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Banken : Walter schweigt

„Wir sind wie ein mittelmäßig ausgelastetes Hotel”: Herbert Walter Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Seit Monaten gibt es Spekulationen, bei der Dresdner Bank könnten noch einmal 2000 bis 3000 Stellen wegfallen. Doch der Chef will sich dazu nicht konkret äußern. Fürchtet Herbert Walter den Ackermann-Effekt?

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          Da hilft auch alles hartnäckige Nachfragen nichts. Weder wollte Herbert Walter, der Chef der Dresdner Bank, gestern weiteren Stellenabbau ausschließen, noch wollte er eine mögliche Größenordnung nennen. Das einzige, was er verriet, war ein Renditeziel von zwölf Prozent nach Steuern bis 2008. Dafür müßte die Bank entweder die Erträge deutlich verbessern oder - doch wieder die Kosten senken, was wohl vor allem durch Stellenabbau möglich wäre.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit November vergangenen Jahres gibt es Spekulationen, bei der „Beraterbank“ könnten noch einmal 2000 bis 3000 Stellen wegfallen. Damals hatte Walter ausweichend kommentiert, ein Stellenabbau sei „möglich, aber noch nicht absehbar“. Als die Muttergesellschaft Allianz am Donnerstag in München andeutete, die Kosten bei der Banktochter seien noch zu hoch, schien das einen weiteren Abbau befürchten zu lassen. Gestern hieß es nur, man werde das Wort „Abbau“ nicht mehr so häufig in den Mund nehmen wie früher, jetzt werde es mehr um Wachstum gehen.

          Der Stellenabbau aus dem vorigen Restrukturierungsprogramm sei „zu 90 Prozent verwirklicht“, sagten Walter und Finanzvorstand Klaus Rosenfeld. 28.774 Mitarbeiter beschäftigte die Bank Ende 2005 - 1380 weniger als vor Jahresfrist.

          Belegschaft will wissen, woran sie ist

          „Wir sind wie ein mittelmäßig ausgelastetes Hotel“, sagte Walter und deutete an, in den nächsten drei bis vier Jahren müsse man diese Kapazitätsauslastung deutlich verbessern. Auf großen Charts an der Wand zeigte er, wie sich die Bank das vorstelle: Der Verwaltungsaufwand der Bank läuft bis 2008 etwa auf dem Niveau von heute weiter, während die operativen Erträge stark nach oben gehen - bis die Nachsteuerrendite von neun auf zwölf Prozent gestiegen sein werde.

          Wenn die Frage eines weiteren Stellenabbaus davon abhänge, wie sich die Erträge in diesem Jahr entwickelten, dann könnte Walter doch eigentlich eine Mindestgröße nennen, die man benötige, um Abbau zu vermeiden, meinten Journalisten auf der Pressekonferenz. Aber auch darauf wollte sich der Bankchef nicht einlassen. Dabei hatte die Gewerkschaft Verdi schon mehrfach moniert, die Belegschaft wolle endlich einmal wissen, woran sie sei.

          Wollte die Dresdner Bank vermeiden, ähnlich wie die Deutsche Bank öffentlich kritisiert zu werden, weil sie gleichzeitig Rekordgewinne verkündet und Stellenabbau ankündigt? Das Ergebnis war zumindest das beste seit 1999, wie Walter selbst verkündete. 1,786 Milliarden Euro weist die Bank nach Steuern aus; allerdings sind darin die Auflösung von Risikovorsorge und Beteiligungsverkäufe enthalten.

          2006: das „Jahr der Wahrheit“

          Das operative Ergebnis liegt der Bank zufolge bei 745 Millionen Euro: Weniger als Deutsche Bank und Commerzbank erwirtschafteten, aber doch mehr als die Dresdner Bank in den vergangenen Jahren vorweisen konnte. 2002 und 2003 hatte man schließlich noch im Minus gelegen.

          Was ist das für ein Mann, Herbert Walter? Der 52 Jahre alte gebürtige Bayer scheint durch das bisweilen schwierige Zusammenspiel mit der Konzernmutter Allianz eher noch etwas vorsichtiger geworden zu sein als früher. Als „charmanten Perfektionisten“ und „messerscharfen Analytiker“ hatten ihn Mitarbeiter von der Deutschen Bank beschrieben, bei der bis 2003 tätig war. Das Jahr 2006 könnte für Walter zum „Jahr der Wahrheit“ werden, heißt es in der Branche. Die Anforderungen der Allianz scheinen schließlich nicht gering.

          Zwei „Großsegel“ sollen die Bank künftig zu neuen Ertragsufern bringen, wie Walter es formulierte: Das Wertpapiergeschäft, bei dem sich das Institut traditionell stark sieht, und die enge Zusammenarbeit mit der Mutter Allianz im Vertrieb. Für letztere gebraucht Walter gern zwei Kunstworte und eine Abkürzung: Assurbanking, Bancassurance und IFDL.

          „No news“

          Um mit letzerer anzufangen: IFDL heißt in der Dresdner-Bank-Sprache „Integrierte Finanzdienstleister“ und soll das Geschäftmodell einer Versicherung und einer Bank beschreiben, die eng verzahnt sind. Assurbanking bezeichnet den Versuch, über die Versicherungsagenturen der Allianz neue Kunden für die Dresdner Bank zu gewinnen.

          381.000 Menschen habe man auf diese Weise im vorigen Jahr werben können, 300.000 seien fürs laufende Geschäftsjahr geplant. Bancassurance ist das umgekehrte Modell: Versicherungen der Allianz, die über Schalter der Dresdner Bank vertrieben werden. Während das bei den Sachversicherungen im vorigen Jahr im Neugeschäft ein Plus von acht Millionen Euro brachte, brach der Lebensversicherungsvertrieb ein - wohl wegen des Wegfalls des Steuerprivilegs.

          Zur Zukunft der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, die offenkundig nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert hat, sagte Walter, man werde sie mit der sogenannten „Corporate Bank“ verbinden, die große Firmenkunden und Institutionen in Deutschland betreut. Unter welchem Namen und welchem Logo das genau geschehen werde, sei allerding nach wie vor unklar, so Walter: „No news.“

          Murren, nörgeln und fordern

          Wie die Deutsche Bank so scheint auch die Dresdner Bank zwischen zwei sich widersprechenden Anforderungen zu stehen: Die Aktionäre beider Häuser wollen etwas von Einschnitten und Kostensenkungen hören, die Öffentlichkeit und die Mitarbeiter reagieren aber auf genau solche Nachrichten verstört. Die Dresdner Bank jedoch hat zusätzlich das Pech, daß ihr Großaktionär kurz vor ihr seine Zahlen vorstellt.

          Nicht nur, daß er dabei auch die wichtigsten Kennzahlen für die Bank präsentiert, die jeder Vorstandschef vermutlich gern selbst vorstellen würde. Er kann auch etwas murren, nörgeln und fordern: So klangen die Nachrichten über die Dresdner Bank aus München auch in diesem Jahr kritischer als die aus Frankfurt. Walter sagte allerdings, er selbst habe das gar nicht so wahrgenommen - er habe die Bilanzpressekonferenz der Allianz allerdings auch nur im Fernsehen verfolgt.

          Dresdner Bank in Zahlen: Bestes Ergebnis seit 1999

          Die Dresdner Bank hat im abgelaufenen Geschäftsjahr das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 25,4 Prozent auf 745 Millionen Euro gesteigert. Die Nachsteuerrendite stieg nach Unternehmensangaben auf neun Prozent. Damit habe die Bank erstmals seit der Übernahme durch die Allianz ihre Kapitalkosten verdient.

          Der Jahresüberschuß lag laut Geschäftsbericht bei 1,7 Milliarden Euro, nach 206 Millionen Euro im Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern betrug 2,1 Milliarden Euro nach 123 Millionen Euro im Vorjahr. Die Steuern wurden mit 377 Millionen Euro beziffert, nachdem man im Jahr zuvor hier einen negativen Wert genannt hatte. Das Ergebnis nach Steuern lag bei 1,786 Milliarden Euro nach 265 Millionen Euro im Vorjahr.

          Zinsüberschuß

          Die Zahl der Kunden sei im abgelaufenen Geschäftsjahr um 400 000 auf 5,8 Millionen gestiegen, so die Dresdner Bank. Die Zahl der Mitarbeiter nahm laut Geschäftsbericht um 4,6 Prozent auf 28 774 ab. Die Zahl der Geschäftsstellen verringerte sich um zehn auf 959.

          Der Zinsüberschuß sank laut Geschäftsbericht um 2,2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuß erhöhte sich um 1,8 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Das Handelsergebnis verringerte sich um 26,4 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Vor allem das zweite Quartal 2005 war dabei ausgesprochen schlecht ausgefallen. Der Verwaltungsaufwand verringerte sich um 1,9 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft hatte noch 2004 rund 337 Millionen Euro betragen. Für 2005 gibt die Bank eine Auflösung von Risikovorsorge in Höhe von 113 Millionen Euro an. (sibi.)

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