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Autohändler : Satte Rabatte beim Neuwagenkauf

  • -Aktualisiert am

Neuwagen: Rabatte zum Jahresende Bild: dpa

Wegen der Absatzkrise auf dem Automarkt sind die Händler zu hohen Abschlägen bereit. Probeverhandlungen zeigen: Mancher gewährt sogar 23 Prozent Nachlass. Aber auch ohne Finanzkrise geben die Autohändler gerade gegen Jahresende vermehrt Rabatte.

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          Selbstbewusst wirken sie noch immer, die großen Autohäuser an den Ausfallstraßen. Unter prächtiger Weihnachtsbeleuchtung präsentieren sie ihre blankpolierten Neuwagen wie moderne Kunstwerke. Und doch sind diese Orte Schauplatz der Krise. Wenn sich die Konjunkturflaute irgendwo besichtigen lässt, dann in den Autohäusern. Um fast 18 Prozent sei der deutsche Automarkt im November unter das Vorjahresniveau gefallen, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt in der vergangenen Woche mit. Wie stehen also die Aussichten auf einen kräftigen Preisnachlass für einen Kunden, der entschlossen ist, gerade in diesen Zeiten einen Neuwagen zu bestellen?

          Bei Opel muss der Interessent gar nicht erst nach einem Rabatt fragen. Ganz selbstverständlich kommt der Verkäufer nach Festlegung von Wagenfarbe und Ausstattung auf die Möglichkeiten zu sprechen, den Preis zu senken. Mit Klimaanlage und CD-Spieler leidlich aufgerüstet, würde der Corsa laut Liste 15.660 Euro kosten. „Ich könnte Ihnen den Wagen als Tageszulassung für 12.600 Euro anbieten“, sagt der Verkäufer nach einem kurzen Blick auf seinen Computer. Bei einer Tageszulassung handelt es sich um ein Verfahren, bei dem der Händler das Auto für einen Tag formal anmeldet – ohne die Absicht allerdings, damit zu fahren.

          Winterräder umsonst

          Zu beachten ist dabei, dass die Gewährleistungsfrist auf Neufahrzeuge mit dem Tag der ersten Zulassung beginnt und diese Schnäppchen oft einige Monate auf dem Hof stehen. Der Corsa würde indes erst kurz vor der Übergabe zugelassen und böte somit alle Annehmlichkeiten eines Neuwagens. Opel verkauft nach Angaben des Center for Automotive Research der Fachhochschule Gelsenkirchen mittlerweile 40 Prozent seiner Neuwagen als Tageszulassung. Auch hartnäckige Verhandlungsversuche in den folgenden Tagen können den Preis nicht mehr weit nach unten drücken. Bei 12.000 Euro ist die Großzügigkeit des Verkäufers ausgereizt. Das sind aber auch mehr als 23 Prozent Rabatt. Dabei ist der Corsa wahrlich kein Ladenhüter. Seit der Einführung des neuen Modells vor gut zwei Jahren ist er einer der beliebtesten Kleinwagen Deutschlands.

          Bei BMW ist das Ambiente luxuriöser. Einladend stehen schicke Ledersofas bereit. Die Preisfindung ist jedoch eine ähnliche wie bei Opel. 36.529 Euro nennt der Computer als Preis für den gut ausgestatteten 320d. Der junge Mann hinter seinem leeren Schreibtisch kommt gleich zur Sache. „Dann wollen wir mal sehen, was ich Ihnen für ein Angebot machen kann“, sagt er, ebenfalls unaufgefordert. „Selbstverständlich würde ich Ihnen den Wagen gerne auch zum Listenpreis bestellen, aber da würde ich mich doch sehr wundern. Und Sie wären auch eine ganz, ganz große Ausnahme.“ In dem einen Jahr, das er nun hier arbeite, habe er noch nicht erlebt, dass jemand den vollen Preis für einen BMW bezahlt habe, sagt er. Den Listenpreis auf dem Computer-Ausdruck streicht er durch und schreibt handschriftlich den neuen Betrag darunter: 31.795 Euro. Dazu noch vier Winterräder, also Reifen auf Felgen. Der Satz zum Abschied, „bitte melden Sie sich, bevor Sie irgendetwas entscheiden“, lässt sich als Aufforderung zum Nachverhandeln auffassen. Doch ähnlich wie bei Opel ist der Spielraum schon fast aufgebraucht. Bis 31.000 Euro lässt der Verkäufer noch mit sich reden, dann ist Schluss. Auf immerhin 15 Prozent plus rund 800 Euro für die Winterräder beliefe sich damit die Ersparnis.

          Verkaufsquoten hochtreiben

          Der Sportwagenhersteller Porsche steht in dem Ruf, mit Rabatten sehr zurückhaltend umzugehen. Porsche und Sonderangebote, das passt einfach nicht zusammen. Doch die Dame, die sich auf Ihrer Visitenkarte als Porsche-Exklusiv-Verkäuferin ausweist, zeigt sich entgegenkommend. Ein dezenter Hinweis auf das begrenzte Budget reicht, um sie rechnen zu lassen. Ein schwarzer Boxster mit allerlei Extras kommt auf einen Endpreis von 49.741,95 Euro. Das „attraktive Angebot“ der Verkäuferin lautet 46.300 Euro. „Dafür haben Sie dann aber auch ein tolles Auto mit einer super Ausstattung“, sagt sie – und dazu auch noch fast sieben Prozent gespart. Im Übrigen könne man von einer Krise bei Porsche nicht sprechen. Der Panamera, das neue viertürige Modell aus Zuffenhausen, sei bereits bis in das Jahr 2011 hinein ausverkauft.

          Egal, welchen Händler man derzeit aufsucht, das Verkaufsgespräch läuft ähnlich ab. So selbstverständlich wie die Fragen nach Farbe und Ausstattung kommt bald das Angebot mit einem freiwillig eingeräumten Rabatt auf den Listenpreis. Dem Schüchternen wird so die Scham erspart, ein Verhandlungsgespräch zu beginnen. So waren auch die Erfahrungen bei Toyota, dort gab es den Auris ohne weiteres mit mehr als 17 Prozent Abschlag. Bei Volkswagen wurde der neue Passat CC mit einem Rabatt von fast 16 Prozent angeboten. Steigern lassen sich diese Zahlen noch durch ausgiebiges Ankreuzen auf den Ausstattungslisten. In den Preisen für Ledersitze, einen CD-Spieler oder eine Einparkhilfe sind höhere Margen und somit größere Verhandlungsspielräume für den Autohändler enthalten als in dem Preis für das Auto mit Basisausstattung. So zahlt der Käufer zwar schließlich doch mehr, dies aber in dem guten Gefühl, dass ihm auch allerhand erlassen wurde. Durch die Wahl eines der diversen Ausstattungspakete oder eines Sondermodells lässt sich dieser Effekt oft auch schon ohne Verhandlung erzielen. Gerade gegen Jahresende sind die Händler vermehrt zu Preisnachlässen bereit, da sie kurz vor Toresschluss noch ihre von den Herstellern prämierten Verkaufsquoten hochtreiben wollen.

          Schnäppchen

          Das Gerede über die Konjunkturkrise und den Einbruch bei Autoverkäufen könnte den Händlern letztlich noch zum Vorteil gereichen, behauptet jedenfalls der freundliche junge Mann von BMW. „Zurzeit kommen wahnsinnig viele Kunden, die hoffen, wegen der Krise ein Schnäppchen machen zu können. Dadurch ist hier manchmal mehr los als vor ein paar Monaten.“

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