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Banken : Taunus-Sparkasse vermeidet nur knapp rote Zahlen

Auf Dauer bei der Taunus-Sparkasse abgeschrieben: Vier Millionen Euro Bild: ddp

Die Taunus-Sparkasse hat im vergangenen Jahr nur mit einem Geschäft besonderer Art die Ausweisung eines Verlusts vermeiden können: Das Bad Homburger Kreditinstitut verkaufte Filialgebäude, um an Geld zu kommen.

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          Auch die Taunus-Sparkasse hat 2008 deutlich unter der Finanzkrise gelitten. Das Bad Homburger Kreditinstitut musste Millionen abschreiben, weil eigenes Geld in besseren Zeiten in Anlagen gesteckt worden war, die deutlich an Wert verloren. Der Vorstandsvorsitzende Hans-Dieter Homberg äußerte bei der Vorstellung der Bilanz 2008 allerdings die Hoffnung, beim Gros der Eigenanlagen in Höhe von 800 Millionen Euro – zu drei Vierteln festverzinsliche Anlagen wie Pfandbriefe und Unternehmensanleihen, aber auch Aktienfonds – würden die Kurse in den nächsten Jahren wieder steigen. Alle Wertpapiere des Umlauf- und des Anlagevermögens seien zum strengen Niederstwertprinzip bewertet worden. Auf Dauer abgeschrieben worden seien lediglich vier Millionen Euro, die bei einer isländischen Bank angelegt worden seien.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Allerdings hat auch die Taunus-Sparkasse nicht nur ihr eigenes Geld auf eine Art und Weise angelegt, die jedenfalls zum Stichtag 31. Dezember 2008 zu beträchtlichen Verlusten führte, sondern auch ihren Kunden Produkte verkauft, mit denen diese nicht gut gefahren sind. 64 Kunden hätten Lehman-Zertifikate im Wert von zusammen 1,4 Millionen Euro erworben, berichtete Homberg, vor allem im Jahr 2006. Zehn dieser Kunden seien entschädigt worden. In drei Fällen habe die Bank seinerzeit bei der Beratung einen Fehler gemacht. Ihnen sei das Geld vollständig ersetzt worden. Sieben Kunden habe man noch im März 2008 Lehman-Zertifikate verkauft. In diesen Fällen habe sich das Haus entschieden, 80 Prozent des Schadens zu tragen.

          Schmaler Jahresüberschuss

          Die Abschreibungen auf eigene Wertpapiere in Höhe von 28,1 Millionen Euro überschatten den Jahresabschluss der Taunus-Sparkasse 2008. 2007 waren in dieser Zeile der Gewinn-und-Verlust-Rechnung gerade einmal Belastungen von 2,3 Millionen aufgeführt worden. Um überhaupt auf einen positiven Bilanzgewinn zu kommen, verkaufte die Sparkasse 15 der Gebäude, in denen sie Filialen betreibt. Dies sei Teil einer bereits 2006 beschlossenen Strategie, hieß es. 14 Gebäude gingen an eine Tochtergesellschaft, nur das Haus mit der früheren Geschäftsstelle in Kelkheim, die inzwischen umgezogen ist, wurde tatsächlich an jemand anderes verkauft. Doch auch durch ein Immobiliengeschäft innerhalb der Taunus-Sparkasse ist es möglich, eine Einnahme zu generieren. Die so gewonnenen 7,4 Millionen Euro reichten aus, in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung letztlich noch einen schmalen Jahresüberschuss von 1,5 Millionen auszuweisen.

          Homberg, der im Gegensatz zu vielen anderen seines Ranges nicht zu Schönfärberei neigt, zeigte sich mit diesem Ergebnis für 2008 unzufrieden, äußerte aber zugleich die Hoffnung, 2009 werde es besser werden. Er nehme an, dass sich ein Betriebsergebnis vor Bewertung auf dem Niveau des Jahres 2007 erzielen lasse.

          „Kampfkonditionen“

          Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Nassauische Sparkasse und die Frankfurter Sparkasse ihre Zahlen für 2008 vorgelegt; auch sie hatten von einem deutlichen Rückgang ihres Jahresüberschusses berichtet. Von einem Zusammengehen der drei Kreditinstitute, deren Geschäftsgebiete sich in Frankfurt und vor allem im Taunus überschneiden, mochte Homberg allerdings nicht sprechen. In der gegenwärtigen Lage sei derlei nicht zu verwirklichen.

          Der Sparkassenchef zeigte sich erfreut, dass die Kunden in der Finanzkrise zum Haus gehalten hätten und sogar Neukunden gewonnen werden konnten. Der überdurchschnittliche Zuwachs an Kundeneinlagen und der Ausbau der Eigenanlagen in festverzinslichen Wertpapieren habe zu einem Anstieg der Bilanzsumme um 8,5 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro geführt. Homberg bekräftigte, bei der Taunus-Sparkasse gebe es keine Kreditklemme. Die Summe der in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ausgegebenen Kredite habe um 14 Prozent über der des vergangenen Jahres gelegen, wobei der Zuwachs bei Unternehmen und Selbständigen noch höher ausgefallen sei. Der Vorstandsvorsitzende beklagte, dass von der öffentlichen Hand gestützte Häuser eine Zeitlang mit „Kampfkonditionen“ aufgetreten seien. Weiter teilte Homberg mit, die Zusammenarbeit mit dem Immobilienmakler Corpus Sireo werde beendet.

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