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Wie Banken die Fintechs sehen : Betont gelassen

Vor dem Abstieg aus dem Dax: Commerzbank-Chef Zielke Bild: dpa

Wirecard steht vor dem Einzug in den Dax, die Commerzbank vor dem Abstieg aus dem Aktien-Leitindex. Aber: Die großen deutschen Banken scheinen die kleinen Fintechs nicht ernst nehmen zu wollen.

          Was ist eigentlich los bei Deutschlands Großbanken? Die Aktienkurse dümpeln vor sich hin, Mitarbeiter müssen gehen, die Ergebnisse sind mager. Zu allem Überfluss droht die Nummer zwei in Deutschlands Finanzbranche, die Commerzbank, aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) zu fliegen. Dass ein Vertreter des klassischen Bankgeschäfts und Protagonist deutscher Wirtschaftsgeschichte ausgerechnet, so wie es derzeit zu erwarten ist, von einem Unternehmen namens Wirecard verdrängt wird, das den nachrückenden Fintechs zuzuordnen ist, lässt besonders aufmerken. Denn die kleinen Finanz-Start-ups, zu denen Wirecard zählt, sind drauf und dran, den großen Tankern der Branche den Spiegel vorzuhalten und sie damit zu der schmerzhaften Erkenntnis zu zwingen, dass sie die Digitalisierung über Jahre hinweg verschlafen haben.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch dass die Fintechs zu ernsthaften Konkurrenten aufsteigen könnten, davon will zumindest Christian Sewing offensichtlich wenig wissen. Der Vorstands-Chef der Deutschen Bank sagte einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur zufolge auf einer Bankentagung, er sehe das Fintech Wirecard nicht als Angreifer – dabei haben die Münchner die Deutsche Bank in Sachen Börsenwert bereits überflügelt.

          Ein wenig herablassend

          Nach wie vor wird man am Finanzplatz Frankfurt mit seinen hohen, verspiegelten Türmen das Gefühl nicht los, dass manche Vorstände aus ihren feinen Büros immer noch ein wenig herablassend auf das schauen, was weiter unten bei den Fintechs in ihren Hinterhöfen und in den Co-Working-Areas geschieht. Eigentlich müssten bei Commerzbank-Chef Martin Zielke doch spätestens jetzt die Alarmglocken schrillen, wenn ein 1999 gegründetes Unternehmen aus einem Münchner Vorort namens Aschheim droht, den Riesen aus dem Herzen des europäischen Finanzzentrums Frankfurt aus dem deutschen Leitindex zu kicken.

          Denn eines darf man beim Vergleich der beiden Unternehmen nicht vergessen: Wirecard beschäftigt etwa 5000 Männer und Frauen, die Belegschaft der Commerzbank zählt fast das Zehnfache. Und Zielke? Der gab jüngst zu Protokoll, für die Kunden und das Geschäft des Geldhauses ändere ein Rauswurf aus dem Dax gar nichts. Man bleibt gelassen.

          Mag sein, dass die Dickschiffe der Finanzbranche den Angriff aus der Welt der digitalen Finanz-Start-ups überleben werden. Für den Finanzplatz wäre das wünschenswert, und nicht nur Frankfurt, sondern die ganze Industrienation Deutschland braucht starke Banken.

          Nische des Zahlungsverkehrs

          Doch der Blick auf andere Branchen sollte den Bank-Chefs Warnung genug sein, dass aus kleinen Plattform-Unternehmen schnell mächtige Wettbewerber werden können. Dazu passt eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Sopra Steria, wonach drei von vier Bankmanagern in Deutschland für die nächsten drei Jahre einen erheblichen Korrekturbedarf am Geschäftsmodell des eigenen Geldhauses sehen. Mehr als die Hälfte der befragten Entscheider befürchtet, dass existierende Plattformen große Marktanteile zu Lasten der etablierten Kreditinstitute gewinnen werden.

          Auch Wirecard muss erst einmal beweisen, dass sein Geschäftsmodell langfristig trägt. Christian Sewing sagt, Wirecard habe sich in einer Nische des Zahlungsverkehrs eingerichtet, der Vergleich mit den klassischen Banken hinke. Doch wäre der erste Schritt, sich im Wettbewerb mit neuen Akteuren in der Branche zu behaupten, jener, sie zumindest ernst zu nehmen.

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