https://www.faz.net/-gzg-9p6g2

Hessischer Bauernpräsident : „Mauern gegen Flüchtlinge: Wie doof ist das denn?“

„Die Weizenernte wird auch dieses Jahr nicht sio toll“: Hessens Bauernpräsident Karsten Schmal Bild: dpa

Hessens Bauernpräsident hebt gerne hervor, dass der Zuzug von Flüchtlinge nicht zu Lebensmittelknappheit geführt hat. Weil aber anderswo auf der Welt Mangel herrsche, sieht er eine „Völkerwanderung“ kommen.

          Karsten Schmal bewirtschaftet im Osten des Sauerlands in Sichtweite zum Upland gemeinsam mit seinem Sohn einen Milchviehhof. Er ist in der tiefsten hessischen Provinz zu Hause. Einerseits. Auf der anderen Seite kennt der Präsident des hessischen Bauernverbands viele Länder auf der Welt. Als Milchpräsident des Deutschen Bauernverbands jettet Schmal zum Beispiel zu Tagungen nach China, nach Brüssel sowieso. Und er weiß um die sogenannte Welternährungslage. Sie ist vielerorts von Mangel gekennzeichnet.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zuletzt litten mehr als 800 Millionen Kinder, Frauen und Männer rund um den Globus an Hunger und Unterernährung, wie die Welthungerhilfe ermittelte. Dies gilt als ein Grund für die Massenmigration gen Europa. Schmal weist immer wieder und gerne darauf hin, dass dieser Zuzug von Flüchtlingen hierzulande zu keinerlei Lücken in den Regalen der Supermärkte geführt hat. Gerade hat er dies aus Anlass des Erntegesprächs seines Verbands auf einem Hof im mittelhessischen Hüttenberg hervorgehoben, bei dem er eine „nicht so tolle Weizenernte“ vorhersagte und den unter der Dürre von 2018 leidenden Raps als „Sorgenkind“ bezeichnete. Die gute Versorgung schreibt er auch der eigenen Branche in Hessen und Deutschland zugute.

          „Ich würde loslaufen“

          Weil aber nicht zuletzt in von Hunger und Not geprägten Ländern die Bevölkerung zunimmt, sieht er kein Ende der Massenmigration gen Norden. Er frage seine Kinder immer: Wenn es ihrer Heimat zu wenig zu essen gäbe und die Aussichten schlecht seien, sie aber sähen, dass es in Europa genug gebe – „würdet ihr loslaufen?“ Seine Antwort: „Ich würde loslaufen.“

          Hessens oberster Landwirte-Lobbyist zieht daraus den klaren Schluss: „Wir werden Völkerwanderungen erleben wegen des Wassers und der Nahrung.“ Wie der amerikanische Präsident Donald Trump auf Mauern gegen Flüchtlinge zu setzen – „wie doof ist das denn?“, fragt Schmal. Kaum hat er das während des Erntegesprächs gesagt, raunt jemand: „Wir brauchen einen zweiten Liebig, der die Ernährung sicherstellt.“

          „Bio-Markt wird weiter wachsen“

          Dass die hierzulande von der Politik befürwortete Bio-Landwirtschaft die Lösung sei, glaubt Schmal nicht. Auf diesem Gebiet hat Hessen seit dem Amtsantritt von Agrarministerin Priska Hinz (Die Grünen) im Jahr 2014 einen großen Satz gemacht. Der Öko-Anteil ist von seinerzeit neun Prozent auf gut 15 Prozent gestiegen. „Und er wird weiter wachsen“, meint Schmal. Ob aber der Anteil wie politisch gewünscht bis 2025 auf ein Viertel steigen werde, das bestimme nicht die Ministerin, sondern der Verbraucher.

          Die Kundinnen und Kunden griffen aber allen Umfragen zum Trotz vielfach nicht zu „bio“. Bei Schweinefleisch etwa liege der Öko-Anteil in Hessen nur bei zwei Prozent. Und wenn Discounter Bio-Milch für nur 95 Cent je Liter anböten, wie es derzeit der Fall sei, dann helfe das den Erzeugern wenig.

          Weitere Themen

          Zeichnungen wie Musik

          Zeitgenössische Kunst : Zeichnungen wie Musik

          Kunst zum Klingen bringen: Die Zeichnungen Lena Ditlmanns lassen an musikalische Kompositionen denken. Frankfurt sei eine gute Stadt, um Künstlerin zu sein, sagt sie.

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.