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Wegen Schließungsplänen : Betriebsräte teilen gegen Opel-Chefetage aus

Redebedarf: Wolfgang Schäfer-Klug, Opel-Betriebsratsvorsitzender in Rüsselsheim, und Firmenchef Michael Lohscheller (rechts) Bild: dpa

Wochenlang ist es ruhig gewesen um Opel. Das lag nicht nur am Stillstand im Stammwerk. Management und Betriebsrat haben in der Corona-Krise gut kooperiert. Nun verschärft sich die Tonlage aber wieder angesichts neuer Pläne.

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          Nachdem sich Management und Arbeitnehmervertreter öfter vor dem Schlichter getroffen hatten, arbeiteten sie in der Corona-Krise gut zusammen. So sehen es Betriebsräte der IG Metall bei dem Autobauer. Von der Spitze des Unternehmens sind gegenteilige Ansichten bisher nicht nach außen gedrungen. Übereinkünfte zur Kurzarbeit und den von der Krise erzwungenen Stillstand des Stammwerks, das am Montag wieder in Betrieb gehen wird, haben beide Seiten geräuschlos getroffen. Seit Dienstag aber scheinen die Zeichen wieder mehr auf Konfrontation zu stehen. Die Metall-Gewerkschafter zeigen sich in einem der F.A.Z. vorliegenden Schreiben an die Belegschaft erzürnt über die Chefetage um den Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Michael Lohscheller. Und sie stellen eine Reihe von Forderungen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für den Unmut gibt es zwei Gründe: Das ist zum einen die geplante Schließung des Getriebewerks und der Schmiede. Zum Zweiten stößt den Arbeitnehmervertretern sauer auf, wie das Unternehmen die Pläne mitgeteilt hat: Diese Kommunikation zu den Schließungsplänen soll aus Sicht der Betriebsräte den Eindruck erwecken, „dass dieses Vorhaben mit ,dem Sozialpartner´ abgestimmt sei“. Aber: „Das Gegenteil ist der Fall“, heißt es in dem Schreiben.

          „Am Freitagnachmittag informiert“

          Um diese Zeilen geht es: „Geschäftsleitung und Sozialpartner werden nun Gespräche über den Plan führen, das Werk Rüsselsheim zu einer Fertigungsstätte für ein erweitertes Portfolio elektrifizierter Fahrzeuge zu entwickeln“, meldete Opel am Dienstag. Dies beinhalte die Absicht, die rückläufige Fertigung des M1X-Getriebes im Laufe des Jahres 2021 auslaufen zu lassen. Das Getriebe werde derzeit noch im aktuellen Kompaktwagen Astra verbaut, der nächstes Jahr in seiner nächsten Generation in Rüsselsheim anlaufen werde.

          Die Geschäftsleitung habe den Gesamtbetriebsrat von Opel und die IG Metall am vergangenen Freitagnachmittag über die Absicht informiert, nicht nur ein drittes Modell in Rüsselsheim zu bauen. Gleichzeitig habe sie mitgeteilt, am Montag die Schließung von Getriebewerk und Schmiede bekanntzugeben. Und zwar „ohne Verhandlungen mit der IG Metall oder dem Betriebsrat im Rahmen der Einigungsstelle“ – das ist eine Art Schlichtungsinstanz, der in der Regel ein Arbeitsrichter vorsteht. Dort liege bisher nur der Plan vor, eine Maschine in der Schmiede abzubauen und nach Frankreich zu bringen. Vor längerer Zeit sei die Option dargelegt worden, ein anderes Getriebe am Ort zu bauen. Davon ist nun offenbar keine Rede mehr. „Inoffiziell hieß es, das Getriebe gehe nach Aspern.“ An diesem Standort in Österreich fertigt Opel schon andere Getriebe.

          Offener Widerstand

          Die Einigungsstelle haben beide Seiten seit der Übernahme von Opel durch die Peugeot-Mutter Groupe PSA im Sommer 2017 regelmäßig bemüht. Denn viele Pläne der Firmenchefs stießen bei den Arbeitnehmervertretern auf wenig Gegenliebe bis hin zu offenem Widerstand; zu nennen ist vor allem für den Verkauf eines Teils des Entwicklungszentrums an den Dienstleister Segula vor anderthalb Jahren.

          Die Betriebsräte der IG Metall fordern nun die Geschäftsleitung auf, in der Einigungsstelle und mit der Gewerkschaft über die Zukunft des gut 200 Mitarbeiter zählenden Getriebewerks, der Schmiede, mehrerer Facharbeitsbereiche, des Teilelagers und der Design-Werkstätten zu sprechen. PSA habe die Absicht der Schließung öffentlich bekannt gemacht. „Das heißt jedoch nicht, dass dies das letzte Wort bleibt“, heißt es kämpferisch.

          Eines bleibt ihnen aber versagt: Eine Demonstration ihrer Einigkeit können sie bis auf weiteres in keiner Betriebsversammlung zeigen. Zusammenkünfte dieser Art sind wegen der Corona-Krise noch nicht wieder möglich.

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