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Auch im Zeitalter des Internets Zukunft : Messe Frankfurt will stärker auf Technik setzen

Blick in die Zukunft: Frankfurter Messechef Wolgang Marzin. Bild: DPA

Der Schwerpunkt der Messe Frankfurt liegt auf Konsumgütern. Der neue Messechef Wolfgang Marzin setzt nun auf neue technische Messen.

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          Die Messe Frankfurt GmbH will das Geschäft an ihrem Unternehmenssitz ausbauen. „Wir müssen uns hier etwas einfallen lassen“, sagte Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung, gestern bei einem Besuch in der Redaktion dieser Zeitung zu den Perspektiven für das Frankfurter Messegelände. „Wir haben noch Luft.“ Der neue Messechef setzt dabei vor allem auf technische Messen. Als Beispiel für ein neues Thema nannte Marzin die Sicherheitsbranche. Unter der Marke Intersec organisiert das Unternehmen sechs Fachmessen im Ausland, unter anderem in Dubai und Buenos Aires. Marzin deutete an, mittelfristig könne er sich solch eine Schau auch in Frankfurt vorstellen. Die führende Sicherheitsmesse in Deutschland ist die Security in Essen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Bei neuen Messen gehe es sowohl um eigene Entwicklungen wie auch um den Zukauf von Veranstaltungen, erläuterte der seit dem 1. April amtierende Messechef. Er zeigte sich sicher, dass Messen auch im Zeitalter des Internets eine Zukunft hätten, allemal für „erklärungsbedürftige Produkte“. Einen Heizkessel oder eine Siebdruckmaschine müsse der Käufer sehen, eine Beschreibung im Internet reiche nicht.

          Auch weiterhin Auslandsmessen

          Mit der stärkeren Fokussierung auf Frankfurt und auf technische Messen ändert Marzin den Kurs der Geschäftsführung der vergangenen Jahre. Das Unternehmen, das zu 60 Prozent der Stadt Frankfurt und zu 40 Prozent dem Land Hessen gehört, war in den vergangenen Jahren praktisch nur noch im Ausland gewachsen. In China ist es inzwischen der wichtigste ausländische Messeveranstalter. In Frankfurt stagnierten hingegen die Umsätze. Mehrere Konsumgütermessen gerieten in Schwierigkeiten, allen voran die Herbstmesse, die als Tendence firmiert. Der Schwerpunkt der Messe Frankfurt liegt seit altersher auf Konsumgütermessen, wiewohl auch technische Veranstaltungen zum Portfolio zählen, so die Automechanika für Zulieferer der Automobilbranche.

          Neu wäre es auch, würden zunächst im Ausland organisierte Messen erst später auch in Frankfurt veranstaltet, wie es Marzin für die Sicherheitsschau andeutet. Bisher wurden umgekehrt nach Frankfurter Vorbild Messen im Ausland veranstaltet. Die Automechanika zum Beispiel findet inzwischen in 13 Ländern statt, unter anderem in Istanbul und Schanghai. Marzin bekräftigte, auch weiterhin werde die Messe ihren Kunden, also den ausstellenden Unternehmen, folgen. Auslandsmessen dienten auch dem Geschäft in Frankfurt, weil sie den Veranstaltungen am Unternehmenssitz Aussteller und Besucher zuführten. Das Unternehmen sei jedoch mit begrenztem Risiko im Ausland tätig, da es anderswo niemals Liegenschaften erworben habe.

          Privatisierung steht nicht auf der Tagesordnung

          Die Messe Frankfurt sei das erfolgreichste Unternehmen der Branche in Deutschland, hob der Messechef hervor. So sei die Frühjahrsmesse Ambiente die Weltleitmesse für Konsumgüter. Das gelte auch für die Light and Building. „Messe ist ein Mannschaftssport“, sagte Marzin weiter. „Wir haben eine extrem gute Mannschaft“, die überdies hochmotiviert sei.

          Eine Privatisierung der Messe Frankfurt steht Marzin zufolge für die beiden Anteilseigner nicht auf der Tagesordnung. „Deshalb mache ich mir keine Gedanken darüber.“ Die GmbH komme derzeit gut alleine zurecht. Wie bei anderen Unternehmen der Branche gehe es darum, das volkswirtschaftliche Ziel einer Belebung des Wirtschaftslebens in der Region mit den betriebswirtschaftlichen Zielen des Unternehmens zu verbinden. Marzin kündigte eine Untersuchung darüber an, welche Umwegrendite die Messe Frankfurt erziele, inwiefern sie also Hotels, Restaurants und Taxifahrern zusätzliches Geschäft verschafft. Die Messe Frankfurt legt in der nächsten Woche die Bilanz für das Jahr 2009 vor.

          Marzin ist Nachfolger von Michael von Zitzewitz, der mit dem Ende des ersten Quartals in den Ruhestand getreten war. Mit Ablauf dieses Monats tritt auch Geschäftsführer Michael Peters in den Ruhestand. Der Geschäftsführung gehören künftig außer Marzin dann nur noch Detlef Braun und Uwe Behm an.

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