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Börse in Frankfurt : Wird bald das ganze Leben handelbar?

Die Börse in Frankfurt hat eine jahrhundertelange Tradition. Was dort künftig alles gehandelt werden könnte, ist schier unvorstellbar. Bild: Victor Hedwig

Bisher wechseln an der Frankfurter Börse vor allem Aktien und Anleihen den Eigentümer. Wenn die Digitalisierung weitergeht wie bisher, wird das erst der Anfang gewesen sein.

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          Die grandiose Lebensleistung der Frankfurter Börse ist es, vielen Menschen das Leben ungeheuer erleichtert zu haben. Das ging schon im Mittelalter los, als Händler aus aller Herren Ländern zur Frühjahrs- und zur Herbstmesse nach Frankfurt kamen. Im Gepäck Fässer voll Münzgeld. Gulden, Taler, Mark, Franc und viele anderen Währungen trafen aufeinander. Und jeder war sich irgendwie unsicher, was seine Münzen in all den andere Währungen überhaupt wert waren – eine ziemlich unübersichtliche Angelegenheit, die 1585 mit der Festlegung einheitlicher Wechselkurse durch Frankfurter Kaufleute einer gewissen Transparenz wich und Wucher erschwerte. Dank der herausragenden Bedeutung als Messestandort in der Mitte Europas war in Frankfurt eine ebensolch international bedeutsame Börse entstanden.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Das ist sie bis heute geblieben. Seit 200 Jahren werden Aktien in Frankfurt gehandelt. Seither kann jeder Geldgeber fortlaufend sehen, was seine Anteile wert sind. Und er kann sie an andere Anleger weiterverkaufen. Anfangs mussten solche Transaktionen noch in bar vor Ort bezahlt werden. Etwas umständlich, angesichts recht großer Summen, die dort säckeweise in Silbermünzen herangeschleppt werden mussten. Frankfurt gehörte 1853 zu den ersten Börsen, die hier mit ihrer „Vereins-Kasse“ für deutlich kundenfreundlichere Verwahrlösungen für Geld und Wertpapiere sorgte. Das digitale Zeitalter läutete die Frankfurter Börse im Jahr 1969 ein. Seither können Börsentransaktionen elektronisch erfasst und verarbeitet werden. Später kam das computergestützte Kursinformationssystem Kiss, das 1997 durch das erste vollelektronische Handelssystem Xetra abgelöst wurde. Die Deutsche Terminbörse ging später in der ersten grenzüberschreitenden Terminbörse der Welt auf, der Eurex, der noch heute größten europäischen Terminbörse.

          Das digitale Zeitalter läutete die Frankfurter Börse im Jahr 1969 ein.

          Am Kern der Börse hat sich in all den Jahrhunderten nichts geändert. Es ist ein zentraler Marktplatz, an dem Preise für Währungen und Wertpapiere ermittelt werden. Und nach dem Handel wird für eine zuverlässige Abwicklung der Transaktion gesorgt – jeder bekommt seine Ware und sein Geld. Und die Wertpapiere werden verwahrt. Derzeit lagern bei der Börse Papiere im Wert von 14 Billionen Euro.

          Geschwindigkeit und Handelsvolumen haben sich in den Jahrhunderten vervielfacht, aber der Kern ist geblieben. Aber bleibt das auch künftig so? Jens Hachmeister ist fest davon überzeugt. Er ist bei der Deutschen Börse für Crypto Assets und New Market Structures zuständig, also kurzum der Mann für die Zukunftsthemen. „Die Funktionen der Börse werden auch in ferner Zukunft noch gebraucht“, sagt er: „Wir organisieren Märkte, definieren Standards, lassen Instrumente zum Handel zu, organisieren den Ablauf und achten auf die Regeleinhaltung.“ Hachmeister geht aber nicht nur von einem Fortbestand der Börse aus, er glaubt: Künftig wird es viel mehr handelbare Vermögenswerte geben. „Der Großteil der Vermögenswerte auf der Welt ist bisher noch gar nicht liquide handelbar.“ Immobilien, Grundstücke, Patente und Straßen sind nicht börsennotiert, ihnen fehlt die Teilbarkeit in viele kleine Einzelstücke – so wie Aktien die Unternehmen in ganz viele kleine Einzelstücke zerlegen.

          Eingang zur Frankfurter Börse und IHK

          Genau das kann sich ändern. „Alles könnte in ein digitales Asset verwandelt werden, das sich leicht teilen und übertragen lässt“, sagt Hachmeister und nennt ein verblüffendes Beispiel: „Auch immaterielle Dinge wie die eigene Arbeitszeit.“ Also eine Jobbörse an der Börse? Denkbar ist vieles. „Wir sehen gerade wichtige regulatorische Initiativen“, sagt Hachmeister.

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