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Kerngeschäft Bio-Lebensmittel : Tegut startet die Aufholjagd

Die Tegut-Filiale in Mainz an der Hechtsheimer Straße Bild: Marcus Kaufhold

Die Handelskette Tegut will weiter zulegen. In Frankfurt hat sie Edeka längst abgehängt. Doch auf dem Weg zum Marktführer muss Tegut noch an einem Unternehmen vorbei – und das lässt sich nicht so leicht überholen.

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          Expansionsmanagerin zu sein ist eine schöne Aufgabe, es klingt dynamisch, danach, immer auf dem Weg zu sein. Doch vor allem muss Martina Becker Geduld haben. Für eine neue Tegut-Filiale in Aschaffenburg hat sie bereits vor mehr als einem Jahrzehnt die ersten Gespräche geführt. Jetzt erst konnte der Supermarkt eröffnet werden. Für Becker, „Leitung Expansion Mitte“ der Handelskette aus Fulda, ist die Sache damit abgehakt. Sie ist längst auf der Suche nach neuen Standorten. Besonders im Blick: Frankfurt und Mainz.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          In der Mainmetropole ist Tegut inzwischen elfmal vertreten, drei weitere Märkte sind in Planung, darunter ein Standort mitten in der Stadt, dort, wo bis vor kurzem noch Segmüller Polstermöbel verkaufte, an der Kurt-Schumacher-Straße. In der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz kann man gegenwärtig in vier Filialen bei Tegut einkaufen, zuletzt wurde ein Markt an der Hechtsheimer Straße eröffnet. Doch die ebenfalls wachsende Großstadt bringt Becker ins Schwärmen: „Ich könnte mir dort drei bis fünf weitere Märkte vorstellen“, sagt sie.

          Dabei ist Tegut stets in der Rolle des Verfolgers. Marktführer im Rhein-Main-Gebiet ist mit weitem Abstand Rewe. Eine Besonderheit, denn eigentlich liegt in Deutschland Edeka vorne. Aber in Südhessen ist Rewe in den zurückliegenden Jahrzehnten durch Fusionen und Übernahmen gewachsen, zudem haben auch Beckers Amtskollegen der Kölner Handelskette in den vergangenen Jahren gute Arbeit bei der Expansion geleistet. Zwar hat sich die Zahl der Tegut-Märkte in Frankfurt seit 2007, als Becker den Job übernahm, fast vervierfacht. Doch den elf Filialen stehen nicht weniger als 64 Rewe- und weitere zehn Nahkauf-Märkte gegenüber, das Rewe-Format für kleine Verkaufsflächen in den Stadtteilen. Edeka immerhin liegt unter den Vollsortimentern hinter Tegut auf Platz drei, der deutsche Marktführer betreibt derzeit fünf, künftig sechs Filialen in der Stadt.

          Ins schwierige Bahnhofsviertel vorgewagt

          Die Aufholjagd im immer kaufkräftigeren Rhein-Main-Gebiet ist ein Kraftakt. Es ist eine Suche nach den Lücken im eng gewebten Netz der Supermärkte, nach neuen Vierteln, neuen Immobilien, unverhofften Möglichkeiten. So übernahm Tegut in Frankfurt-Fechenheim ein Ladenlokal, in dem sich schon Tengelmann und Rewe versucht hatten. Mit einem Geschäft an der Kaiserstraße wagte sich Tegut in das schwierige Bahnhofsviertel vor. In Sachsenhausen sind die Fuldaer inzwischen zweimal vertreten, im Nordend hingegen noch gar nicht, obwohl die Handelskette mit ihrer Ausrichtung auf Bio-Produkte zu dem Viertel mit seinen vielen Grünen-Wählern gut passen würde. Einstweilen geschlossen ist der Tegut-Markt im Frankfurter Flughafen, der vor allem bei der Belegschaft beliebt, wenn auch nicht leicht zu finden war. Dort wird gerade umgebaut. Becker hofft, dass dort ein Neuanfang möglich ist.

          Dass sich das Interesse der Expansionsmanagerin auf Großstädte richtet, ist eine Folge der Bevölkerungsverschiebungen; die Menschen ziehen halt vom Land in die Stadt. So hat sich nach ihren Worten auch die Zahl der gesamten Tegut-Filialen zuletzt gar nicht so sehr verändert, gegenwärtig liegt sie bei 278. Geschlossen wurden Geschäfte im ländlichen Raum, vor allem in Thüringen. Zu den Expansionsgebieten wiederum zählen außer Rhein-Main auch Rhein-Neckar und Nürnberg mit seiner Umgebung.

          Der Umsatz der Handelskette, die seit 2013 zum schweizerischen Migros-Konzern gehört, hatte 2017 erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro überschritten, 2019 betrug der Zuwachs 3,3 Prozent auf nunmehr 1,07 Milliarden. Angaben zum Gewinn macht Tegut nicht. Der Anteil der Bio-Lebensmittel ist mit 28 Prozent hoch, in einigen Supermärkten wird unverpackte Ware angeboten, und Hackfleisch wird seit geraumer Zeit in einer Kartonverpackung vertrieben, die nur noch mit einer dünnen Plastikschicht ausgekleidet ist. Mit gutem Tee hat Tegut übrigens nichts zu tun, obwohl es den sicher auch in den Läden gibt. Der Name ist vielmehr die Kurzform des einstigen Gründers: Theo Gutberlet.

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