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Nach Neun-Monats-Bericht : Brain Biotech erhebt sich aus dem Kurstal

Im Laboratorium der Brain AG aus Zwingenberg bei Darmstadt: Hier werden biologischer Strukturen und Funktionen aus der Welt der des Mikrokosmos untersucht und auf ihre Funktion überprüft. Bild: Helmut Fricke

Mehr als anderthalb Jahre ist es mit der Aktie der Brain Biotech AG unter dem Strich nur abwärts gegangen. Doch seit Ende August ist der Titel um 50 Prozent gestiegen. Und Analysten sehen noch viel Luft nach oben.

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          Wenn Aktionäre der Brain Biotechnoloy AG auf den Kursverlauf ihres Titels blicken, dann kommt ihnen möglicherweise eine bestimmte Textzeile in den Sinn: „What goes up must come down“, sang schon Tom Petty. Sie passt sehr gut auf den Kurs der Brain-Aktie. Mehr als anderthalb Jahre ist es mit ihm unter dem Strich nur abwärts gegangen. Doch seit Ende August ist der Titel um 50 Prozent im Kurs gestiegen. Und Analysten sehen noch viel Luft nach oben für die Notiz des Zwingenberger Vertreters der sogenannten weißen Biotechnologie.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die weiße Biotechnologie ist ein Teil einer besonderen Farbenlehre: Während sich grüne Biotechnologie auf gentechnisch veränderte Pflanzen bezieht und rote Biotechnologe etwa auf Antikörper, geht es in der weißen Variante um industrielle Anwendungen. So hat Brain zum Beispiel spezielle Eiweiße entwickelt, mit denen Waschmittel bei 40 Grad schmutzige Textilien genauso gut reinigen wie sonst mit 60 Grad. Aus den Laboren der Zwingenberger kommen natürliche kalorienarme  Süßstoffe und ebensolche Süßkraftverstärker. Gleiches gilt für Bakterien, die Edelmetall-Partikel aus Elektroschrott transportieren. Zudem stellt Brain auch Eiweiße zur Verfügung, mit denen Käse im Wortsinne über Nacht reift statt im Verlauf von mehreren Wochen.

          „Dieses Produkt vertreiben wir tonnenweise“

          Die Brain-Produkte helfen also unter anderem, Zucker zu ersetzen und Zähne zu schonen sowie Kalorien zu sparen. Zudem können Ressourcen und Umwelt geschont und Produktionsprozesse effizienter gestaltet werden. „Dieses Produkt vertreiben wir mittlerweile fast im Tonnen-Maßstab. Es wächst schön“, sagt Vorstandschef Jürgen Eck mit Blick auf das Käse-Enzym. Auch mit Zucker-Ersatzstoffen und Süßgeschmack-Verstärkern verbinden Analysten, die das Unternehmen bewerten, ein großes Potential.

          Nur: Bis zur Vermarktung dauert es noch etwas. Eck rechnete zuletzt damit, „dass die neuen Süßungsmittel von 2021/22 an in Form von Getränken und anderen Waren im Regal stehen werden.“

          Deutlicher Kursverfall

          Vor diesem Hintergrund hat der Mittelständler aus Südhessen über die vergangenen Quartale hinweg noch rote Zahlen geschrieben. Das mag ein Grund für den deutlichen Kursverfall von 27,50 Euro in der Spitze hinunter auf zuletzt 7,88 Euro gewesen sein. Doch nach Veröffentlichung der Neun-Monats-Zahlen hat eine Gegenbewegung eingesetzt: Seit Ende August steigt die Aktie im Kurs. Was sind die Gründe für diesen Auftrieb?

          Laura Lopez Pineda von der Baader Bank sagt, der Kursverfall sei zu heftig gewesen. Nun sehen Anleger demzufolge eine Erholung. Das sei es aber nicht alleine. „Die Neun-Monats-Zahlen waren sehr gut, die Profitabilität hat sich deutlich verbessert“, sagte die Analystin im Gespräch mit der F.A.Z. Das Unternehmen sei zwar noch nicht profitabel, komme aber der Gewinnschwelle nahe.

          Kursziel von 21 Euro

          In der vergangenen Woche hat sich Brain zudem auf einer Anlegerkonferenz von Baader präsentiert und Einzelgespräche mit Investoren geführt. Solche Auftritte sorgten für mehr Aufmerksamkeit unter Anlegern, sagt Lopez Pinela. Sie traut Brain trotz des jüngsten Kursauftriebs noch mehr zu. Das Kursziel für die Aktie hat sie bei 21 Euro gesteckt. Daraus errechnet sich ein Kurspotential von gut 80 Prozent. Andere Analysten haben zuletzt ähnlich lautende Kursziele genannt.

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