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Banken : Erfolgreiche Ausländer

Phänomen Diba: rasantes Wachstum und liberaler Haustarifvertrag Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Niederländer, Schotten, Amerikaner: Die Auslandsbanken am Finanzplatz Frankfurt haben die deutschen Privatkunden entdeckt. Viele Institute legen kräftig zu.

          3 Min.

          Oft wissen es die Kunden gar nicht so genau. Wer das lustige „Dibadibadu“ im Fernsehen hört und seine Euro auf einem Tagesgeldkonto der Diba parkt, verschwendet vielleicht keinen Gedanken daran, daß hinter Deutschlands erfolgreichster Direktbank ein niederländischer Finanzkonzern steckt: die ING, 1991 aus der Fusion der niederländischen Postbank und einer Versicherung entstanden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während die Spekulationen um einen Kauf der Deutschen Bank oder der Commerzbank durch ein ausländisches Institut leiser geworden sind, wuchsen die Marktanteile ausländischer Institute im Geschäft mit deutschen Privatkunden stark. „Wir haben die Diba lange unterschätzt“, gibt der Chef der Dresdner Bank, Herbert Walter, zu. Als die Diba Jahr für Jahr eine halbe Million neuer Kunden für ihr Tagesgeldkonto gewonnen habe, hätten die deutschen Großbanken das nicht weiter beachtet. Erst als der Einstieg ins Baufinanzierungsgeschäft auf Anhieb ein Erfolg wurde, läuteten die Alarmglocken.

          Ausländische Banken weiten ihr Angebot aus

          Die ausländischen Finanzriesen verfolgen dabei offenbar verschiedene Strategien. Die einen beginnen in Deutschland zunächst in einer Nische, um dann immer weitere Produkte aufzulegen. Schon wird etwa spekuliert, wie lange es noch dauern möge, bis die Diba auch hierzulande Versicherungsprodukte im großen Stil auf den Markt bringt. Ähnlich weitete die Royal Bank of Scotland ihre Angebote aus. Andere stiegen mit mehr Risiko gleich groß ein, wie der italienische Unicredito, der die Hypovereinsbank übernommen hat.

          Nachdem im „Wholesale Banking“, dem großen Geschäft der Banken vor allem mit Unternehmen, Europa längst zu einem Markt geworden ist, brauchte das „Retailbanking“, das Geschäft mit Privatkunden in Filialen, offenbar länger. Gerade die letzte, von den deutschen Großbanken lange vernachlässigte Zielgruppe steht jetzt im Visier vieler ausländischer Institute. Dabei gehen sie oft ungewöhnliche Wege:

          Die Royal Bank of Scotland beispielsweise vertreibt Kredite über Tchibo, die amerikanische Citibank will an der Frankfurter Hauptwache ein Vermögensmanagement im Stil der vornehmen Privatbanken für eine weniger betuchte Klientel aufbauen. Aber auch bei alteingesessenen Häusern sind zum Teil längst ausländische Banken eingestiegen: etwa beim Frankfurter Bankhaus Bethmann mit dem historischen Bethmannhof in der Nähe des Römer, das von der niederländischen Bank ABN Amro gekauft und umstrukturiert worden ist. Gerade hat die neugeschaffene Bank Delbrück Bethmann Maffei ein Plus von 20 Prozent und Interesse an Unternehmenszukäufen vermeldet.

          Schutz vor einer Übernahme

          Mittlerweile sollen die Auslandsbanken in Deutschland rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigen (die Hypovereinsbank nicht eingerechnet), den Großteil davon im Raum Frankfurt. 137 Mitglieder zählt der Verband der Auslandsbanken in Frankfurt, nachdem die Zahl zwischenzeitlich auf 100 zurückgegangen war. Eine verbandsinterne Umfrage bestätigte, daß die ausländischen Institute am Finanzplatz wachsen: Im vorigen Jahr sei das Geschäftsvolumen von 57 befragten Instituten um mehr als ein Viertel gestiegen, so der Verband.

          Die deutschen Großbanken, allen voran Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, argumentierten, sie benötigten als Schutz vor einer Übernahme durch eine ausländische Bank vor allem eine höhere Marktkapitalisierung - mehr Börsenwert, getreu dem Motto, daß ein größerer Fisch nicht so leicht gefressen wird. Die Citigroup, der größte amerikanische Finanzdienstleister, machte vor, wie das funktionieren kann:

          Wie aus den vorgestellten Geschäftszahlen hervorgeht, wuchs die Bank beim Ertrag im abgelaufenen Geschäftsjahr vor allem durch das globale Geschäft mit Privatkunden; die hohe Börsenkapitalisierung resultiert zu weniger als der Hälfte aus dem Investmentbanking. In Deutschland hat die amerikanische Bank gerade im großen Stil in die Neugestaltung ihrer teils sehr techniklastigen Filialen investiert - wie man in Frankfurt sehen kann.

          Deutsches Tarifsystem

          Aber nicht alles, was die Auslandsbanken anfassen, gelingt auch. Die Credit Suisse beispielsweise hatte am Eingang zur Frankfurter Freßgass' eine ungewöhnliche Filiale aufgemacht, bei der man Geschäft und Gefühl auf nie gekannte Weise miteinander verbinden wollte - allerdings wurde sie mehr für ihre Großbildleinwand als für den Kundenandrang berühmt, so daß man das Konzept offenbar still und heimlich wieder verwarf. Bekannter wurde der Fehlgriff der ING bei der Frankfurter BHF-Bank:

          Das Institut an der Bockenheimer Landstraße war mit den großen Worten übernommen worden, es solle in Deutschland das werden, was die ING in den Niederlanden sei. Seit dem Weiterverkauf an das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim ist bei den Niederländern nur noch von dem Verlust aus dieser früheren Beteiligung die Rede, den man jetzt zum Teil steuermindernd gegen die Gewinne der Diba gegenrechnen könne.

          Interessant ist, wie die ausländischen Banken sich mit dem deutschen Tarifsystem auseinandersetzen. Nachdem der Verband der Auslandsbanken sich über Jahre hinweg über zuviel Regulierung am Finanzplatz beklagt hatte, legte die ING-Diba vor gut drei Wochen einen hart verhandelten Haustarifvertrag vor. Er enthält Vergünstigungen für die Beschäftigten, die zweifellos Geld kosten, aber für ein so erfolgreiches Haus wohl zu tragen sind. Und Zugeständnisse von seiten der Gewerkschaft, vor allem bei der Arbeit an den Wochenenden und im Callcenter. Beide Seiten hoffen auf Nachahmer.

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