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Banken : Sparkassenverband hilft Naspa bei Neuausrichtung

Das Gebäude der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden Bild: Michael Kretzer

In einer konzertierten Aktion sollen die Sparkassen Hessens und Thüringens der Naspa in Wiesbaden zur Seite springen: Sie kaufen ihr gemeinsam ein Tochterunternehmen ab. Die schwächelnde Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden soll sich so gesundschrumpfen.

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          Die Nassauische Sparkasse ist in mehrfacher Hinsicht ein Sonderfall. Das Wiesbadener Kreditinstitut ist nicht nur in einer Stadt oder einem Landkreis tätig, sondern gleich in acht Gebietskörperschaften von Frankfurt bis zum Westerwald. Es ist nicht nur in einem Bundesland aktiv, sondern mit Hessen und Rheinland-Pfalz in zwei. Und es hat als einzige Sparkasse der Region eine eigene Tochtergesellschaft in Dublin, die sich um das Kapitalmarktgeschäft kümmert. Groß ist das Haus nicht – nur 21 Mitarbeiter sind dort nach Unternehmensangaben tätig. Groß sind aber die Summen, die sie bewegen: Auf 4,2 Milliarden Euro wird das dort verwaltete Portfolio beziffert.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Über die Naspa Dublin ist im Geschäftsbericht der Nassauischen Sparkasse wenig zu lesen. Ein wenig mehr findet sich im Internet; dort heißt es, hauptsächlich werde in Emissionen von Banken investiert, nur zu maximal 20 Prozent in ABS-Strukturen. Im Subprime-Sektor sei man nicht engagiert. Investiert ist man allerdings, wie zu hören ist, in Lehman-Papieren, von einem mittleren zweistelligen Euro-Millionenbetrag, also um die 50 Millionen, ist die Rede. Sonst werde aber alles nach wie vor bedient. Gleichwohl: Nimmt man die aktuellen Kurse als Maßstab, hat das Portfolio natürlich an Wert verloren.

          Doppeldeutiger Satz

          Nun soll es mit dieser Art des Sonderfalls bei der Naspa ein Ende haben. Wie das Kreditinstitut mitteilte, soll der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen den Wiesbadenern seine irische Tochter abkaufen. Der Kaufpreis entspricht dem Eigenkapital der Naspa Dublin – ungefähr 250 Millionen Euro. Finanziert wird dies vom Verband über die Aufnahme eines Kredits. Der Sparkassenverband wird sodann die Landesbank Hessen-Thüringen beauftragen, die Geldanlage nach und nach abzuwickeln, was wohl Jahre dauern kann.

          Die Nassauische Sparkasse werde damit zu einer Sparkasse wie andere auch, heißt es. Das ist ein doppeldeutiger Satz. Er bezieht sich zunächst auf die Hergabe der irischen Tochter, aber er gilt auch für die Folgen aus dem Geschäft. Das Haus gilt seit langem als eigenkapitalschwach. Mit den 250 Millionen Euro kann nun das Kernkapital, das Teil des Eigenkapitals ist, gestärkt werden. Dadurch steigt die Kernkapitalquote – der Anteil des Kreditvolumens, der durch Eigenkapital gedeckt ist. Nach Angaben der Naspa wird sich dieser Prozentsatz von 7,3 auf mehr als 10 Prozent erhöhen.

          Stärkung der Wettbewerbsposition

          Die Kernkapitalquote spielt in der Finanzkrise bei der Beurteilung der Lage von Banken eine zentrale Rolle. Viele haben ihr Kernkapital aufgestockt, um sich im Wettbewerb behaupten zu können. Bei der Commerzbank etwa führte die Beteiligung am Rettungspaket zu einem nahezu gleichen Anstieg der Kernkapitalquote wie bei der Naspa. Bei der Frankfurter Großbank stieg der Satz von ebenfalls 7,3 auf nunmehr 10,9 Prozent.

          Zugleich steigt durch den Verkauf der irischen Tochter der Nassauischen Sparkasse die Eigenkapitalquote, also das Verhältnis der eigenen Mittel zur Bilanzsumme – war doch die Bilanzsumme, die im vergangenen Jahr bei 15,8 Milliarden Euro lag, zu ungefähr einem Viertel durch das Geschäft in Dublin bestimmt. Auch hier ist die Naspa nicht allein – die Deutsche Bank etwa hatte vor kurzem ebenfalls wissen lassen, durch Verringerung der Bilanzsumme die Eigenkapitalquote zu steigern. Auch dies dient letztlich der Stärkung der Wettbewerbsposition.

          Ungewöhnliches Verfahren

          So stellte die Naspa denn auch den Verkauf der irischen Tochter als einen wichtigen Schritt auf ihrem Weg zur Neuausrichtung dar. In Zukunft werde sich das Haus auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Die höhere Kernkapitalquote stelle eine solide Grundlage für den Ausbau der Marktposition dar. Tatsächlich hat die Naspa in den vergangenen Jahren nicht eben gute Geschäftsergebnisse vorgelegt. 2007 war mit einer Null abgeschlossen worden, in früheren Jahren hatte der Vorstand zweimal in die Reserven greifen müssen, um die Ausweisung eines Verlusts zu vermeiden. Stephan Ziegler war vor zwei Jahren seine neue Aufgabe als Vorstandsvorsitzender mit viel Schwung angegangen, musste jedoch schnell lernen, dass die Weitläufigkeit des Geschäftsgebietes, die zu acht Trägern geführt hat – zwei Großstädte, Frankfurt und Wiesbaden, sowie sechs Landkreise –, schnelle Entscheidungen nicht erlaubt. So kam er mit seinem Vorhaben, zwei Dutzend Geschäftsstellen zu schließen, nicht so durch wie erwartet.

          Das ungewöhnliche Verfahren, mit dem der Sparkassenverband der Naspa Unterstützung gewährt, muss noch von der Verbandsversammlung gebilligt werden, die am Donnerstag tagt. Die Sparkassendirektoren sind erst am Wochenende informiert worden und dürften noch allerhand Fragen haben. Dass der Verwaltungsrat der Naspa am Mittwoch dem Geschäft zustimmt, lässt sich leichter vorstellen.

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