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Neues Papier für Kassenbeleg : Auf dem Weg zum Bio-Bon

Soll dank „Blue4est“ umweltfreundlicher werden: Kassenbon Bild: dpa

Ärger über die Vorgabe hin, Papierflut her. Die neue Kassenbon-Pflicht macht auch vor Bio-Läden nicht halt. Und was machen die Händler wie Alnatura? Sie nutzen die Angelegenheit für PR in eigener Sache.

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          Beim Brötchen-Kauf schon einen Kassenbeleg bekommen? Falls nicht, ist der Bäcker etwas hintendran. Seit dem Jahreswechsel gilt die Bon-Pflicht. „Auch den Kassenbon gefällig?“ – diese Frage erübrigt sich nun für das Verkaufspersonal. Und das nicht nur in Bäckerläden und Cafés um die Ecke, die durch die Vorgabe etwas italienischer werden, denn in Italien trägt der Kellner einem im Zweifel den Beleg seit jeher hinterher. Supermärkte kommen um das Zettelchen ebenfalls nicht umhin. Sogar vor Bio-Läden macht die „Belegerteilungspflicht„ nicht halt. Da können Umweltfreunde vor der Papierflut an den Kassen noch so laut warnen. Vor vielfach ungewolltem Müll überdies, wie etwa Alnatura weiß: 40 Prozent der Kunden der auf Bio-Ware spezialisierten Lebensmittel-Kette wollen „bisher explizit“ keinen Kassenbon.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber ob sie das Zettelchen wollen oder nicht, nun müssen sie eines nehmen. Aber das Unternehmen mit Sitz in einem als sehr nachhaltig gelobten Neubau in Darmstadt tut etwas für das gute Gewissen seiner Kundschaft: Es stellt, so lautet die frohe Botschaft gleich zu Jahresbeginn, demnächst auf anderes Kassenbelegpapier um. Natürlich auf umweltfreundlicheres. Jawohl. „Blue4est“ heißt das Zauberwort.

          Ab in die Tonne, aber in die blaue!

          Dahinter verbirgt sich ein Papier, auf dem Zahlen und Buchstaben durch Wärme in blau-grauer Farbe erscheinen. Da ist zwar schon bei dem bisher verwendeten Papier der Fall. Aber „Blue4est“-Papier braucht dafür keine Chemie mehr, wie es heißt. Vielmehr liege eine physikalische Reaktion zu Grunde. Selbst der Kontakt von Lebensmitteln mit diesem neuartigen Thermopapier sei unbedenklich. Es darf laut Alnatura mangels chemischer Farbentwickler auch in die blaue Tonne und muss nicht in den Restmüll.

          Selbstredend wird für das neue Papier nicht irgendein Holz verwendet. Es kommt vielmehr aus nachhaltiger Forstwirtschaft, wie Alnatura versichert. Versehen mit dem FSC-Siegel, das steht für Forest Stewartship Concil und wird von einer in Bonn ansässigen Non-Profit-Organisiation vergeben.

          Den digitalen Bon im Sinn

          Dummerweise kostet das „Blue4est“-Papier ein Zehntel mehr als die Chemie-Variante, wie Alnatura auf Nachfrage wissen lässt. Aber was macht ein Bio-Händler nicht alles, um der Umwelt Gutes zu tun und Bedenken der Kundschaft zu begegnen? So wie Edeka und der Discounter Netto übrigens auch. Das haben sie vor Weihnachten schon bekannt gegeben.

          Alnatura denkt aber schon weiter und hat für die Zukunft den digitalen Bon im Sinn. „Das Unternehmen prüft, ob im nächsten Schritt eine gänzlich papierlose Variante für die Belegausgabepflicht umgesetzt werden kann.“ Das würde bestimmt die 40 Prozent unter der Kundschaft freuen, die keinen Beleg erteilt bekommen wollen. Zumal der Bon dann energetisch nachhaltig aufs Smartphone käme. Alnatura nutzt schließlich Öko-Strom. Wäre ja auch noch schöner.

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