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Arzneimittelhersteller : Schwindel-Experte Hennig blickt ins Ausland

Unternehmer im wahren Wortsinne: Holger und Kai Schleenhain von Hennig Arzneimittel Bild: Hennig Arzneimittel

Zahllosen Menschen ergeht es im Alltag so wie Gegnern des russischen Stürmers Arschawin auf dem Platz: Ihnen ist öfter schwindelig. Hennig Arzneimittel aus Flörsheim sieht sich als Marktführer in Deutschland bei Medikamenten gegen Schwindelzustände und will im Ausland wachsen.

          Was haben zahllose Menschen mit Fußballern bei der EM gemeinsam, die der Russe Andrej Arschawin schwindelig spielt? Genau: Ihnen schwirrt öfter der Kopf. Häufiger als über Schwindel klagen Patienten hierzulande beim Hausarzt nur über Kopfschmerzen, wie Kai Schleenhain sagt. Ihm und seinem Bruder Holger kommt das zupass. Beansprucht ihr Unternehmen Hennig Arzneimittel doch, „kompetent bei Schwindel“ zu sein. Und das nicht von ungefähr: Das in Flörsheim von Hennig hergestellte Mittel Arlevert kommt, wie die beiden Unternehmer sagen, in Deutschland auf einen Marktanteil von 40 Prozent bei den Arzneien, die gegen Schwindelzustände verabreicht werden und einen Umsatz von mehr als einer Million Euro im Jahr einspielen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun mag es auf den ersten Blick verwundern, dass sich ein Mittelständler als Marktführer sieht. Schließlich beherrschen gemeinhin Großkonzerne bei verschreibungspflichtigen Arzneien wie Arlevert den Markt. Allerdings handelt es sich bei Schwindelzuständen zwar um ein Massenphänomen, dem aber verschiedene Ursachen zu Grunde liegen; zu denen zählt unter anderem Bluthochdruck, die laut Bundesärztekammer am häufigsten gestellte Diagnose. Angesichts dessen ist Schwindel eine Marktnische: Schleenhain beziffert den Gesamtumsatz mit den entsprechenden Medikamenten in Deutschland auf 30 Millionen Euro im Jahr. Ein beinahe winziger Betrag gemessen an Summen, die die Pharmariesen mit ihren Verkaufsschlagern so erzielen.

          Russland und Lateinamerika im Auge

          Für die Hennig Arzneimittel GmbH & Co. KG hat Arlevert, dessen Wirkstoffe Nervenzellen im Ohr beeinflussen und im Hirn tätig werden, gleichwohl eine erhebliche Bedeutung: Es stärkt einen der drei Pfleiler, auf die sich das Geschäftsmodell stützt: die Produktion und den Vertrieb von Originalpräparaten, zu denen es keine Nachahmerarzneien (Generika) gibt. Selbst Generika wie das populäre Magenmittel Omeprazol herzustellen und zu vertreiben sowie gegen Gebühren für andere Unternehmen zu produzieren, sind die beiden anderen Pfeiler. Alle drei steuern jeweils ein Drittel des Umsatzes von Hennig bei. Bisher jedenfalls.

          In den nächsten fünf bis zehn Jahren will das Familienunternehmen aber mit Arlevert im Ausland anteilig soviel erlösen, wie jeder der drei Pfeiler derzeit einspielt. Zu diesem Zweck soll die Arznei, die bisher außer hierzulande in einigen osteuropäischen Ländern und seit neuestem in Großbritannien zu haben ist, auch in den Benelux-Staaten, Frankreich und Italien platziert werden. Zudem hat Hennig Russland und Lateinamerika im Auge. Wenn der Plan aufgeht, steht Arlevert 2018 für ein Viertel der Erlöse des Unternehmens, das eine Umsatzrendite von rund zehn Prozent erzielt, wie Kai Schleenhain sagt. Damit kann sich das Unternehmen sehr gut sehen lassen. Zum Vergleich: Der börsennotierte Generikahersteller Stada aus Bad Vilbel erzielte 2007 eine Umsatzrendite von 6,7 Prozent.

          Ausbildung: Fehlanzeige - Qualitätskontrolle aufgestockt

          Zur Umsatzhöhe schweigen die Schleenhains. Dagegen gestehen sie auf Nachfrage ein, dass ihr 280 Mitarbeiter zählendes Unternehmen nicht ausbildet, während Engelhard Arzneimittel in Niederdorfelden bei 220 Stammkräften derzeit sieben und bald zehn Lehrlinge hat. Zur Begründung führen die Schleenhains an, ihr Betrieb platze aus allen Nähten. Allerdings haben sie zuletzt die Qualitätskontrolle aufgestockt.

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