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Bau der Nordwestlandebahn : Condor sucht mehr Ruhe

Mit der neuen Landebahn wird es laut am Frankfurter Flughafen - zu laut für Condor. Bild: DDP

Mit der neuen Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen wird es in der Zentrale der Fluggesellschaft Condor in Kelsterbach zu laut. Eine neue Zentrale soll her.

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          Condor denkt an Umzug. Der Grund ist der Fluglärm, der von 2011 an am Unternehmenssitz der Fluggesellschaft im Kelsterbacher Gewerbegebiet Süd stark zunehmen wird. Denn in zwei Jahren soll die neue Landebahn des Frankfurter Flughafens in Betrieb gehen. Eine Folge davon wird sein, dass Flugzeuge in kaum mehr als 50 Metern Höhe den Sitz der Condor beim Landeanflug auf die Piste passieren werden. Es wird dort also sehr viel lauter als jetzt – zu laut für die Mitarbeiter in der Zentrale der Condor Flugdienst GmbH. In der Verwaltung und dem Flight Operation Center dort werden 400 Vollzeitstellen gezählt.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Entschieden ist noch nichts, wie ein Unternehmenssprecher versichert. Davon gehen auch Städte und Gemeinden aus, die nach eigener Auffassung als Standort für eine neue Condor-Zentrale in Frage kommen und nach Kräften um den lukrativen Anrainer werben.

          Die Kelsterbacher hoffen

          Allen voran ist Kelsterbach daran interessiert, die zur Thomas Cook Group zählenden Fluggesellschaft zu halten. Gespräche hat Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) längst geführt. Zurzeit ist die Stadt darum bemüht, aus dem Staudenäcker-Areal schneller als ursprünglich geplant Bauland werden zu lassen. Dieses Engagement und die bislang gute Zusammenarbeit mit Condor lässt die Kelsterbacher hoffen.

          Die Ferienflieger erwägen auch, im bisherigen Hauptquartier an der Straße Am Grünen Weg zu bleiben. Allerdings gibt es dort weder eine hinreichende Schallisolierung noch eine entsprechende Klimatisierung. Beides müsste der Eigentümer, ein Immobilienfonds der SEB, nachrüsten. Wie aus Planungsunterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, weiter hervorgeht, will Condor auch die in Oberursel bei der dortigen Dependance der Mutter Thomas Cook AG angesiedelten 100 Mitarbeiter mit in die neue Zentrale umsiedeln. Das aber ist am bisherigen Standort nur dann möglich, wenn die Condorianer auch den zweiten Teil des Gebäudekomplexes vollständig für sich nutzen können.

          Nachtflugverbot spielt keine Rolle

          Doch in diesem zweiten Trakt betreibt die Lufthansa Cargo AG ihr eigenes Flight Operation Center, das sämtliche Flüge und den Einsatz der Crews steuert, und es gibt bei den Frachtfliegern keinerlei Pläne, das alsbald zu ändern. Allein dieser Umstand spricht demnach gegen einen Verbleib der Condor am bisherigen Standort. Bei den Ferienfliegern hat der Ausgang des Streits um die Nachtflüge übrigens keinen Einfluss auf die Entscheidung über die künftige Zentrale, wie aus vorstandsnahen Kreisen zu hören ist. Das ist insofern bemerkenswert, als ein Nachtflugverbot auch massiv das Geschäftsmodell der Gesellschaft tangiert, die nur deshalb vergleichsweise günstige Flüge anbieten kann, weil sie ihre 34 Maschinen Tag und Nacht in der Luft hält. Die Präsenz am Luftdrehkreuz Frankfurt wird demnach höher bewertet als die Möglichkeit, nachts zu fliegen.

          Dass Condor über eine Verlagerung der Zentrale innerhalb des Frankfurter Raums nachdenkt, hat sich rasch in den Städten rund um den Flughafen herumgesprochen. Raunheim beispielsweise hat schon ein komplettes Angebotspaket inklusive Grundstücke, Projektentwicklung und mit einem für Condor-Mitarbeiter kostenlosen Shuttle-Service geschnürt. Ein Gutachten bescheinigt, dass die Airliner in weniger als zehn Minuten von Raunheim zum Terminal 2 gelangen können, wie das Rathaus wissen lässt. Die Condor-Zentrale mit rund 500 Arbeitsplätzen sei im Umland begehrt, da müsse man sich schon anstrengen, sagt ein mit Ansiedlungen befasster Mitarbeiter des Verwaltung. Auch in Neu-Isenburg wird das Thema Condor längst unter Stadtverordneten diskutiert.

          Bis zu 50 Prozent der Miete sparen

          In Frankfurt sind die Pläne der Fluggesellschaft derweil noch weitgehend unbekannt, bis zu Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sind sie bislang jedenfalls noch nicht vorgedrungen gewesen. Gleichwohl zeigte er sich im Gespräch mit dieser Zeitung interessiert daran, mit Condor rasch in Kontakt zu kommen. Das dürfte kein Problem sein, denn zu den Varianten, die die Ferienflieger durchgeplant haben, zählt auch eine Bündelung aller Aktivitäten in Gateway Gardens. Besonders attraktiv ist dort die Nähe zu den Terminals. Die wäre allerdings in einem Fall noch größer, nämlich auf einem Grundstück innerhalb des Flughafens. Condor schwebt da eine neue Zentrale am Tor 3 vor, wo zurzeit der Fraport-Vorstand residiert. Genaues wollte ein Sprecher der Fraport AG gestern nicht verraten. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass der Frankfurter Flughafenbetreiber großes Interesse daran hat, seinen nach der Lufthansa zweitgrößten Kunden auf dem eigenen Areal zu beherbergen.

          Bei der Airline haben die Planer auch schon den Umzug etwa nach Frankfurt-Niederrad, -Sossenheim und nach Eschborn durchgerechnet. Immobilienexperten vermuten, dass Condor mit einem Umzug an einen dieser Orte womöglich die Hälfte der bisherigen Miete sparen könnte. Selbst wenn die Größenordnung zuträfe, müsste die Fluggesellschaft allerdings die Kosten für ein separat zu mietendes Flight Operation Center gegenrechnen. Denn das muss auf jeden Fall nahe am Flughafen liegen.

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