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Bilanz der Bankbilanzen in Rhein-Main : Als Nächstes drohen Kreditausfälle

Bild: F.A.Z.

Die erste Welle der Finanzkrise haben die Banken der Region höchst unterschiedlich durchgestanden. In der Rezession könnten nun gerade die heilen Häuser leiden.

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          Ein Aktionär auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Mai fand für das vergangene Jahr farbige Worte. Das Kreditinstitut sei noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, befand der Anteilseigner, andere Häuser hingegen seien von der Finanzkrise grün und gelb geprügelt worden. Das zielte auf die Konkurrentin Commerzbank. Denn nachdem der Branchenprimus im Krisenjahr 2008 erstmals in seiner Geschichte rote Zahlen schreiben musste, konnte er das erste Quartal dank des boomenden Anleihegeschäfts schon wieder mit einem Plus abschließen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Commerzbank hingegen ist nachhaltig beschädigt. Nach der Übernahme der Dresdner Bank wankte sie derart, dass das Haus inzwischen zu einem Viertel verstaatlicht ist. Und die EU-Kommission hat darauf mit harten Auflagen reagiert: Die Eschborner Tochter Eurohypo muss die neue Commerzbank verkaufen, so dass sie danach kaum größer sein wird als vor der Dresdner-Übernahme und darüber hinaus kaum mehr machen kann, als Privat- und Geschäftskunden zu bedienen.

          Die Krise schwappt zurück

          Und gerade da lauert die nächste Gefahr. Denn die Krise schwappt zurück. Handelte es sich zuerst um eine Immobilienkrise, die nach und nach den Kapitalmarkt lahmlegte, zur Finanzkrise wurde und die Rezession in der realen Wirtschaft anheizte, so erhöht nun die weltweite Rezession das Risiko, dass immer mehr Unternehmen zahlungsunfähig werden und auch Privatkunden durch Arbeitslosigkeit ihre Darlehen nicht mehr tilgen können – mithin die Kreditnehmer der Banken ausfallen.

          Mit der Krise hat jede Bank auf ihre eigene Weise zu kämpfen.

          Die Commerzbank, die sich gerne als Mittelstandsbank darstellt, könnte hier noch einmal unter Druck geraten. Ende März wies das Haus, das nach dem Zukauf der Dresdner Bank seine Bilanzsumme mit rund einer Billion Euro angibt, in seinem Quartalsbericht ausgegebene Kredite in Höhe von 391 Milliarden Euro aus. Die Deutsche Bank gab ihre Forderungen aus dem Kreditgeschäft zum gleichen Zeitpunkt bei einer doppelt so großen Bilanzsumme mit 273 Milliarden an. Beide Häuser haben ihre Risikovorsorge, mit der Kreditausfälle ausgeglichen werden sollen, zuletzt deutlich erhöht. Bei der Commerzbank stieg der Risikovorsorgeaufwand von 175 Millionen im März 2008 auf 844 Millionen im März 2009. Die Deutsche Bank erhöhte im gleichen Zeitraum von 114 auf 526 Millionen.

          Die zweite Welle der Bankenkrise rollt an

          Bezogen auf die jeweilige Bilanzsummen spielt das Kreditgeschäft allerdings für die kleineren regional aufgestellten Sparkassen und Volksbanken eine ungleich größere Rolle. Ausgerechnet die Häuser, die nicht mit riskanten Wertpapieren spekuliert, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft ausgereicht haben, könnten nun von der zweiten Welle der Bankenkrise getroffen werden.

          Die Frankfurter Volksbank etwa, die im Krisenjahr 2008 sogar einen leicht höheren Bilanzgewinn ausweisen konnte als im Vorjahr, hat ihre Kundengelder in Höhe von 4,7 Milliarden Euro zu 90 Prozent in Form von Krediten verliehen. Der Chef der Wiesbadener Volksbank, Rolf Hildner, hatte bereits Anfang des Jahres davor gewarnt, dass angesichts der konjunkturellen Abschwächung Kreditausfälle drohten. Bezogen auf Wiesbaden hatte er dereinst den Vorteil gesehen, dass hier nicht eine einzelne Branche übermäßig vertreten, die Risiken somit relativ gut gestreut seien. Auch Hildner hatte das Jahr 2008 mit einem leicht höheren Bilanzgewinn abschließen können als 2007.

          Die Landesbank Hessen-Thüringen erweist sich bislang als eines der stabilsten Häuser


          Das relativ gute Abschneiden der Volksbanken lag nicht zuletzt daran, dass sie selbst in der Regel wenig Wertpapierhandel betreiben. Die Mehrung ihres Vermögens auf diese Weise übernimmt ihr Spitzeninstitut, die DZ Bank am Platz der Republik in Frankfurt. Die Zentralbank für rund 1000 Volks- und Raiffeisenbanken hat ihrerseits durch die Finanzkrise rund eine Milliarde Verlust eingefahren. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kirsch krempelt das Haus nun um, einige Vorstände sind schon gegangen, 380 Stellen sollen allein in Deutschland wegfallen. Die kleinen Genossenschaftsbanken, die selbst von den Turbulenzen der Kapitalmärkte weitgehend verschont blieben, mussten ihrer Zentralbank, deren Anteilseigner sie sind, bislang mit 1,5 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Für den Herbst hat Kirsch eine weitere Kapitalerhöhung von 400 Millionen Euro erbeten.

          Einige Sparkassen in der Region haben indes selbst herbe Verluste im Wertpapierhandel hinnehmen müssen. Die Naspa etwa hat schon das zweite Jahr in Folge nur durch einen Griff in die Reserven eine schwarze Null unterm Strich ausweisen können, nachdem sie 59 Millionen Euro bei der insolventen Investmentbank Lehman Brothers, in Island und bei der IKB versenkt hatte. Die Kollegen von der Taunus-Sparkasse konnten einen Verlust nur abwenden, indem sie einige ihrer Filialgebäude verkauften. Und auch bei der Frankfurter Sparkasse ist der Bilanzgewinn 2008 mit genau einer Million Euro nach 41 Millionen im Jahr 2007 bedenklich nah an die roten Zahlen herangerückt.

          Immerhin: Die Landesbank Hessen-Thüringen mit ihrem Sitz im Frankfurter Bankenviertel erweist sich bislang als eines der stabilsten Häuser dieser Art, da sie sich nicht wie andere in allzu risikoreiche Wertpapiergeschäfte verlaufen hat. Der neue Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner muss nun eher aufpassen, dass das Haus bei einer Neuordnung der gestrauchelten Landesbanken andernorts nicht seine Stellung verschlechtert. Brenner erweist sich auch weiterhin als vorsichtig, mit Blick auf die nächste drohende Krise. Schon im April kündigte er an, das Neugeschäft mit Firmen- und Immobilienkrediten um die Hälfte zurückzufahren – wegen der gestiegenen Insolvenzrisiken.

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