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Bad Vilbel : Die Kronia-Quelle wird zum Jahresende versiegen

  • Aktualisiert am

Bald keine Kästen mehr: Das Ende der Kronia-Quelle ist beschlossen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Aufschwung der Einwegflaschen und seine Folgen: Nun wird auch die Kronia-Quelle stillgelegt. In der Wetterau bleibt nur Hassia übrig.

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          Der Getränkehersteller Hassia Mineralquellen wird das im Sommer übernommene Unternehmen Kronia-Quelle schließen. Der Betrieb werde zum Jahresende stillgelegt, teilte am Mittwoch Hassia-Marketinggeschäftsführer Ullrich Schweitzer mit. Von der Betriebsschließung seien 44 Mitarbeiter betroffen. Die Geschäftsführung habe schon Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen, um einen Interessenausgleich auszuhandeln.

          Als Grund für die Stilllegung des 1911 von Georg Friedrich Kroner gegründeten Familienbetriebs nannte Schweitzer die schwachen Erlöse der Mineralwassermarken Kronia, K 3, Mönchsbrunnen und Riedquelle. Zudem bestehe ein „erheblicher Investitionsstau“, und das Betriebsergebnis in dem übernommenen Unternehmen sei negativ. „Der Sanierungsfall war nicht zu sanieren“, sagte Schweitzer.

          Anhaltender Preiswettbewerb

          Hassia hatte nach der Übernahme des letzten lokalen Konkurrenten am Stammsitz in Bad Vilbel zum 1. September die Unternehmensstruktur der Kronia-Quelle und die Geschäftsentwicklung der Marken bis Ende Oktober geprüft. Die bisherige Kronia-Inhaberfamilie Saur war aus dem Unternehmen ausgeschieden. Über den Kaufpreis hatten beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

          Auch Gespräche mit den Handelskunden der Kronia-Marken haben Schweitzer zufolge zu keiner besseren Einschätzung geführt. Der anhaltende Preiswettbewerb und der weiter steigende Anteil von Einwegflaschen hätte nach seinen Worten die in Mehrwegflaschen abgefüllten Kronia-Marken weiter geschwächt. Daher habe sich Hassia entschieden, den Betrieb der Kronia-Quelle stillzulegen. Schon Anfang September habe die Geschäftsleitung angesichts der Verluste des Unternehmens der Belegschaft der Kronia-Quelle angekündigt, im Falle eines Arbeitsplatzverlustes mit einem Sozialplan für eine „angemessene Entschädigung“ zu sorgen.

          Mineralwasserreichtum Bad Vilbels

          Mit der Schließung des Betriebs sollen alle Vermögensgegenstände wie Anlagen und Betriebsmittel verkauft und nicht von Hassia übernommen werden. Nur die Marken der Kronia-Quelle werden von Hassia erworben und künftig mit Mineralwasser aus eigenen Quellen mit vergleichbarer Mineralisierung befüllt. Allerdings will Hassia die Getränke in eigenen Flaschen abfüllen, so dass es auch für den Verbraucher „visuelle Veränderungen“ geben werde. Wie Schweitzer weiter mitteilte, hat mit der Entscheidung der früheren Gesellschafterfamilie Saur, sich von ihrem Unternehmen zu trennen, für Hassia die Notwendigkeit bestanden, den Betrieb zu erwerben, „um negative Einflüsse auf das Markenimage für das Bad Vilbeler Mineralwasser in Zukunft auszuschließen“.

          Der Mineralwasserreichtum Bad Vilbels hängt nach Darstellung von Konrad Schneider, dem stellvertretenden Leiter des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte, mit der günstigen geologischen Situation zusammen. So weise der „Vilbeler Horst“ mit seinen vielen Spalten eine große Häufung von Mineralquellen zu beiden Seiten der Nidda auf. Die Vilbeler Mineralwässer seien alkalische Säuerlinge, die heute in erster Linie als Tafelwässer und als Grundstoff für Erfrischungsgetränke geschätzt würden, schreibt Schneider im jüngsten Band der Wetterauer Geschichtsblätter in seinem Beitrag „Mineralquellen der Wetterau - eine historische Topographie“.

          Zukunft der Kronia-Immobilien noch ungewiss

          Vor achtzig Jahren waren nach Recherchen Schneiders im hessischen Sprudelzentrum noch 29 Mineralbrunnen in Betrieb. Nach dem Erwerb der Kronia-Quelle im Herbst ist nun nur noch der Branchenriese Hassia übrig geblieben. Bereits vor zwei Jahre war die Astra-Quelle versiegt. Und weiter nördlich, in Friedberg-Dorheim, musste Ende Mai die Bad Nauheimer Mineralquellen GmbH ihren Betrieb einstellen. Von der Stilllegung des Betriebs waren 29 Menschen in der Produktion und 18 in der Verwaltung des Familienunternehmens betroffen.

          Begründet wurde die Betriebsschließung wie jetzt auch im Fall Kronia mit erheblichen Absatzrückgängen bei den Mehrwegflaschen. Zuletzt fiel auch noch ein Großkunde bei Einwegflaschen weg.

          Zur Zukunft der Kronia-Immobilien konnte Schweitzer am Mittwoch noch keine Angaben machen. Anders sieht es hingegen mit einem weiteren ehemaligen Wetterauer Mineralquellenbetrieb aus, der schon vor rund acht Jahren in Wölfersheim-Berstadt schließen musste. Anfang übernächster Woche soll vor dem Amtsgericht in Friedberg die Zwangsversteigerung von zwei Grundstücken erfolgen, auf denen sich auch die Kreuzquelle befindet. Nachdem die Grundstücke inklusive der Quelle, einer halb- und vollautomatischen Abfüllanlage, Lagerhalle und einem Wohnhaus vom Besitzer zuletzt noch für dreieinhalb Millionen Euro angeboten worden waren, beziffert das Friedberger Amtsgericht inzwischen den Wert gut zwei Millionen Euro. Das vorerst letzte Kapitel der Kreuzquelle wird am übernächsten Montag um 10 Uhr im Friedberger Amtsgericht geschrieben.

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