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Bestwert bei Investitionen : Rekordjagd im Industriepark Höchst geht zu Ende

Geldmagnet: In den Industriepark Höchst sind im zu Ende gehenden Jahr gut 630 Millionen Euro investiert worden Bild: Frank Röth

Das zu Ende gehende Jahr wird der Industriepark Höchst mit einem neuen Bestwert bei den Investitionen abschließen. Für 2010 erwartet Standortbetreiber Infraserv aber eine „Normalisierung“. Auch die Zahl der Beschäftigten auf dem ehemaligen Hoechst-Stammgelände dürfte sinken.

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          Jürgen Vormann und Roland Mohr mangelt es in der Endphase eines Krisenjahres nicht an Lockerheit. „Unspektakulär“ sei 2009 gewesen, meinte Vormann am Montagabend beim Rückblick auf die vergangenen Monate. Wie hoch der Ironie-Anteil in dieser Aussage ist, blieb offen. Dessen ungeachtet hat sich in dem von Chemie- und Pharmabetrieben geprägten Industriepark Höchst und bei dem von Vormann und Mohr geführten Betreiber Infraserv durchaus Bemerkenswertes getan. So hat Infraserv den Umsatz gesteigert und einen neuen Investitionsrekord verzeichnet.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf dem früheren Stammgelände des 1999 untergegangenen Hoechst-Konzerns sind 634 Millionen Euro in Anlagen und Neubauten investiert worden – mehr als jemals zuvor. Der bisherige Bestwert war im vergangenen Jahr mit 602 Millionen Euro erreicht worden, nachdem Unternehmen, allen voran der Arzneimittelhersteller Sanofi-Aventis, 2007 noch rund 400 Millionen Euro in Fabriken, Labors und Lager gesteckt hatten (siehe Grafik).

          Längerfristig geplante Großprojekte

          Der Rekord im Krisenjahr erklärt sich mit längerfristig geplanten Großprojekten. Zu nennen sind vor allem die gerade fertiggestellte Ersatzbrennstoffanlage, in der Infraserv künftig vorsortierten Haus- und Gewerbemüll in Dampf und Strom umwandeln wird, und die Fabrik des Kunststoffherstellers Ticona, der das Werk Kelsterbach zugunsten der neuen Landebahn aufgibt. Hinzu kommt eine Luftzerlegungsanlage des Industriegaseanbieters Sol. Dieser Luftzerleger liefert unter anderem medizinischen Sauerstoff und ergänzt das Produktspektrum im Industriepark, wie Vormann sagte.

          Trotz neuer Großprojekte wie der Gasturbinenanlage von Infraserv erwartet der Industrieparkbetreiber für 2010 ein Ende der Rekordjagd bei den Investitionen. Vormann spricht als Chef der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, von einer „Normalisierung“. Zwar werden laufende Neubauten auch 2010 zu Buche schlagen; einen solch „positiven Nachlaufeffekt“ wird es etwa bei der Ticona-Fabrik geben. Auch sind die Investitionen in die seit Mai im Bau befindliche, auf 30 Millionen Euro veranschlagte Anlage von Sanofi-Aventis zur Produktion monoklonaler Antikörper und die auf 70 Millionen Euro taxierte Gasturbinenanlage überschaubarer als jene in die Ersatzbrennstoffanlage oder die Ticona-Fabrik.

          Abwärts dürfte es, so die Einschätzung Vormanns, mit der Beschäftigtenzahl in Höchst gehen. Derzeit zählen die gut 90 Standortfirmen rund 22 500 Mitarbeiter. Allerdings wird das Chemieunternehmen Clariant bis Ende Dezember in der Summe gut 150 Stellen abgebaut haben. Beim insolventen Textilfarbenhersteller Dystar sind 350 akut gefährdet. Sanofi-Aventis will nur wenige der 116 Lehrlinge übernehmen, die im Februar ihre Ausbildung abschließen werden. Und Celanese will Dutzende Chemie-Arbeitsplätze kappen.

          Expansion im deutschsprachigen Raum

          Gemischt sind laut Vormann die Erlöse im Konzern ausgefallen, zu dem außer der Kerngesellschaft auch eine Logistiktochter, der Ausbildungsdienstleister Provadis und der Versuchsanlagenbetreiber Technion gehören. Bis Jahresende wird Infraserv mit der Produktion und dem Verkauf von Energie, der Abfall- und Abwasserentsorgung oder auch dem Werkschutz 1,04 Milliarden Euro erlösen, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Konzern inklusive der Töchter dürfte 1,156 Milliarden Euro erzielen, ein Plus von einem Zehntel. Für 2010 sagt Vormann eine „stabile Seitwärtsbewegung“ voraus. Die Höhe der Umsätze hängt laut Mohr nicht zuletzt vom Auf und Ab der Energiepreise ab – zumal Infraserv rund ein Prozent der in Deutschland benötigten Energiemenge handelt.

          Nur einen kleinen Beitrag trägt bisher das Geschäft außerhalb des Industrieparks Höchst zum Umsatz bei, doch soll es erklärtermaßen wachsen. Nach dem Einstieg in den Betrieb des Industrieparks Griesheim will sich Infraserv im gesamten deutschsprachigen Raum weitere Märkte erschließen.

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