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Automobilbranche : Auf Sicht fahren

  • -Aktualisiert am

Der Opel Insignia verkauft sich gut - totzdem verzeichnet Opel/Vauxhall ein Minus von 17,6 Prozent im ersten Halbjahr 2009 Bild: AP

Die Automobilbranche der Rhein-Main-Region steht vor der 63. IAA in Frankfurt uneinheitlich da. Einige Zulieferer verbuchen steigende Aufträge, anderswo droht wieder Kurzarbeit.

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          Im Jahr der Abwrackprämie dürften viele Autozulieferer aus dem Rhein-Main-Gebiet mit gemischten Gefühlen auf die Internationale Automobil-Ausstellung blicken. Einerseits kommt vieles in und an den Autos aus einem der Werke im Rhein-Main-Gebiet. Etwa Bremssysteme von Continental in Frankfurt, Freisprechanlagen von Peiker Acustic in Friedrichsdorf oder Hochleistungsreifen von Goodyear Dunlop in Hanau oder von Pirelli in Breuberg. Andererseits verkaufen sich in diesem Jahr viele Fahrzeuge, für die solche Teile bestimmt sind, sehr viel schlechter als vor Jahresfrist.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Daimler beklagt ein Minus von 18,6 Prozent im ersten Halbjahr, während BMW 22,3 Prozent weniger Wagen abgesetzt hat und Opel/Vauxhall 17,6 Prozent – trotz des erfolgreichen Mittelklasseneulings Insignia und der Abwrackprämie. Ohne die Volkswagen-Gruppe, die auch dank der Tochter Skoda mit Deutschland-Sitz in Darmstadt gewachsen ist, sähen die Absatzzahlen viel trüber aus.

          Viele Firmen nutzen Kurzarbeit

          Der Umsatz der hessischen Automobilbranche einschließlich Opel im ersten Halbjahr ist nicht so schwach wie die Verkäufe der Oberklassewagen, aber auch nicht so gut wie die Absatzbilanz der Wolfsburger: Für das erste Halbjahr steht ein Minus von 13,6 Prozent zu Buche. Vor diesem Hintergrund und den vorliegenden Beschäftigtenzahlen in der regionalen Autobranche scheint dieser tragende Pfeiler der Industrie in Hessen bisher recht glimpflich durch die Krise gekommen zu sein. Zwar sind der Rezession schon bisher Arbeitsplätze zum Opfer gefallen, unter anderem 200 bei Federal Mogul in Wiesbaden, oder werden noch abgebaut, wie bei Dunlop oder beim Lenkradhersteller Takata-Petri am Bayerischen Untermain. Doch mutet die Gesamtzahl angesichts der annähernd 50.000 Arbeitsplätze in dieser Branche in Hessen überschaubar an – der von vielen Firmen genutzten Kurzarbeit sei Dank.

          Dessen ungeachtet zählt Opel im Vergleich zur IAA 2007 derzeit rund 3.000 Stellen weniger, die seitdem nach und nach abgebaut wurden. Dies geschah im Zuge von Altersteilzeit-Programmen. Leiharbeiter, die andernorts zuerst nach Hause geschickt würden, gab es in Rüsselsheim dagegen nicht. 2005 trennte sich Opel von etwa 4.500 Mitarbeitern, die jeweils mit Abfindungen entschädigt wurden.

          Absatzplus von 60 Prozent

          Nach einer möglichen Übernahme durch das Konsortium um den österreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna werden noch einmal rund 4.000 Stellen alleine in Deutschland gestrichen werden, wie Magna-Vorstand Siegfried Wolf in Frankfurt äußerte.

          Keine Veränderungen des Personalbestands seit 2007 gab es hingegen bei dem tschechischen Automobilhersteller Skoda in Weiterstadt. Allerdings ist hier nicht die Produktion angesiedelt, sondern der Vertrieb. Einem Sprecher zufolge ist man mit der Belegschaft von 250 Mitarbeitern in Zeiten der Abwrackprämie an die Grenzen des Machbaren gestoßen. Der tschechische Hersteller profitierte nach eigener Darstellung stark von der Umweltprämie. In Weiterstadt wird mit einem Absatzplus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gerechnet. Während man 2008 im ganzen Jahr 121.000 Autos verkauft habe, hätten 2009 bis August 130.000 Wagen die Werke verlassen, hieß es. „Das lässt uns positiv ins kommende Jahr blicken“, sagte ein Sprecher.

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