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Bildstörung durch Antennenradio : Das Zweite sieht man schlechter

Fernsehtechniker in Frankfurt haben zurzeit gut zu tun, weil das ZDF-Bild bei vielen Kabelkunden gestört ist Bild: AFP

Bei vielen Kabelkunden in Hessen ist das Programm des ZDF gestört. Das liegt am neuen digitalen Antennenradio. Im Dezember könnte es auch in der ARD schneien.

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          Fernsehtechniker in Frankfurt haben zurzeit gut zu tun. Michael Reichelt vom Fachgeschäft Hammer in Bockenheim hat am Montagmorgen schon vier Servicetermine bei Kabelkunden für den nächsten Tag vereinbart. Alle haben dasselbe Problem: kein Bild vom Programm des ZDF oder nur eines mit Schlieren.

          Petra Kirchhoff
          (hoff.), Rhein-Main-Zeitung

          Der Grund ist schnell erklärt. Am 1. August wurde in einem ersten Schritt das Digitale Antennenradio (DAB +) freigeschaltet. Dieses nutzt dieselben Frequenzen wie verschiedene Fernsehprogramme im analogen Kabelfernsehen. In Hessen ist es der Kanal für das Programm des ZDF, dessen Empfang dadurch gestört ist. Betroffen sind nach Angaben des Kabelnetzbetreibers Unitymedia - er hat in Hessen das Monopol - analoge Kabelkunden, die in der Nähe eines Sendemastes wohnen und „veraltete, unzureichend abgeschirmte“ Antennenkabel nutzen.

          „Kein Problem des Kabelnetzes“

          Empfohlen wird, das bisherige Kabel zwischen Kabeldose und Fernsehgerät gegen ein besser abgeschirmtes (mindestens 85 dB) auszutauschen. Adapter und sogenannte T-Stücke sollten vermieden werden. Unitymedia hat solche Kabel bisher auf Anfrage an Kunden gratis verschickt, inzwischen aber Lieferschwierigkeiten. Eine Sprecherin hebt hervor: „Es handelt sich nicht um ein Problem des Kabelnetzes. Wir haben es weder verursacht, noch sind wir Nutznießer.“

          Hansjürgen Reuschling aus dem Frankfurter Westend ist gleichwohl verärgert. Er hat das Problem zwar mittlerweile behoben, indem er sich für 15 Euro, wie er sagt, ein neues Kabel kaufte. Von Unitymedia fühlt er sich aber schlecht informiert. „Es ist unverschämt, wie der Großanbieter mit seinen Kunden umgeht. Ständig hat man irgendwelche Werbung im Briefkasten, aber über mögliche Störungen erfährt man nichts.“

          Auch Fernsehtechniker Reichelt schimpft. Ständig müsse er erklären, dass die Störung nicht am Fernsehgerät liege. „Man macht sich als Fachhändler unglaubwürdig. Die Sache ist sehr beratungsintensiv.“ Nach Erfahrung des Fernsehtechnikers ist es außerdem in vielen Fällen nicht mit dem Austausch des Kabels getan. Viele Haushalte hätten Zweit- und Drittgeräte in anderen Zimmern und Kabel womöglich etwas provisorisch verlegt. „Die müssen den ganzen Schrott dann rausreißen“, sagt Reichelt.

          Analoges Fernsehen seinerzeit einfach abgeschaltet

          In Mietshäusern kann sich auch die Hausverteilanlage im Keller als Schwachpunkt erweisen. „Das ist dann Sache der Wohneigentümer-Gemeinschaft oder des Hausbesitzers“, sagt Michael Gundall, Medienreferent bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Der Kabelnetzbetreiber sei in der Regel für die Lieferung der Signale nur bis zum Verteilerpunkt im Keller zuständig.

          Grundsätzlich führt an der Digitalisierung von Fernsehen und Radio kein Weg mehr vorbei. Politisch ist es so gewollt. Unabhängig von allem Ärger, auch über Anschaffungskosten für notwendige Zusatzgeräte, bekommen Zuschauer bessere Bilder und mehr Programme. Fernsehsender sparen, weil sie weniger Geld für die Übertragung zahlen müssen - und Kabelnetzbetreiber, weil sie mehr Sender einspeisen können. „Technisch ist das Kabel auf dem Stand von 1952“, sagt Medienexperte Gundall, der in den aktuellen Störfällen keinen großen Aufreger sieht.

          Die Umstellung vom analogen zum digitalen Antennenfernsehen seinerzeit sei viel härter gewesen. „Da wurde knallhart abgeschaltet.“ Wer dabeibleiben wollte, dem blieb gar nichts anderes übrig, als sich einen neuen Receiver zu kaufen. Nun ist für Satelliten-Zuschauer Ende April 2012 mit dem analogen Empfang Schluss. Der Aufschrei dürfte sich jedoch in Grenzen halten, da 85 Prozent bereits einen digitalen Sat-Anschluss haben (siehe auch Info-Kasten).

          Nächster Ärger steht schon ins Haus

          Beim Kabel sieht das etwas anders aus. Hier kommt die Digitalisierung nur schleppend voran. Mehr als 60 Prozent aller Kabelkunden in Deutschland schauen nach Auskunft der Landesmedienanstalt Hessen noch analog. „Da kann man keine Zwangsdigitalisierung machen“, sagt Technikreferent Rainer Rabe.

          So gesehen ist der Störfall ZDF für Kabelnetzbetreiber ganz nebenbei eine gute Gelegenheit, Werbung für ihre teureren Digitalanschlüsse zu machen. Diesen macht das digitale Antennenradio nämlich nichts aus. Der digitale Kabelempfang kostet bei Unitymedia 3,90 Euro extra im Monat. Allerdings gibt es die Privatsender in HD-Qualität über diesen Anschluss noch nicht. Dafür braucht der Kabelkunde einen Extra-Receiver. Unitymedia verlangt dafür monatlich 6 Euro.

          Und der nächste Ärger steht schon ins Haus. Dann nämlich, wenn der Hessische Rundfunk gegen Ende des Jahres seinen digitalen Radiosender in Betrieb nehmen wird. Dieser lauft nach Auskunft der Landesmedienanstalt just über den Kanal, in dem die ARD-Programme eingespeist sind.

          Digital statt analog

          Fernsehprogramme werden auf unterschiedlichen Wegen und mit verschiedener Technik verbreitet. Antennenfernsehen (DVB-T) lässt sich bereits jetzt nur digital empfangen. Per Kabel und Satellit werden die Sendungen zurzeit noch parallel in analoger und in digitaler Technik ausgestrahlt. Ende April 2012 werden ARD und ZDF sowie alle Privatsender via Satellit nur noch digital ausgestrahlt. Schon heute empfangen 85 Prozent der Satelliten-Haushalte digital. Allen anderen empfehlen Verbraucherschützer, sich rechtzeitig zu kümmern. Gebraucht werden ein digitaltaugliches Empfangsteil an der Schüssel (LNB) und ein digitaler Receiver, sofern dieser noch nicht im Gerät eingebaut ist (zu erkennen am DVB-S-Logo auf dem Flachbildschirm). Mit Receiver belaufen sich die Kosten für die Umstellung auf rund 200 Euro. Die digitale Fernsehtechnik ist die Basis für hochauflösendes HD-Fernsehen. Privatsender in HD-Qualität kosten extra. (hoff.)

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