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Edelgemüse-Saison eröffnet : Bouffier: Ohne Zuwanderer kein Spargel mehr

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Anspruchsvoll: Spargelkönigin Sarah I. aus Griesheim zeigt Bouffier, wie das Edelgemüse richtig gestochen wird Bild: dpa

„Wir könnten keinen einzigen Spargel mehr stechen, wenn wir nicht die Saisonarbeiter aus der Ukraine, aus Polen und aus anderen Ländern hätten“ - das sagt Ministerpräsident Bouffier. Und ruft zu Nachdenklichkeit in der Migrationsdebatte auf.

          Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat bei der offiziellen Eröffnung der Spargelsaison in Darmstadt zu Nachdenklichkeit in der Zuwanderungsdebatte aufgerufen. „Wir könnten keinen einzigen Spargel mehr stechen, wenn wir nicht die Saisonarbeiter aus der Ukraine, aus Polen und aus anderen Ländern hätten“, sagte Bouffier am Donnerstag beim traditionellen Spargelanstechen in Südhessen. „Die Bürokratie darf nicht ausufern.“

          Gemeinhin nimmt Agrarministerin Priska Hinz (Die Grünen) diesen Termin wahr. Sie war aber anderweitig gebunden, wie das Ministerium auf Anfrage von FAZ.NET mitteilte.

          Pro Drei-Monats-Regel

          Der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt, forderte, die Drei-Monats-Regelung dürfe nicht wie geplant auf zwei Monate verkürzt werden. Andernfalls müssten Spargel-, Erdbeerbauern, andere Landwirte und Winzer die Kräfte nach zwei Monaten, wenn sie gut eingearbeitet seien, wieder nach Hause schicken oder für einige Wochen sozialversicherungspflichtig anmelden, was einen erheblichen bürokratischen Aufwand bedeute.

          „Das macht überhaupt keinen Sinn“, kritisierte Spargelbauer Meinhardt. Die meisten Saisonkräfte seien klassische Hausfrauen, die drei, vier Jahre kämen und dann in ihrer Heimat blieben. Immer mehr Osteuropäer wollten lieber eine Festanstellung in der Industrie als als Saisonkraft in der Landwirtschaft zu arbeiten. „Wenn wir Leute haben, die gut sind und in Deutschland bleiben wollen, stellen wir sie auch ein.“ So habe er nach zwei, drei Jahre Suche einen Traktorfahrer in Rumänien gefunden, der mit seiner Familie in Hessen bleibe.

          Spargel: Wachstum und Ernte

          Der weiße Spargel ist eine krautige Pflanze mit mehrjähriger Kultur. Ein Spargelfeld anzulegen, sei teuer und erfordere Geduld, sagt der Generalsekretär des Hessischen Bauerverbands, Peter Voss-Fels. „Die Pflanzen müssen sehr tief (70, 80 Zentimeter) in die Erde, einzeln gekauft und gepflanzt werden.“

          Dann dauere es ein, zwei Jahre, bis die ersten Spargel geerntet werden könnten - und noch länger, bis größere Mengen gestochen werden. Das vierte Jahr ist nach Darstellung des Darmstädter Spargelbauern Stefan Appel das erste Jahr mit vollem Ertrag, von fünf bis sechs Tonnen pro Hektar. Später würden die Spargel dann zwar nicht mehr weniger, aber dünner.

          Eine Kultur lebt ungefähr acht bis zehn Jahre, dann würden auch die Folien recycelt, sagt Appel. Dank der schwarz-weißen Folien muss nur noch einmal am Tag geerntet werden, weil die Spargel-Köpfe, an der Luft nicht mehr so schnell blau werden.

          Pro Hektar oder 5000 Laufmeter muss nach Angaben des Arbeitskreises Südhessen mit etwa drei Arbeitskräften gerechnet werden. Auf einem Meter wachsen drei bis vier Pflanzen mit - je nach Sorte - bis zu zehn oder zwölf Trieben, also Spargel-Stangen. Eine gute Arbeitskraft sticht nach den Worten Appels 150 bis 200 Stangen pro Stunde. Das Durchschnittsgewicht pro Stange: 50 Gramm.

          Wie gut der Spargel wird, entscheide maßgeblich die Witterung im Herbst des Vorjahres, sagt Appel. 2017 hätte es etwas sonniger sein können, findet er. Rolf Meinhardt, Vorsitzender des Arbeitskreises Spargel Südhessen, rechnet damit, dass die Qualität 2018 besser ist als im Jahr zuvor. Dies liege an neuen Sorten, die jetzt auf dem Markt kämen, sowie an höheren Spargeldämmen, die gut für das Wachstum der Pflanze seien. (lhe)

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