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Autozulieferer kürzt Stellen : Valeo will jeden Vierten entlassen

  • -Aktualisiert am

Wolken über Friedrichsdorf: Valeo streicht in Deutschland Stellen. Bild: Finn Winkler

Der Autozulieferer Valeo mit Sitz in Paris plant im Taunus den Abbau von 150 Stellen – in Frankreich dagegen verzichtet er darauf. In Deutschland hat das Unternehmen 8000 Beschäftigte.

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          Bei der Übernahme vor vier Jahren war das gegenseitige Lob noch groß: Er kaufe das Familienunternehmen Peiker Acustic in Friedrichsdorf vor allem wegen der Mitarbeiter, sagte damals Jacques Aschenbroich, Konzernchef des französischen Autozulieferers Valeo. Der damalige Firmenchef Andreas Peiker sagte, er habe den Betrieb mit 600 Beschäftigten an Valeo verkauft, „weil dort ein sehr humanes, auf den Menschen bezogenes Denken vorhanden ist“.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vier Jahre, eine Corona-Krise und einen Strukturwandel später klingen die Töne aus Paris deutlich anders. 150 Stellen plant der Zuliefererkonzern nun bei seinem Tochterunternehmen in Friedrichsdorf abzubauen, das ist fast jede vierte. „Wir machen uns große Sorgen um den Standort“, kommentierte der Frankfurter IG-Metall-Bevollmächtigte Michael Erhardt diese Ankündigung. Über Details und Zeitpläne wollen Vertreter des Managements mit Gewerkschaftern und Betriebsräten am Freitag sprechen. Die Beschäftigten waren vergangene Woche über den geplanten Stellenabbau informiert worden.

          Peiker Acustic wurde 1946 gegründet, war ursprünglich als Mikrofonhersteller und später als Zulieferer von Freisprechtechnik und Multimediasystemen groß geworden. Peiker schmückt sich etwa damit, als eines der ersten Unternehmen die Übertragungstechnik Bluetooth in Freisprecheinrichtungen oder auch als Erster Apples MP3-Player iPod in das Auto integriert zu haben. Die Einbindung von Internetangeboten, W-Lan, standortbasierten Diensten und des automatischen Notrufs E-Call in das Auto ist für Hersteller und Autokäufer immer wichtiger geworden. Bis zur Übernahme 2015 konnte der Umsatz des Friedrichsdorfer Unternehmens auf 325 Millionen Euro im Jahr gesteigert werden.

          Keine Entlassungen in Frankreich

          Valeo mit Hauptsitz in Paris gehört zu den größeren Zulieferkonzernen, sein Jahresumsatz von knapp 20 Milliarden Euro ist fast so hoch wie der Umsatz der Automotive-Sparte von Continental. Wie andere Zulieferer wurde Valeo von den Folgen der Covid-Pandemie hart getroffen. Für das erste Halbjahr hatte das Börsenunternehmen einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vermeldet, der Absatz sank um 28 Prozent.

          Im Gegensatz zu dem deutschen Zulieferer Continental, der mehrere tausend Stellen allein an den hessischen Standorten Frankfurt, Schwalbach, Karben und Babenhausen streichen will, hat Valeo dennoch angekündigt, in seinem Heimatland auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Ende September einigte sich die Konzernleitung mit den französischen Gewerkschaften nach acht Verhandlungsrunden auf einen „Wettbewerbspakt“ für seine 15.500 Mitarbeiter in Frankreich. Darin habe sich Valeo verpflichtet, „in den nächsten zwei Jahren keine Standortschließungen und Entlassungen in Frankreich vorzunehmen“, wie es anschließend hieß.

          Für die acht deutschen Standorte mit insgesamt 8000 Beschäftigten gilt diese Zusage von Konzernchef Aschenbroich aber offenbar nicht.

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