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Banken : Wiesbadener Volksbank steigert Ergebnis weiter

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Zählt unter den Volksbanken in Deutschland zu den zehn größten: Die Wiesbadener Volksbank Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Die Wiesbadener Volksbank möchte zur „Premium-Bank“ werden und sich mehr um Vermögende bemühen. Aber auch jetzt geht es dem Haus schon recht gut.

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          Rolf Hildner war von Überschwang weit entfernt. Aber seine Genugtuung wollte er nicht verbergen, als er die Geschäftszahlen für 2006 vorlegte: „Wir konnten uns gut am Markt behaupten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Wiesbadener Volksbank mit Verweis auf das Betriebsergebnis, das nach Bewertung von 27,1 Millionen Euro 2005 auf 33,0 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen ist. Noch fünf Jahre zuvor waren es glatt zehn Millionen weniger gewesen.

          Wie die Bank dasteht, zeigt sich aber mehr noch, wenn man das Ergebnis ins Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme des vergangenen Jahres setzt, also die Größe des Hauses berücksichtigt. Es ergibt sich dann ein Wert von 1,25 Prozent, wie Hildner sagte. Viele Häuser wären froh, wenn sie wenigstens in die Nähe der Eins kämen. Beiläufig bemerkte der Vorstandsvorsitzende, mit 1,25 Prozent lägen die Wiesbadener ungefähr die Hälfte über dem Durchschnitt der Volksbanken und Sparkassen.

          Acht bis neun Millionen Euro Jahresüberschuss

          Die vergleichsweise guten Zahlen hat die Volksbank der Landeshauptstadt allerdings vor allem einer kräftig gesunkenen Risikovorsorge zu verdanken. Sie ging von 13,1 auf 5,9 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen habe die Frühwarnsysteme erheblich ausgebaut, sagte Hildner zur Begründung. Das eigentliche operative Geschäft sah 2006 nicht so gut aus wie 2005. Wie andere Kreditinstitute leiden die Wiesbadener darunter, dass sich die Zinssätze für kurz- und langfristige Geldanlage angenähert haben. Deshalb lässt sich nicht mehr viel damit verdienen, wenn eine Bank kurzfristige Einlagen der Kundschaft ihrerseits langfristig anlegt. Der Zinsüberschuss, bei der Wiesbadener Volksbank wie auch bei anderen Regionalinstituten die zentrale Einnahmequelle, ging um 2,5 Prozent zurück.

          Alles in allem sank das Betriebsergebnis vor Bewertung um 1,2 Millionen auf 39,0 Millionen Euro. Zwischendurch habe es noch schlechter ausgesehen, gab Hildner zu, doch eine Offensive im Vertrieb im zweiten Halbjahr sei erfolgreich gewesen. Acht bis neun Millionen will die Bank als Jahresüberschuss ausweisen, sieben Millionen Euro in die Rücklagen einstellen. Der Steueraufwand wurde mit 12,5 Millionen Euro beziffert. Die Dividende soll unverändert sechs Prozent betragen. Hildner beklagte die hohen Einzahlungen an die Sicherungseinrichtung der Volksbanken, die sich in diesem Jahr auf 2,1 Millionen Euro beliefen.

          Volksbank setzt auf vermögende Privatkunden

          Wie andere Kreditinstitute will die Wiesbadener Volksbank in Zukunft noch stärker auf vermögende Privatkunden setzen. Hier halte das Unternehmen bisher einen Marktanteil von ungefähr sieben Prozent, sagte Hildner. Man wolle sich als „Premium-Bank“ etablieren. Auch von einem Ausbau des mobilen Vertriebs ist bei den Wiesbadenern die Rede; im vergangenen Jahr bereits eingerichtet wurde eine „Telefonfiliale“, also eine Stelle, über die Kunden ihre Geschäfte telefonisch erledigen können.

          Bei den Kosten lasse sich wenig einsparen, meinte Hildner. Die Wiesbadener Volksbank muss 56 Cent für Personal und anderes aufwenden, um einen Euro einzunehmen, was, wie der Volksbankchef sagte, kaum zu toppen ist - viele Regionalinstitute benötigen weit mehr, die Frankfurter Sparkasse zum Beispiel 82. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Mitarbeiter in Wiesbaden von 537 auf 549; umgerechnet auf Vollzeitstellen, ergab sich ein leichter Rückgang. Filialschließungen kämen nicht in Frage, eher überlege man, da und dort eine neue zu eröffnen.

          Derzeit unterhält die Wiesbadener Volksbank 24 Geschäftsstellen. Weiterhin würde das Kreditinstitut gerne mit Volksbanken in der Umgebung zusammengehen, wie Hildner bekräftigte, doch sehe er dafür in den nächsten Jahren kaum Chancen, er wolle auch keinen Druck ausüben. Enttäuscht zeigte sich Hildner vom Scheitern der Fusionsgespräche von DZ- und WGZ-Bank; er glaube nicht, dass es in absehbarer Zeit einen neuen Anlauf gebe. Die Wiesbadener Volksbank jedenfalls wolle ihre starke Stellung behaupten - schließlich sei jeder zweite Gewerbetreibende in der Landeshauptstadt bei ihr Kunde, und bei Privatkunden habe man einen Marktanteil von 30 Prozent.

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