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Bildungsfonds : Investieren in junge Akademiker

Im Frühjahr sollen es 1000 finanziell unterstützte Studenten sein: Deutsche Bildung-Chef Steinmetz Bild: Michaek Kretzer

Die Deutsche Bildung AG in Frankfurt unterstützt Studenten finanziell aus einem neuem Fonds. Wer Geld von ihr haben will, muss ein Online-Bewerbungsverfahren durchlaufen. Die Rückzahlungsquote bemisst sich am späteren Erwerbseinkommen.

          Er studiert Volkswirtschaftslehre in Berlin und hatte bis vor kurzem etwas zu wenig in der Tasche, um den Alltag zu finanzieren. Auf der Suche nach einem Geldgeber ist er schließlich bei einer neuen Finanzierungsquelle in Frankfurt fündig geworden: Der junge Mann wird fortan von der Deutschen Bildung Holding AG mit 100 Euro im Monat unterstützt. Dieser Betrag ist die niedrigste Summe, die das Unternehmen bereitstellt. In den anderen Fällen gewährt die Deutsche Bildung bis zu 750 Euro im Monat, wie die Leiterin des Marketing, Anja Hofmann, erläutert.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Deutsche Bildung hat ihr Programm zum laufenden Wintersemester begonnen. Zwar liefen bei dem an der Kaiserstraße ansässigen Unternehmen schon im Juni die ersten Bewerbungen von Studenten ein; mehr als 800 liegen mittlerweile auf dem Tisch. „Die ersten Zusagen sind aber erst verschickt worden, als klar war, dass eine Förderung zu vergeben ist“, sagt Hofmann. Um Studenten ein Finanzierungsangebot machen zu können, muss die Deutsche Bildung ihrerseits Geld einsammeln. Denn die Mittel stammen wie beim Mitbewerber Career Concept in München aus einem Fonds, der in junge Akademiker investiert. Im September ließ die Firma wissen, mit der Delta Lloyd den ersten institutionellen Investor für den „Studienfonds I“ gewonnen zu haben. Der Finanzdienstleister ist mit drei Millionen Euro eingestiegen.

          Anleger müssen mindestens 10.000 Euro bringen

          Auch sogenannte Zeichnungsscheine von Privatleuten, die sich am Fonds beteiligen wollen, laufen ein, wie Vorstandsvorsitzender Frank Steinmetz sagt. Und dies ist ihm ganz recht. Zielt die Deutsche Bildung mit diesem ersten Fonds doch weniger auf institutionelle Anleger als auf private. Wer als Anleger beim „Studienfonds I“ einsteigen will, muss einen langen Atem mitbringen. Der geschlossene Fonds läuft bis 2012 und soll eine durchschnittliche Rendite von 6,2 Prozent bringen. Allerdings gibt es in den ersten drei Jahren keine Zinsen, in den Folgejahren sind dafür teils hohe zweistellige Prozentsätze geplant.

          Wer in den Fonds investiert, muss mindestens 10.000 Euro anlegen. Der Vertrieb läuft über Finanzmakler und Banken. Um das Produkt bekannt zu machen, ist Steinmetz mit dem Bankhaus Sarasin und dem Finanzdienstleister Ökorenta in der Schweiz zusammengegangen. Dass er diese Partner ausgesucht hat, ist kein Zufall. Sarasin und Ökorenta haben sich auf sogenannte nachhaltige Finanzprodukte spezialisiert, ein deutlich wachsendes Anlagesegment. Und Steinmetz nimmt für die Deutsche Bildung in Anspruch, mit dem Fonds ein „ethisches Produkt“ aufgelegt zu haben, weil mit Bildung ein gesellschaftlich sinnvolles Gut gefördert werde.

          Risikolebensversicherung für jeden Studenten

          Unterstützt würden Studenten aus allen sozialen Schichten. Zudem suche sich die Deutsche Bildung nicht nur die derzeit vielversprechenden Fächer heraus, sondern streue die Gelder breit. Angehende Politologen sind ebenso unter den Geförderten wie Medizin- oder Psychologiestudenten. Dadurch werde nicht nur breite akademische Bildung unterstützt, sondern auch das Risiko für den Anleger gestreut, wie der Vorstandschef hervorhebt. Denn der Fonds mache sich nicht von künftigen Absolventen weniger Fächer abhängig. Derzeit erhalten rund 40 Studenten Geld, in einem halben Jahr sollen es 1000 sein.

          Wer Geld von der Deutschen Bildung haben will, muss ein mehrstufiges Auswahlverfahren auf der Internetseite des Unternehmens durchlaufen. Dabei werden etwa Noten und Praktika abgefragt, zudem sind Fragen zu beantworten. Wer sich bewirbt, weiß laut Hofmann nach vier bis sechs Wochen, ob er gefördert wird. Anders als bei Krediten müssen die Kunden keinen festen Zinssatz auf die Fördersumme zahlen - vielmehr wird eine Rückzahlungsquote vereinbart, die sich am Bruttoeinkommen bemisst. Gezahlt wird nach Antritt der ersten Stelle. Für den statistisch immerhin bei zwei Prozent liegenden Fall, dass ein Student vor Abschluss des Studiums stirbt, sorgt die Deutsche Bildung vor: Sie schließt für jeden ihrer Kunden eine Risikolebensversicherung ab.

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