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Besseren Zahlen als in den Vorjahren : Der Naspa-Vorstand meldet „ein wirklich gutes Jahr“

Hat schwierige Jahre hinter sich: Die Nassauische Sparkasse, die zuletzt wieder Gewinne ausgewiesen hat. Bild: Michael Kretzer

Die Nassauische Sparkasse scheint aus dem Gröbsten heraus. Vorstandschef Stephan Ziegler berichtet von besseren Zahlen als in den Vorjahren. Und will nicht in die Nähe von Kriminellen gerückt werden.

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          Diese Wortwahl geht dem Vorstandsvorsitzenden der Nassauischen Sparkasse dann doch zu weit. Von verdeckten Ermittlern hatte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gesprochen, als sie ankündigte, Testkunden sollten künftig die Qualität der Anlageberatung in Kreditinstituten prüfen. Verdeckte Ermittler – für den Chef der Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden ein Begriff, der sonst nur im Zusammenhang mit organisiertem Verbrechen auftaucht. „In den Köpfen der Kunden wird eine völlig falsche Assoziation ausgelöst“, schimpfte Ziegler am Donnerstag während der Bilanz-Pressekonferenz des Instituts.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Und er äußerte grundsätzliche Zweifel an solchen Verfahren: „Wie weit darf denn der Berater in solchen Fällen gehen, um nicht den Argwohn der Prüfer zu erwecken? Ist es zum Beispiel noch opportun, dem Kunden eine legale steueroptimierte Anlageform zu empfehlen? Oder sieht ein aus Steuermitteln bezahlter Tester darin bereits einen Angriff auf die eigene Existenz? Manchmal frage ich mich, was eigentlich mit unseren Politikern geschähe, wenn für sie die gleichen strengen Regeln gälten, die sie jetzt den Banken auferlegen.“

          Niedrigerer Überschuss wegen höherer Rücklagen

          Die Naspa hat selbst im vergangenen Jahr bei einem solchen Test schlecht abgeschnitten; die Stiftung Warentest hatte kritisiert, dass den vermeintlichen Geldanlegern nicht, wie seit Jahresbeginn 2010 vorgeschrieben, nach dem Beratungsgespräch ein schriftliches Protokoll darüber ausgehändigt wurde. Ziegler spricht von Übergangsschwierigkeiten; der Test sei nur wenige Wochen nach Einführung dieser Regel geschehen. Das Gros der Mitarbeiter von Banken arbeitete professionell und tadellos. Richtig sei, dass die Naspa wie andere Kreditinstitute auch mit Klagen von Anlegern zu tun habe, die eine Fehlberatung beim Kauf von Zertifikaten in den Jahren vor der Finanzkrise geltend machten. Sein Vorstandskollege Jürgen Bockholt gab die Zahl der noch laufenden Prozesse gestern mit etwa 40 an.

          Wie praktisch alle regionalen Sparkassen und Volksbanken hat auch die Naspa im laufenden Geschäft 2010 mehr verdient als 2009. Zugleich sank die Risikovorsorge für faule Kredite und eigene Wertpapiere auf 29 Millionen Euro – den niedrigsten Betrag seit langem. Dass trotzdem unterm Strich mit 10,7 Millionen Euro ein deutlich niedrigerer Überschuss ausgewiesen wird als im Jahr zuvor, begründete Ziegler mit den hohen Pensionslasten und der Bildung von stillen Rücklagen in Höhe von 50 Millionen Euro, die beim Bewertungsergebnis verbucht worden seien. Durch diesen Betrag, den Jahresüberschuss und die Nutzung von 33 Millionen Euro aus den offenen Gewinnrücklagen sei das Eigenkapital um 94 Millionen Euro gestärkt worden. Nehme man noch den Abbau von stillen Lasten aus Pensionsrückstellungen hinzu, ergebe sich eine Stärkung des Vermögens in Höhe von sogar 107 Millionen Euro. Ziegler rief in Erinnerung, dass 2009 die Rücklagen lediglich um 18,1 Millionen aufgestockt worden seien. So stelle 2010 „ein wirklich gutes Jahr“ für die Naspa dar.

          Guter Start in 2011

          Auf die hohen Pensionslasten, die an verschiedenen Stellen der Gewinn-und- Verlust-Rechnung ihre Spuren hinterlassen, weist Ziegler seit Jahren hin. Das heute von acht Städten und Landkreisen getragene Institut war bis 1991 Landesbank, weshalb sich die Pensionen an den hohen Sätzen für Beamte orientierten. Erst 2008 verständigte sich der Vorstand mit der Personalvertretung auf eine kostengünstigere Regelung. Ziegler hatte schon im vergangenen Jahr gesagt, wegen der hohen Belastungen werde es über Jahre hinweg nicht möglich sein, gute Ergebnisse auszuweisen. Der Vorstand rechnet sich zu, dass die Kosten des Hauses in den vergangenen Jahren gesunken sind. So seien zuletzt in der Verwaltung 160 Stellen weggefallen.

          Gleichwohl muss die Naspa weiterhin 67 Cent für Personal- und Sachkosten in die Hand nehmen, um von der Kundschaft einen Euro zu bekommen – von dem einst vom Sparkassenverband ausgegebenen Ziel von nur 60 Cent ist das Haus weit entfernt. Als Kostenfaktor gilt dabei die hohe Zahl von 147 Filialen, eine Folge des weitläufigen Geschäftsgebiets, das von Frankfurt bis in den Westerwald reicht. Mit dem Versuch drastischer Einschnitte in dieses Netz ist der Vorstand vor Jahren an den Trägern gescheitert; man versucht jetzt die Kosten dadurch in Grenzen zu halten, dass ländliche Geschäftsstellen nicht mehr täglich von morgens bis abends geöffnet sind.

          In das Jahr 2011 sei die Naspa gut gestartet, sagte Ziegler am Donnerstag. Allerdings erwarte man unter anderem durch höhere Gehälter einen Rückgang des Betriebsergebnisses vor Bewertung.

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