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Banken : Ein Glas Tee zur Riester-Rente

Deutsche Bank in Frankfurt: Bietet auch Beratung in türkischer Sprache an Bild: AP

Um die in Deutschland lebenden Türken als Kunden zu gewinnen, bieten Banken in immer mehr Filialen Beratung auf Türkisch an, von Mitarbeitern mit ähnlichem familiären Hintergrund. Das Geschäft wächst.

          3 Min.

          Wenn die junge Bankmitarbeiterin ihre Kunden bedient, wird zuerst über deren Urlaub gesprochen oder die Heimat oder über die Familie, die nicht selten ohnehin scheinbar vollzählig bei ihr im Beratungsräumchen erschienen ist. Erst mal Vertrauen aufbauen. Dazu gibt es heißen Tee aus Gläsern und Witze auf Türkisch. Aslahan Gülec arbeitet bei der Deutschen Bank. Doch obwohl sie in Deutschland geboren ist und fließend Deutsch spricht, soll sie im Umgang mit ihren Kunden möglichst türkisch auftreten. Schließlich will die Deutsche Bank hier an der Königsteiner Straße in Höchst auch „Bankamiz“ sein, „Unsere Bank“ für die vielen türkischstämmigen Einwohner des Frankfurter Stadtteils.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Filiale an der Höchster Einkaufsstraße war im Jahr 2006 eine der ersten, in denen die Deutsche Bank das Konzept Bankamiz ausprobierte. Wie in zwölf weiteren Pilot-Zweigstellen vornehmlich in Berlin und dem Ruhrgebiet gab es neben der herkömmlichen Beratung fortan auch türkische Ansprechpartner, die ihre Sprache sprachen und einen ähnlichen kulturellen und familiären Hintergrund haben wie viele der in Deutschland lebenden Türken – Menschen wie Gülec, die Tochter eines Gastarbeiters ist.

          Mit Kundenzahl zufrieden

          Das Konzept scheint aufzugehen. Seit 2006 wurde die Zahl der Bankamiz-Filialen laut eines Sprechers der Deutschen Bank auf 46 erhöht. Mehr als 100 Mitarbeiter mit türkischen Wurzeln sollen ihren Landsleuten das Gefühl von Heimat in der Schalterhalle vermitteln. In der Region gibt es das Angebot außer in Höchst noch in Offenbach, Wiesbaden und Mainz. Vor wenigen Monaten hat die zweite Frankfurter Filiale an der Berger Straße eine Bankamiz-Ecke aufgebaut.

          Auch mit der Kundenzahl zeigen sich die Deutsch-Banker zufrieden. 45.000 Männer und Frauen würden die deutsch-türkischen Angebote schon nutzen, so der Sprecher. Hinzu kämen 240.000 türkischstämmige Kunden, die die Bank bereits hatte, bevor sie Bankamiz einführte, und die auch jetzt noch bei dem Geldhaus seien.

          Türkische Werbung

          Dass die Kunden zur Deutschen Bank kommen und nicht etwa zu einer der türkischen Banken gehen, die zum Beispiel im Frankfurter Bahnhofsviertel zu finden sind, führt Gülec auch auf das Markenbewusstsein vieler Türken zurück. „Viele sind stolz darauf, dass eine deutsche Bank extra für sie einen solchen Service anbietet“, sagt sie und bezeichnet das Deutsche-Bank-Logo als Statussymbol.

          Auf Vertrauen durch ein ähnliches Lebensumfeld von Berater und Kunden, darauf setzt auch die Hannoversche GE Money Bank, die schon seit 2004 als „Halkin Bankasi“, „Die Bank des Volkes“, mit türkischer Werbung und Beratung um die Türken in Deutschland wirbt. Letztlich sei es mit ihnen nicht anders als mit Schwaben auch, erklärt eine Sprecherin: „Wenn Sie in einer Filiale in Schwaben schwäbisch reden, dann erzählen die Kunden gleich viel mehr, und es ist leichter abzuschätzen, welche Produkte für den Kunden geeignet sind.“

          Islamic Banking

          Die türkische Sprache selbst sei allerdings nicht allein entscheidend. Viele, gerade jüngere Türken würden sich auch auf Deutsch mit den Mitarbeitern unterhalten, das Vertrauensverhältnis sei dennoch ein anderes als gegenüber deutschen Beratern. Die GE Money Bank, die seit Juni zur spanischen Banco Santander gehört, bietet den Service in 32 ihrer 100 deutschen Filialen an. Von den neun Zweigstellen im Rhein-Main-Gebiet werden Kunden in Frankfurt-Höchst, Rüsselsheim und Aschaffenburg zweisprachig bedient. Wie Bankamiz hat auch Halkin Bankasi eine eigene Homepage im Internet. Zudem gibt es auch eine türkische Telefon-Hotline, auf der sich Kunden, die keine Filiale in der Nähe haben, über die Angebote informieren können.

          Die Produkte seien exakt die gleichen, die andere Kunden auch bekämen, sagt die Sprecherin. Mit Islamic Banking, bei dem die Finanzberatung und -produkte streng nach den islamischen Regeln der Scharia ausgelegt werden, die etwa Geldzinsen oder die Kapitalanlage in bestimmten Branchen verbieten, habe „Halkin Bankasi“ nichts zu tun. Das werde nicht verlangt, sagt die Sprecherin.

          Tee für jeden

          Stattdessen wollten viele, gerade junge Türken zu den gleichen Themen beraten werden wie Deutsche auch, Versicherungen und Altersvorsorge zum Beispiel. „Etwas wie die Riester-Rente ist vielen Türken gar nicht bekannt, weil sie in ihren Familien noch das Prinzip gelernt haben: Die Jungen sorgen für die Alten“, sagt die Sprecherin.

          Auch die Bankamiz der Deutschen Bank verzichtet auf islamische Grundsätze. Die Angebote seien weitgehend identisch mit jenen für die übrigen Kunden der Deutschen Bank, sagt der Sprecher, abgesehen von einigen Extras. So können die Bankamiz-Kunden fünf Mal im Jahr entgeltlos Geld in die Türkei überweisen und auf ihre Kreditkarte Istanbul-Motive oder ein Familienfoto drucken lassen. Auch die Prämien für Kunden, die neue Kunden werben, unterscheiden sich ein wenig: Neben einer Biographie über Kemal Atatürk stehen Trikots der türkischen Lieblingsfußballmannschaft – Fenerbahçe zum Beispiel oder Galatasaray – zur Auswahl.

          Indes muss freilich auch die deutsche Kundschaft nicht ganz auf anatolischen Flair am Deutsche-Bank-Schalter verzichten. Tee gibt es in den Bankamiz-Filialen für jeden.

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