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Black & Decker : Bohrmaschinen für Heimwerker und Profis

Für den Heimwerker: Arbeit mit der Bohrmaschine Bild: ddp

Seit 50 Jahren gibt es Geräte von Black & Decker in Deutschland. Der amerikanische Hersteller von Bohrmaschinen und anderer Werkzeuge war noch vor dem ersten Baumarkt im Land.

          3 Min.

          Als die Raumfähre Apollo 15 im Jahr 1971 auf dem Mond landete, hatten die Astronauten einen kabellosen Bohrer zur Entnahme von Gesteinsproben im Gepäck. Und als Archäologen 16 Jahre später in Ägypten eine Grabkammer öffnen wollten, ohne dass von außen Luft eindringt, setzten sie einen speziellen Pyramidenbohrer ein.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Das sind nur zwei Beispiele, mit denen Black & Decker gern seine Innovationskraft unterstreicht, denn diese beiden Spezialanfertigungen stammten aus ihrem Haus. Dabei sind Weltraumfahrer und Altertumsforscher nun nicht eben die bevorzugte Zielgruppe des Spezialisten für das Bohren und Sägen im eigenen Heim. Aber solche spektakulären Kunden helfen, in einem hart umkämpften Markt die eigene Marke zu pflegen und sich dem Heimwerker und Bastler als Qualitätsführer zu empfehlen.

          Schlagen und schrauben, bohren und hämmern

          Die Hand im eigenen Heim anzulegen, das ist eine uramerikanische Tradition, wo das eigene Haus bislang zum Lebensstandard der Mittelschicht gehört. 1910 wurde „The Black & Decker Manufacturing Company“ von S. Duncan Black und Alonzo G. Decker gegründet, die „Do it yourself“-Bewegung wurde schließlich ihre Erfolgswelle. Schlagen und schrauben, bohren und hämmern, das ist die Domäne von Black & Decker, und das Deutschland der Wirtschaftswunderzeit wurde zu einem der wichtigsten Märkte des Unternehmens in Europa.

          Black & Decker war einer der wichtigsten Schrittmacher der hierzulande nur langsam um sich greifenden Heimwerker-Bewegung. Vor 50 Jahren schon gründete der Weltkonzern seine deutsche Niederlassung, aber erst zwei Jahre später eröffnete „Bauhaus“ den ersten deutschen Baumarkt in Mannheim. Erst 1968 folgte „Hornbach“ in Bornheim, 1970 „Obi“ in Hamburg – der Beginn einer Massenbewegung. Allein im Jahr 2005 wurden mehr als 100 neue Baumärkte eröffnet, von denen es – je nach Definition und Zählweise – in Deutschland heute rund 4000 gibt. Sie sind der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für Black & Decker.

          Das Unternehmen hat nicht immer nur erfolgreiche Zeiten gesehen. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schlug die einbrechende Baukonjunktur Breschen in die Bilanz; in den neunziger Jahren führten Billigimporte aus Asien zu Umsatzeinbrüchen und schließlich zur Aufgabe der Produktion in Limburg und Idstein.

          Markt für Hobbybastler und Heimwerker

          Die Herstellung wurde teils nach England und in jene asiatischen Länder verlegt, aus denen die härteste Konkurrenz kam. Eine Black & Decker-Straße freilich gibt es noch immer in Idstein, und ebenso das Unternehmen, auch wenn dort nicht mehr produziert wird und die Firma heute Mieterin im früher eigenen Industriekomplex ist. Insgesamt 190 Mitarbeiter, davon 140 direkt am Standort Idstein, entwickeln, bewerben, reparieren und vertreiben heute für Deutschland, Österreich, die Schweiz und ganz Osteuropa Elektrowerkzeuge für Heimwerker, Gartengeräte und Haushaltskleingeräte sowie – noch recht jung – Automobilzubehör. Vor allem auf Bohrhämmer für den Weltmarkt sind die Idsteiner spezialisiert. Auch das vielfach ausgezeichnete Industriedesign stammt aus dem eigenen Haus.

          Geschäftsführer Albrecht Lange hebt vor allem die Innovationskraft hervor, die Black & Decker braucht, um seinem Hauptkonkurrenten Bosch, aber auch Billigprodukten aus Asien Paroli bieten zu können. Zwei Drittel seines Umsatzes erzielt Black & Decker mit Produkten, die jünger als drei Jahr sind. Etwa 50 neue Artikel bringt das Unternehmen jährlich auf den Markt für Hobbybastler und Heimwerker. Einige hundert Neuheiten gar sind es für den lukrativen Markt der Profis, die mit der Produktlinie DeWalt bedient werden.

          Für sie schickt Black & Decker sogar eigene Handwerker in Bussen auf Baustellen, um mit Demonstrationsgeräten zu überzeugen. Die Profis haben weitaus höhere Ansprüche als Heimwerker im Hinblick auf Qualität, Haltbarkeit und Akkukapazität. Ein DeWalt-Bohrhammer sollte mindestens 600 Betriebsstunden aushalten, das Black & Decker-Gerät für den Hobbyhandwerker nur 50 Stunden, was immer noch mehr als genug ist, um einige Jahrzehnte lang gelegentlich ein Loch in die Wand zu bohren.

          Dauerprüfungen im Idsteiner Testlabor

          Im Idsteiner Testlabor unterziehen die Ingenieure die eigenen Produkte, aber auch die der Konkurrenz, harten Dauerprüfungen im Hinblick auf Sicherheit, Betriebsdauer und Umweltverträglichkeit. Dazu werden beispielsweise tropisch-feuchte Umweltbedingungen simuliert, oder die Geräte werden Staub und Vibrationen ausgesetzt und müssen ihre Ausdauer unter extremen Bedingungen beweisen.

          Geforscht wird vor allem an einer steten Verbesserung der Arbeitssicherheit, an mehr Komfort beim Heimwerken, an Zusatzanwendungen für bestimmte Geräte und vor allem an der Akkutechnologie im Hinblick auf Leistung und Ladezyklen. Der Absatz hängt dem steten Fluss an Innovationen zum Trotz vor allem an der Baukonjunktur. Wird auf weniger Baustellen gewerkelt, brauchen weniger Bauarbeiter auch weniger Geräte, und wenn die Konjunktur insgesamt flau ist und die Hauspreise nachgeben, sinkt auch die Neigung des Hausbesitzers, sein Heim mit Elan zu verschönern und zu renovieren.

          Obwohl vor allem die amerikanische Mutter die amerikanische Immobilienkrise zu spüren bekommt, ist Albrecht für sein Unternehmen optimistisch: „Die Marke gewinnt derzeit wieder an Aufmerksamkeit.“

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