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Börse in Frankfurt : Wird bald das ganze Leben handelbar?

Für die Finanzindustrie besonders relevant ist die Frage, wie digitale Vermögenswerte wie etwa Kryptowährungen künftig regulatorisch klassifiziert werden. Auch der Vorschlag, elektronische Wertpapiere künftig ohne Papierurkunde im deutschen Gesetz bis Ende des Jahres zu verankern, gilt als wichtiger Schritt, um die Digitalisierung der Finanzmärkte voranzutreiben. Um Finanzstabilität sicherzustellen, sollen diese digitalen Vermögenswerte künftig den gleichen Standards unterliegen wie herkömmliche Vermögenswerte. „Damit wäre es ab dem kommenden Jahr möglich, in Deutschland digitale Vermögenswerte in einem regulatorisch sicheren Umfeld zu begeben, zu handeln und zu verwahren“, kommentiert Hachmeister. An entsprechender Finanzinfrastruktur dafür arbeitet die Börse. „Deutschland würde damit im internationalen Vergleich aufholen und sich in eine sehr gute Ausgangsposition bringen.“

Außenansicht der Frankfurter Börse bei Nacht

Bisher gelten Länder wie Singapur und die Schweiz als Vorbilder. In der Schweiz ist die Deutsche Börse im Frühjahr auch eine Kooperation mit den Unternehmen Sygnum und Swissom eingegangen, um in ersten Versuchen Verwahrlösungen für digitale Vermögenswerte zu schaffen und die schnellere und direktere Übertragbarkeit von Aktien auszutesten. Bisher dauert das mindestens zwei Tage.

Am konkretesten an der Zukunft bastelt die Deutsche Börse aber in einem anderen Projekt. Es heißt HQLAX. 14 Teilnehmer sind bisher dabei, große europäische Banken. Für sie soll es künftig einfacher werden, Sicherheiten zu übertragen, also Wertpapiere, die sie vorhalten müssen, um bestimmte Geschäfte machen zu können. Bisher befinden sich diese Wertpapiere meist in zentralen Verwahrstellen wie Clearstream oder Euroclear. Sie liegen da aber wenig beweglich herum. Innerhalb eines Tages ist eine Mobilisierung selten möglich und auch innerhalb von zwei Tagen oft schwierig. „Wir schaffen Token, die diese Sicherheiten repräsentieren“, sagt Hachmeister. Diese digitalen Token können nur einen Bruchteil der Wertpapiere repräsentieren und mittels der von Fachleuten als Distributed-Ledger bezeichneten Technologie (DLT) schneller übertragen werden.

Bulle und Bär im blühenden Frühling vor der Börse

Dafür ist ein Treuhänder vorgesehen, eine Tochtergesellschaft der Börse, über den die Token bewegt werden können. An diesen Treuhänder sind alle anderen Verwahrstellen angeschlossen und können viel direkter mit ihm interagieren, als wenn Wertpapiere wie bisher zwischen verschiedenen Verwahrstellen übertragen werden müssen. Mit der neuen Zentralfunktion der Börse würde die Übertragung der Sicherheiten mittels der sie repräsentierenden Token viel passgenauer den Bedürfnissen der Banken entsprechen. „Die Marktteilnehmer mögen die Lösung“, sagt Hachmeister. Mit dem zuständigen Regulator in Luxemburg sei alles abgestimmt.

Im vierten Quartal soll HQLAX an den Start gehen. Für Hachmeister ist es ein ideales Beispiel. Denn durch Token könnten auch Brücken, Straßen, Immobilien, Grundstücke, Gemälde, Arbeitszeit oder Patente in viele kleine handelbare Stücke geteilt und unmittelbar übertragen werden. Das wäre kein Vergleich mit der bisherigen langwierigen Aktion etwa beim Kauf einer Immobilie inklusive Notar und Grundbuchamt. Entscheidend ist dabei natürlich, dass der Rahmen rechtssicher ist und alle Handelnden dem Mittler und Verwahrer Vertrauen entgegenbringen. Die Börse sieht sich da in einer hervorragenden Ausgangsposition. Als zentrale Marktinfrastruktur hat sie sich in mehr als 400 Jahren bewährt. Das kann Facebook mit seinen Krypto-währungsplänen noch nicht vorweisen.

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