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Banken : Die neuen Rekordgewinne

Die Commerzbank hat ihren Gewinn mehr als verdreifacht Bild: dpa/dpaweb

Bei den Banken sprudeln die Gewinne, der Club der Ergebnis-Milliardäre wird immer größer. Warum die Banken Milliarden verdienen, obwohl die Wirtschaft erst langsam ins Laufen kommt.

          3 Min.

          Am Finanzplatz Frankfurt herrscht Sektlaune. Heute ist Klaus-Peter Müller dran. Der kleingewachsene Reserveoffizier und Vertraute von Roland Koch darf die Zahlen seines Hauses für 2005 verkünden. Gute Zahlen, wie gestern schon zu erfahren war: Die Commerzbank hat ihren Gewinn mehr als verdreifacht - auf fast 1,2 Milliarden Euro. Die Dividende soll nun auf 50 Cent je Aktie verdoppelt werden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bank mit dem höchsten Wolkenkratzer in Frankfurt ist kein Einzelfall, die Berichtssaison des Kreditgewerbes ist längst keine Fastenzeit mehr. „Einige Institute sind wieder sehr leistungsfähig“, sagt Peter Gatti, der Vorsitzende des hessischen Bankenverbands. Klagen dagegen von der Gewerkschaft Verdi: „Trotz der guten Zahlen geht der Stellenabbau in vielen Häusern weiter.“ 15.000 Arbeitsplätze würden bis 2008 noch wegfallen, befürchten die Gewerkschafter.

          Der Club der Ergebnis-Milliardäre wird dabei immer größer. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann darf unumstritten als Branchenprimus nicht nur in Frankfurt gelten: 3,8 Milliarden Euro Jahresüberschuß - das wird ihm in Deutschland so schnell keiner nachmachen. Seit 2000 hat das größte deutsche Geldinstitut nicht mehr so viel verdient. Damals, im Ausnahmezustand des Börsenbooms, hatte Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer einmal ein Rekordergebnis von 4,95 Milliarden Euro vorgelegt.

          Gutes Abschneiden der Banken

          Doch auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken sprudeln die Gewinne wieder. Als erste Volksbank in Deutschland hat das Frankfurter Institut unter Hans-Joachim Tonnellier mehr als 100 Millionen Euro nach Steuern verdient. Und auch das Institut in der Nachbarstadt Wiesbaden lieferte ein respektables Ergebnis. Ihre große Schwester, die DZ Bank in Frankfurt, wird am Freitag die Bilanz vorstellen, und schon gestern verriet der scheidende Vorstandsvorsitzende Ulrich Brixner: Das Ergebnis ist um 25 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro geklettert. Eine respektable Abschiedsbilanz für Brixner - es soll das beste Ergebnis nach Risikovorsorge in der Geschichte der Bank sein, die im Jahr 2001 mit der Fusion von DG Bank und GZ-Bank begonnen hatte. Die Dividende soll um 63 Prozent auf zehn Cent je Aktie steigen.

          Doch auch ganz kleine Banken können gute Ergebnisse vorweisen - etwa die Volksbank im Frankfurter Stadtteil Griesheim. Die Zwergbank wirbt so aggressiv für ihre direktbankartigen Angebote im Internet, daß andere Volksbanken nicht richtig gut auf sie zu sprechen sind. Beim Ergebnis erzielte sie einen Rekord: Von 1,7 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme könnten andere nur träumen, meinten die Vorstände Norbert Lauer und Armin Papst.

          Die Gründe für das gute Abschneiden der Banken sind je nach Typ des Instituts unterschiedlich, sie bestehen aber im wesentlichen aus zwei Komponenten: Auf der einen Seite haben die Banken ihre Kosten erheblich verringert. Der Stellenabbau, der zunächst durch hohe Abfindungen das Ergebnis belastetet, hat auf Dauer zu niedrigeren Personalaufwendungen geführt. Fusionen und Auslagerungen, etwa von Informationstechnologie-Abteilungen oder Routinetätigkeiten, haben ebenfalls beim Sparen geholfen.

          Geschäfte mit Provisionserträgen

          Auf der anderen Seite berichten viele Banken jedoch auch von höheren Erträgen. Die Deutsche Bank hat vor allem im Ausland zugelegt, etwa im Investmentbanking, und dabei sicherlich von der guten Weltkonjunktur profitiert. Bei den anderen Instituten, die sich stärker auf das deutsche Geschäft konzentriert haben, sind zwar überwiegend die Zinserträge aus dem Leihen und Verleihen von Geld nicht oder nur wenig gestiegen. Dagegen konnte man offensichtlich gute Geschäfte mit Provisionserträgen machen. Ob es Immobilienfinanzierungen waren, Bausparverträge, Riester-Renten oder Wertpapiere: Viele Banken berichten auf diesen Geschäftsfeldern von deutlichen Zuwächsen, die allerdings nicht ohne Vertriebsaufwand zu haben gewesen seien.

          Die Banken mit Filialen behaupten sogar, sie hätten in beachtlichem Maße Geschäft von den Direktbanken zurückgeholt - weil nach der „Geiz ist geil“-Phase bei den Kunden nun anspruchsvolle Beratung wieder gefragt sei. Ob das stimmt, wird die Bilanz von Direktbank-Marktführer ING-Diba am 22. Februar zeigen. Der Diba wird prophezeit, sie werde mit ihrem Geschäftsmodell Schwierigkeiten bekommen, wenn die Zinsen weiter stiegen. Große Mengen Tagesgeld einzusammeln und es in Portugal in Staatsanleihen anzulegen werde dann nicht mehr funktionieren. Diba-Chef Ben Tellings hat sich von solchen Aussagen bisher allerdings nicht irritieren lassen - er hält den Zinssatz für Tagesgeld bei 2,25 Prozent stabil.

          Tarifverhandlungen

          Für das Umfeld des Finanzplatzes hat der neue Geldsegen erhebliche Auswirkungen. Schon hört man aus der Gewerkschaft Verdi, bei den Tarifverhandlungen für die Finanzbranche wolle man einen „kräftigen Schluck aus der Pulle“ - die Rede ist von vier bis fünf Prozent mehr Lohn. Schließlich gehe es der Bankenbranche derzeit ähnlich gut wie der Metallindustrie. Personalberater sehen für bestimmte Gruppen von Bankbeschäftigten sogar schon fast so etwas wie einen Facharbeitermangel heraufziehen.

          Die Immobilienbranche berichtet unterdessen, es sei nicht mehr ganz so schwer wie vor einem Jahr, leerstehende Hochhausetagen in Frankfurt zu vermieten. Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte verdienen wieder mehr und stellen junge Mitarbeiter ein. Und auch das Gewerbesteueraufkommen in Frankfurt, ein Indikator für die Gesamtsituation der Wirtschaft in der Stadt, soll für 2005 abermals die Milliardengrenze überschritten haben, Tendenz steigend.

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