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150 Jahre Binding Bier : Brauerei als Business Angel

Festbier: Binding-Chef Otto Völker (rechts) beim Frankfurter Oktoberfest im vergangenen Jahr Bild: Lucas Bäuml

Binding ist mehr als ein Bierproduzent: Viele Veranstaltungen und Gastronomie-Konzepte macht die Brauerei erst möglich. Das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen wird angesichts der Corona-Auflagen hauptsächlich mit Aktionen in den sozialen Medien gefeiert.

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          Für Otto Völker ist Bier ein Arbeitergetränk – für diejenigen, die damit nach körperlicher Arbeit den Feierabenddurst stillen, wie auch für jene, die nach dem Tag im Büro mit einem frischen Pils, Export oder Radler entspannen. Der Chef der Frankfurter Traditionsbrauerei sieht darin die enge Verbindung zwischen der Binding und „der Stadt der arbeitenden Menschen“. Egal ob auf dem Bau oder an der Börse, in der Küche oder im Kulturbetrieb, es seien die arbeitenden Menschen, die diese Stadt prägten, das unterscheide Frankfurt wesentlich von Residenzstädten. Und da, wo arbeitende Menschen sich laben wollen, da seien auch die Binding-Produkte. Vor allem, wenn gefeiert werde.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass die Brauerei heute ihr 150-Jahre-Jubiläum nicht mit einem großen Hoffest feiern kann wie vor fünf Jahren, bedauert Völker sehr. Gerne würde er den Brauereihof der Öffentlichkeit auch öfter zugänglich machen.Doch „die Zeiten haben sich geändert, wir produzieren ein Lebensmittel, da sind immer höhere Sicherheits- und Hygieneanforderungen zu beachten, und außerdem ist unser Gelände ein großer Logistikstandort“, sagt er – nicht nur für Binding, sondern auch für die anderen Produkte der Radeberger-Gruppe. Wolle man dort feiern, müsse das Gelände jeweils für mehrere Tage frei geräumt werden.

          Passendes Motto: „Lebbe geht weider“

          So wird das Jubiläum heute angesichts der Corona-Auflagen hauptsächlich mit Aktionen in den sozialen Medien und im ganz kleinen Rahmen im Frankfurter Wirtshaus am Mainkai gefeiert. Das Lokal mit dem angesichts der schwierigen Lage in der Gastronomie derzeit so passenden Motto „Lebbe geht weider“ auf einer Wand an der Pforte zum Römerberg ist das neue Flaggschiff der Brauerei vom Sachsenhäuser Berg. Wobei Völker sofort hinzufügt, natürlich sei jedes Lokal, das Binding ausschenke, eine Repräsentanz der Brauerei. Wie viele Lokale – vom Wasserhäuschen bis zum Sternerestaurant – es sind, wird nicht veröffentlicht, aus Wettbewerbsgründen.

          Reinheitsgebot: Vor dem Stammhaus in Sachsenhausen wächst der Hopfen, den die Auszubildenden pflegen.

          Bei der Stadt ist zu erfahren, dass die Brauerei allein in sieben städtischen Liegenschaften und 30 Kiosken Hauptpächter ist. Es sind aber noch etliche mehr. Denn ob Bürgerhaus oder Friedberger Warte, bei der Stadt wie bei privaten Immobilienbesitzern setzt man gerne auf solide Partner, die dann die Betreiber für die Lokale suchen. Und damit scheint man auch für die aktuelle Krise gut beraten zu sein. „Wir haben auch in Corona-Zeiten unsere Mieten immer gezahlt, wie es sich für faire, ehrbare Kaufleute gehört“, sagt Völker.

          Aber nicht nur für die Vermieter ist die Brauerei ein wichtiger Partner, auch für die Gastronomen. Mit ihnen an Konzepten zu arbeiten, sie zu beraten und mit Lösungen für Ausschank und Abrechnung zu versorgen sei der wichtige Part des Außendiensts. Oft geht es auch um Ausstattung und Finanzierung.

          Flüssiges Gold: Die erste Flaschenbierabfüllung der Binding-Brauerei wird 1905 in Betrieb genommen. Bilderstrecke

          Somit ist die Brauerei mit ihren Fachleuten vielfach nicht nur Getränkelieferant, sondern zugleich Business Angel und Unternehmensberatung für Gastronomen. Dabei geht es häufig auch darum zu erkennen, wann ein Konzept seinen Zenit überschritten hat, wie seinerzeit das gutbürgerliche Hans-Thoma-Eck an der Schweizer Straße in Sachsenhausen. Es wurde Mitte der Neunziger passend zum damaligen Mainhattan-Boom in der Stadt zum „N.Y.C.“ mit der Fackel der Freiheitsstatue vor der Tür und Bagels und Burgern auf der Karte. Inzwischen ist es im Zuge der neuen deutschen Gastrowelle zum „Erbgut“ mutiert – Binding war stets dabei.

          Frankfurter Oktoberfest als wichtiger Absatzmarkt

          Einen guten Riecher für Trends hat die Brauerei auch bewiesen, als sich ein mutiges Trüppchen um die Festzeltbetreiber Hausmann anschickte, ein Frankfurter Oktoberfest auf die Beine zu stellen. Es ist längst zum Kult geworden mit eigenem Binding-Festbier und lockte in den vergangenen Jahren Tausende Feierfreudige in Dirndl und Lederhose aus der Stadt und der Region in das Zelt neben dem Waldstadion (in dem zum Leidwesen Völkers kein Frankfurter Bier ausgeschenkt wird). Für die Brauerei ist die Gaudi im Zelt zu einem wichtigen Absatzmarkt geworden – wie alle Feste von der Fastnacht bis zum Weihnachtsmarkt. „Wir hoffen sehr, dass es wenigstens den in diesem Jahr geben wird“, sagt Völker, sicher sei er sich aber nicht.

          Absagen musste die Binding auch die diesjährige Verleihung ihres vor 25 Jahren gestifteten Kulturpreises. Die Übergabe an die Junge Deutsche Philharmonie soll nachgeholt werden, sobald das möglich ist. Somit ist Binding zwar vielleicht kein Kult-Bier, aber ein Kultur-Bier. Veranstaltungen wie das Museumsuferfest und der Frühlingsball im Palmengarten sind der Brauerei ebenso wichtig wie die Volksfeste. „Das ist unser Bekenntnis als Citoyen“, fasst Völker zusammen, wie er die Rolle der Binding sieht – als Produzenten von Bieren für weltoffene Menschen in Blaumann oder Abendkleid in einer vielfältigen Stadt.

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