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Verkehrspolitik : Automobil-Präsident beklagt Investitionsstau in Rhein-Main

  • -Aktualisiert am

„Wir müssen sehr viel mehr tun”: Matthias Wissmann Bild: AP

Mehr Geld für den Straßen- und Schienenbau fordert der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, von der Bundesregierung. Besonders Hessen benötige mehr Mittel für die Investitionen in die Infrastruktur.

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          In die Straßen im Rhein-Main-Gebiet und in anderen Ballungszentren Westdeutschlands ist nach Meinung von Matthias Wissmann in den vergangenen Jahren viel zu wenig investiert worden. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie hat deshalb auf der Internationalen Automobilausstellung gemeinsam mit Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) die Bundesregierung aufgefordert, deutlich mehr Geld für den Straßen- und Schienenbau in den Bundeshaushalt einzustellen.

          Gegenüber den neunziger Jahren sei der Etat für Bundesfernstraßen in den Jahren nach 2000 bis heute um real ein Drittel gesunken, sagte Wissmann. Nach der deutschen Vereinigung habe man sich bei den Straßenbau-Investitionen notwendigerweise auf die neuen Länder konzentrieren müssen, doch jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, an dem Ballungsräume wie die Rhein-Main-Region wieder stärker berücksichtigt werden müssten. Zwölf Milliarden Liter Kraftstoff würden im Jahr wegen Staus und stockendem Verkehr vergeudet, 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid dadurch zusätzlich in die Luft geblasen.

          Rhiel fehlt Geld für Lückenschluss auf der A 49

          Der Autoverkehr werde bis 2015 um 20 Prozent steigen, der Speditionsverkehr sogar um 60 Prozent, zitierte Verkehrsminister Rhiel neueste Prognosen. Hessen mit der deutschlandweit größten Dichte von Fahrzeugen auf den Autobahnen stehe vor einer besonders großen Herausforderung und benötige mehr Mittel für die Investitionen in seine Infrastruktur. „Wir müssen sehr viel mehr tun.“

          Der Minister bemängelte, dass bundesweit von den 60 Milliarden Euro Einnahmen aus Verkehrssteuern und Maut nur 13 Milliarden wieder in den Verkehr flössen. Die hessische Landesregierung versuche durch eine Initiative im Bundesrat zu bewirken, dass die Erträge aus der Lastwagen-Maut künftig nur für Verkehrsvorhaben ausgegeben werden dürften.

          Rhiel bestätigte, dass er den Planfeststellungsbeschluss für den Teilabschnitt der A 49 zwischen Neuental und Schwalmstadt demnächst unterzeichnen werde. Diese Autobahn, mit deren Bau 1964 begonnen wurde, endet seit vielen Jahren auf halbem Weg nach Neuental im Schwalm-Eder-Kreis in einer Landstraße. Allerdings fehlen Rhiel immer noch jene 183 Millionen Euro, die nötig wären, um die Lücke zu schließen. Deshalb hat er Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) aufgefordert, innerhalb der nächsten Wochen eine Finanzierungszusage zu geben. Im Interesse der Wirtschaft und der vielen Anwohner werde das Geld dringend gebraucht.

          Automobilindustrie sucht Ingenieure

          Sorgen macht dem Automobil-Präsidenten Wissmann der Mangel an Ingenieurstudenten. Die deutsche Automobilindustrie habe in den vergangenen sieben Monaten 6000 Akademiker zusätzlich eingestellt. Es falle ihr aber immer schwerer, die Stellen mit qualifizierten Kräften zu besetzen. In einer Werbeaktion versuche sein Verband jetzt, Schüler für die Naturwissenschaften zu interessieren. An Rhiel gewandt, verlangte Wissmann, dass die Politik eine stärkere Einwanderung von qualifizierten Kräften aus dem Ausland erlauben müsse.

          Der hessische Automobilbauer Opel kann allerdings seinen Bedarf an Ingenieuren noch decken. Nach Angaben von Hans Demant, dem Vorsitzenden der Opel-Geschäftsführung, fällt es seinem Unternehmen bisher nur schwer, IT-Fachleute zu bekommen. „Wir stellen ein“, sagte Demant. Opel sei ein gesuchter Arbeitgeber für Hochqualifizierte, weil das Rhein-Main-Gebiet nicht zuletzt wegen des Flughafens als eine attraktive Region angesehen werde.

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