https://www.faz.net/-gzg-766cs

Betriebsrat enttäuscht : Aufschub für „Rundschau“

  • Aktualisiert am

Insolvenzverwalter Frank Schmitt Bild: Fricke, Helmut

Zwei Investoren haben die Absicht bekundet, die „Frankfurter Rundschau“ zu übernehmen. Von 450 Mitarbeitern sollen wohl nur 30 weiterbeschäftigt werden.

          2 Min.

          Um Zeit für Verhandlungen mit zwei an einer Übernahme interessierten Investoren zu gewinnen, wird die „Frankfurter Rundschau“ bis mindestens 28. Februar weiter erscheinen. Diesen Termin nannte gestern der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Schmitt nach einer Betriebsversammlung. An diesem Donnerstag läuft die für das vorläufige Insolvenzverfahren geltende Dreimonatsfrist ab, innerhalb deren Angebote vorgelegt werden können. Wie Schmitt ausführte, hat man sich mit den bisherigen Gesellschaftern, der Mediengruppe M. DuMont Schauberg und der SPD-Medienholding DDVG, darauf verständigt, den Betrieb einen Monat weiterzuführen. „Wir wollen die Tür offen halten für weitere Gespräche.“

          Zwei Investoren haben laut Schmitt die Absicht bekundet, die „Rundschau“ zu übernehmen: der Verlag dieser Zeitung und das türkische Medienhaus Estetik Yayincilik, das zudem die Druckerei weiterführen will. Weitere Interessenten seien wegen des aus ihrer Sicht hohen kaufmännischen Risikos abgesprungen, sagte Schmitt. Mit dem Verlag der F.A.Z. seien die Gespräche schon „sehr weit“. Der wolle die „Rundschau“ in gewohntem Umfang mit etwa 30 Redakteuren weiterführen. „Es soll eine vollwertige Zeitung sein, kein Lokalblatt“, sagte Schmitt. Auch die linksliberale Ausrichtung sei weiterhin gewünscht. Möglicherweise könne der überregionale Teil wie bisher von der „Berliner Zeitung“ zugekauft werden. Schmitt zeigte sich verhalten optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass wir weiterhin die ,Frankfurter Rundschau’ am Kiosk sehen.“

          Druckerei wird wohl nicht weitergeführt

          Das türkische Medienunternehmen Estetik Yayincilik hat sein Interesse bisher nur unverbindlich per E-Mail bekundet, wie Schmitt weiter berichtete. „Der Gläubigerausschuss hält es nicht für tragfähig.“ So habe Estetik Yayincilik für die Übernahme der Büro- und Geschäftsausstattung und des Grundstücks keine Banksicherheiten nennen können.

          In jedem Fall würde wohl ein großer Teil der etwa 450 Arbeitnehmer entlassen. „Wir können uns leider keinen Investor schnitzen“, sagte Schmitt. Zur Qualifizierung und Vermittlung der Mitarbeiter, die nicht übernommen würden, werde zum 18. Februar oder 1. März eine Transfergesellschaft gegründet, die die beiden bisherigen „Rundschau“-Gesellschafter mit rund sechs Millionen Euro finanzieren. Sollte der Vertrag mit dem F.A.Z.-Verlag geschlossen werden, würde dieser am 1. März den Betrieb übernehmen.

          Die Druckerei in Neu-Isenburg mit etwa 250 Mitarbeitern würde in diesem Fall nicht weitergeführt. Nachdem schon der Springer-Konzern seinen Auftrag gekündigt hatte, geht der Druckerei nun auch der Auftrag des „Handelsblatts“ verloren. In Neu-Isenburg soll die Wirtschaftszeitung noch bis Ende März, die „Frankfurter Rundschau“ bis Ende April gedruckt werden.

          Der Betriebsratsvorsitzende Marcel Bathis zeigte sich enttäuscht. „Es sind mindestens 400 Arbeitsplätze gefährdet.“ Anstatt die vermutlich bald auf der Straße stehenden Kollegen für zwölf Monate in einer Transfergesellschaft aufzufangen, hätten die bisherigen Eigentümer nur für sechs Monate Hilfe zugesagt. Auch werde es keine „vernünftige Abfindung“ geben.

          Weitere Themen

          Die Quote soll sinken

          Wohnungsbau in Frankfurt : Die Quote soll sinken

          Die Immobilienbranche kritisiert die hohen Auflagen für den Wohnungsbau in Frankfurt. Deshalb rät die Industrie- und Handelskammer der Stadt, den Baulandbeschluss zu überarbeiten.

          Topmeldungen

          Kritisierte Meuthens Rede als „spalterisch“: der Vorsitzende der Bundestagsfraktion und AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland

          AfD-Parteitag : Gauland schlägt zurück

          Für seine Kampfansage an die Radikalen muss der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen heftige Kritik einstecken. Fraktionschef Alexander Gauland rügt Meuthens Rede als „Verbeugung vor dem Verfassungsschutz“ – dabei müsse die AfD gegen diesen „kämpfen“.

          Verletzte und Festnahmen : Zehntausende Menschen protestieren in Frankreich

          In Paris bauten Demonstranten Barrikaden und bewarfen Polizisten mit Steinen. Mehrere wurden verletzt. Die Demos richteten sich gegen Polizeigewalt und das umstrittene Sicherheitsgesetz. Die Organisatoren sprechen von 500.000 Teilnehmern im ganzen Land.
          Kaum zu glauben: Marco Reus unterliegt mit der Borussia gegen Köln.

          Überraschende BVB-Pleite : Dortmunder Debakel gegen Krisenklub

          Mit einem Sieg hätte die Borussia an der Bundesliga-Tabellenspitze Druck auf den FC Bayern machen können. Stattdessen unterliegt der BVB dem abgeschlagenen 1. FC Köln. Erling Haaland vergibt in der Nachspielzeit eine Großchance.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.