt aber aus ökologischer Sicht als problematisch.

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          Die Radeberger-Gruppe möchte ihre Bierflaschen künftig in Nieder-Eschbach füllen. Die in Sachsenhausen ansässige Brauerei konzentriert ihre Suche nach einem neuen Standort auf eine Fläche in dem nördlichen Stadtteil. Wie Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer der FAZ sagte, sei der Standort der einzige in der Stadt, der den Anforderungen von Radeberger an eine neue Braustätte mit Verwaltungsbau, Logistikdrehscheibe und Markenwelt voraussichtlich genüge. Kallmeyer hat nach eigenen Angaben Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) einen Zeitplan vorgeschlagen. Die Stadt soll sich demnach bis Mitte November verbindlich äußern, wie sie zu dem Vorhaben steht. Bis spätestens Ende Dezember möchte Kallmeyer klare Angaben zur verfügbaren Fläche, der Erschließung und nicht zuletzt den Kosten, die auf den größten deutschen Bierkonzern zukommen, haben. Die Eile erklärte Kallmeyer mit der Absicht, dass das vormals unter Binding Brauerei firmierende Unternehmen bis Ende 2011 einen Neubau errichten wolle.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Umzug der Brauerei auf die Wunschfläche steht allerdings vor großen Hindernissen. Ein Teil der in den Grüngürtel eingebundenen Fläche, die größtenteils der Stadt gehört, ist Landschaftsschutzgebiet. Eine Umwidmung des Geländes wäre äußerst kompliziert. Wie im Römer zu erfahren war, müssten bis hin zum Flächennutzungsplan etliche Vorgaben geändert werden.

          Im Bestand gefährdet

          Insbesondere die Grünen dürften dies nicht leichten Herzens hinnehmen und höchstwahrscheinlich aus ökologischen Gründen gegen die Ansiedlung der Brauerei, für die Radeberger 15 Hektar veranschlagt, im Grüngürtel opponieren. Zudem dürfte es schwierig werden, genügend Ausgleichsflächen für die verlorengehenden Grünflächen vorzuweisen. Zwar wird durch den gerade erst von der Koalition beschlossenen Hafenpark eine neue Grünfläche geschaffen, die, wie es in dem entsprechenden Antrag heißt, als Ausgleichsfläche für noch nicht realisierte Planungsvorhaben genutzt werden soll. Allerdings wird der Hafenpark nur vier Hektar groß und würde daher bei weitem nicht ausreichen, um den Wegfall der Grünflächen in Nieder-Eschbach zu kompensieren.

          Radeberger-Chef Kallmeyer: Außer aus Frankfurt noch andere Angebote

          Kallmeyer hatte sich am Montag mit der Oberbürgermeisterin getroffen. Am bisherigen Standort sieht sich das Unternehmen, das in Frankfurt Marken wie Schöfferhofer, Binding und Clausthaler Alkoholfrei herstellt, im Bestand gefährdet. Denn auf dem benachbarten Henninger-Gelände sollen Büros und Wohnungen entstehen. Der Bebauungsplan hat niedrigere Obergrenzen für den Lärm zur Folge, der von der Brauerei ausgehen dürfe. Dabei läuft das Geschäft Kallmeyer zufolge auf Hochtouren: „Wir werden lauter, sollen aber leiser werden.“

          Imageproblem

          Träte der Bebauungsplan unverändert in Kraft, müsste die Brauerei ein Viertel weniger Lärm verursachen als derzeit. Dies hält Kallmeyer für unmöglich. So befürchtet er Klagen künftiger Anlieger mit der Folge, den Betrieb stark einschränken zu müssen. Daraus hat Radeberger den Schluss gezogen, einen neuen Standort zu suchen. Dort will das Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag investieren.

          Das Gelände in Nieder-Eschbach ist eine von rund einem Dutzend Flächen, die die Stadt Radeberger für einen Umzug vorgeschlagen haben soll. Die Liste hat die Brauerei gemeinsam mit Planungs- und Wirtschaftsexperten der Stadt geprüft. In Gesprächen mit Stadtrat Edwin Schwarz (CDU) und dem Leiter des Stadtplanungsamts, Dieter von Lüpke, „haben wir uns auf diesen Standort eingeschossen - das finde ich gut“, äußerte Kallmeyer. Außer Nieder-Eschbach komme kein Standort in Frankfurt in Frage. Der Industriepark Höchst erfülle zwar grundsätzlich die Vorgaben der Brauerei, die ein verkehrsgünstig gelegenes Areal von 15 Hektar haben will, das nicht an Wohnhäuser grenzt. Doch Kallmeyer befürchtet ein Imageproblem: „Die Assoziation zwischen Chemie und Bier wäre nicht tragbar.“ Außerdem soll gegen einen Umzug nach Höchst sprechen, dass Radeberger das Gelände nicht wie gewünscht erwerben, sondern nur pachten könnte.

          Fläche im Umland in der Hinterhand

          Kallmeyer hofft auf Unterstützung durch CDU und Grüne im Römer. Er ist der Ansicht, den Politikern werde es gefallen, dass der Konzern investieren und rund 500 Stellen erhalten wolle. Den Grünen dürfte eine „ökologisch optimierte Braustätte“ zusagen, wie er meinte. Außerdem werde die Logistikdrehscheibe die Lastwagenfahrten zwischen Sachsenhausen und dem Bischofsheimer Lager überflüssig machen. Sollte Frankfurt die Brauerei „wider Erwarten“ nicht unterstützen, hätte er eine Fläche im Umland in der Hinterhand. „Wenn man 100 Millionen Euro ausgeben will, findet man immer freundliche Gesichter“, sagte Kallmeyer, ohne eine bestimmte Kommune zu nennen.

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