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F.A.Z.-Forum : Beim Geld hört die Bio-Begeisterung auf

Versteckt: Für Öko-Schweine wie dieses einen biozertifizierten Schlachthofes in Hessen zu finden, ist für Landwirte aus der Region mit Mühen verbunden. Bild: dpa

Eigentlich sind alle für Bio-Lebensmittel: Sowohl Bauern als auch Kunden. Doch in der hessischen Bio-Landwirtschaft lässt das Zusammenspiel von Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung noch zu wünschen übrig.

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          Vom Verramschen von Biolebensmitteln wollte die Runde am Ende dann doch nicht mehr sprechen. Dass die Preisaggressivität, für die der deutsche Lebensmitteleinzelhandel bekannt ist, längst auch auf Produkte mit Biosiegel übergegriffen hat, bestritt am Montag dagegen kein Teilnehmer des F.A.Z.-Forums „Alles Bio oder was - Die Chance der Öko-Produkte in der hessischen Landwirtschaft und im Handel“.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Den steigenden Druck auf Hessens Biobauern hat auch die hessische Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Die Grünen) erkannt und will dem mit einem Aktionsplan für mehr Bio-Produkte entgegenwirken. Die Förderbeträge für die ökologische Bewirtschaftung sollen steigen. Wie Hinz weiter sagte, ist der Preisdruck inzwischen so groß, dass es nicht nur darum gehe, mit der Förderung konventionell arbeitende Bauern zum Umstieg zu bewegen. Sondern auch darum, schon auf Öko-Landwirtschaft umgestiegene Bauern davon abzuhalten, wieder zum konventionellen Betrieb zurückzukehren.

          Die Förderung sei dabei lediglich ein Ausgleich dafür, dass die ökologische Landwirtschaft mit mehr Arbeit weniger Ertrag erziele als konventionell wirtschaftende Betriebe, um Böden und Wasser zu schonen. So solle es auch mehr Geld für die Pflege der Äcker geben und zusätzliche Anreize zum Schutz des Wassers vor Nitraten aus den Düngemitteln. In der Ausbildung der Landwirte soll außerdem Ökologischer Landbau Pflicht werden. Im Grunde sei sie sich in der Förderung des Ökolandbaus auch mit dem hessischen Bauernverband einig.

          Am Ende bestimme immer der Kunde

          Friedhelm Schneider, Präsident des hessischen Bauernverbands und konventioneller Landwirt, bestätigte das in der von F.A.Z.-Redakteur Thorsten Winter moderierten Runde. Er beeilte sich aber, hinzuzufügen, dass diese Förderung der Öko-Bauern auf keinen Fall zu Lasten konventioneller Kollegen gehen dürfe. Abgesehen davon, verstehe sich der Verband, dem er als Präsident vorstehe, als Vertretung aller Bauern, der konventionellen wie der, die ökologische Landwirtschaft betrieben.

          In beiden Fällen sieht Schneider seinen Verband und die Politik in der Pflicht, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die es den Betrieben ermögliche, auskömmlich zu wirtschaften. In Richtung Handel hob er hervor, dass die Bauern beste Qualität lieferten. Der Handel müsse bereit sein, dafür auch entsprechende Preise zu zahlen. Gerade Bioprodukte würden aber oft zu billig angeboten. Das allerdings wollte Friedrich Wagner, Präsident des Handelsverbands Hessen und ehemaliger Rewe-Manager, so nicht stehenlassen. Der Handel habe die Aufgabe, alle Kunden zu bedienen. Und am Ende bestimme immer der Kunde, was er haben wolle und zu welchem Preis.

          Und wenn es beispielsweise Discountern gelinge, eine wachsende Palette von Produkten mit einem Biosiegel zu Discountpreisen auf den Markt zu bringen, dann sei es eine Gesetzmäßigkeit des Marktes, dass der übrige Handel in irgendeiner Weise darauf reagiere, um seine Kunden zu halten, führte Wagner weiter aus. Von Rewe etwa könne er sagen, dass man dort zudem gerne mehr Bio-Produkte anbieten würde. Das scheitere aber an einem bisweilen zu geringen Angebot. Man könne aber keinesfalls plakativ von einem Verramschen von Bio-Lebensmitteln durch den Handel sprechen.

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