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Führungskräfte in Corona-Krise : „Keine Zeit für Schönwetter-Kapitäne“

Sieht die Etikette als zentrales Auswahlkriterium: Headhunter Jörg Kasten Bild: privat

In schwierigen Zeiten brauchen Unternehmen starke Führungskräfte. Doch gute Krisenmanager sind schwer zu finden, sagt Headhunter Jörg Kasten von der Frankfurter Personalberatung Boyden.

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          Sie suchen für Unternehmen nach Top-Führungspersonal, auch im Rhein-Main-Gebiet. Welche Persönlichkeiten werden in Krisenzeiten wie diesen von Headhuntern gebraucht?

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ich habe in den vergangenen Wochen viele Telefonate geführt, in denen Manager ihr Leid darüber geklagt haben, dass sie von ihren Führungskräften derzeit maßlos enttäuscht sind. Nach vielen Jahren, in denen es wirtschaftlich in den meisten Betrieben aufwärtsging, zeigt sich, wer auch in schweren Zeiten anpackt und mit der Situation angemessen umzugehen weiß.

          Das heißt, es gibt zu viele Chefs, die nur führen können, wenn es gut läuft?

          Es sieht so aus. Aber die Zeit für Schönwetter-Kapitäne ist vorbei, denn viele Unternehmen befinden sich im Krisenmodus. Leider gibt es in etlichen Firmen Chefs, die mit schlechten Nachrichten nicht umgehen können.

          Könnte das auch eine Chance für gute Krisenmanager sein, sich in Unternehmen jetzt weiterzuentwickeln?

          Viele Chefs verschließen derzeit die Augen vor der Wahrheit, andere malen schwarz und behaupten, die Krise werde uns noch jahrelang beschäftigen. Ich habe viele Führungskräfte, die ich bisher eher als Sonnyboys erlebt habe, zuletzt als äußerst pessimistisch wahrgenommen.

          Welcher Typ ist stattdessen an der Spitze von Unternehmen gefragt?

          Wir brauchen derzeit Leute, die unaufgeregt mit einer Krise umgehen können, die klar und transparent kommunizieren und die sich auch vor harten Maßnahmen nicht scheuen, diese aber auch gut begründen und umsetzen können. Es geht darum, nun mit Augenmaß auszuloten, welche Möglichkeiten man hat. Das nennt man Ambiguitätstoleranz.

          Liegt Ihr eigenes Geschäft als Personalberater derzeit brach, weil wegen der Corona-Krise viele Betriebe eher Stellen ab- als aufbauen müssen?

          In der Tat liegen viele unserer Mandate derzeit auf Eis, weil die Kunden andere Sorgen haben, als auf Top-Level Personal zu rekrutieren. Aber ganz auf null geht unser Geschäft nie runter. Bei Versicherungen zum Beispiel geht es derzeit drunter und drüber, aus dieser Branche haben wir zuletzt viele Aufträge bekommen. Unser Geschäft läuft also weiter, aber unter erschwerten Bedingungen. Und viele Führungskräfte, die wir ansprechen, haben derzeit auch gar nicht den Kopf frei für Verhandlungen über eine neue Position.

          Also bleiben Stellen in Firmen derzeit wegen der Corona-Pandemie auch unbesetzt?

          Manch ein Kandidat hat sich zuletzt sogar wieder von einer Zusage zu einer neuen Stelle zurückgezogen, weil er nicht in einer so schwierigen Situation wie der Corona-Krise kündigen wollte. Und viele Betriebe befinden sich derzeit nun mal in unangenehmen Situationen. Außerdem fürchten viele Bewerber natürlich die Unsicherheit, die wegen dieser Pandemie bei einem neuen Arbeitgeber auf sie zukommt.

          Schieben Firmen die Suche nach Führungskräften deshalb auf?

          Keine Firma stellt einen Manager ein, der vielleicht 500.000 oder 600.000 Euro im Jahr verdient, ohne ihn oder sie mal persönlich getroffen zu haben. Da können Sie zehn Skype-Interviews geführt haben, das kann ein persönliches Gespräch Auge in Auge niemals ersetzen. Und ich würde umgekehrt auch jedem Kandidaten abraten, einen neuen Job anzutreten, ohne einmal physisch in der Firma gewesen zu sein.

          Aber ein Skype-Interview ist besser als nichts.

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