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Arbeitswelt : Frankfurt bleibt Anwalts Lieblingsort

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Ein Drittel der in Frankfurt gemeldeten Anwälte arbeitet bei Banken Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

In Frankfurt gibt es bezogen auf die Einwohnerzahl mehr Anwälte als irgendwo sonst in Deutschland: Auf 99 Bürger kommt ein Advokat, rund sieben Mal so viele wie im Bundesschnitt. Neulinge haben es deshalb schwer, Fuß zu fassen.

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          Die Stadt Frankfurt bleibt trotz wachsender Probleme für Berufsanfänger der beliebteste Standort für Anwaltskanzleien in Deutschland. Nirgendwo sonst gibt es bezogen auf die Einwohnerzahl mehr Anwälte: Auf 99 Bürger kommt ein Advokat, rund sieben Mal so viele wie im Bundesschnitt. Dabei geht die Schere zwischen den glänzend verdienenden Wirtschaftsanwälten in den großen Sozietäten und den ums Überleben kämpfenden Feld-, Wald- und Wiesenjuristen immer weiter auseinander.

          Die Anwaltskammer berichtet von einem nach wie vor anhaltenden Drang des Nachwuchses in den Beruf: „Sie kommen nach dem zweiten Staatsexamen anderweitig einfach nicht mehr unter, so daß etwa 85 Prozent die Zulassung als Rechtsanwalt beantragen“, sagt Kammer- Hauptgeschäftsführer Rudolf Lauda. Die Zahl der Neuzulassungen übersteigt die der Abmeldungen jedes Jahr um mindestens 500, so daß Frankfurt mit derzeit 14.800 Anwälten im Vergleich zur zahlenmäßig stärksten deutschen Kammer in München langsam, aber stetig aufholt.

          Die wenigsten gebe ihre Zulassung zurück...

          Etwa ein Drittel der gemeldeten Advokaten ist nach Einschätzung Laudas in meist leitender Funktion bei einer der über 300 Banken oder anderer Wirtschaftsunternehmen angestellt. Daß die wenigsten ihre Zulassung zurückgeben, liegt zum einen an dem etwas unschönen Titel Assessor, den Volljuristen ohne Zulassung tragen müßten und an den Vorteilen, die das Versorgungswerk der Rechtsanwälte bietet. Eine Rückfahrkarte in den erlernten Beruf hat zudem seinen Reiz, auch wenn die Wiederzulassung kein Problem wäre, wie Lauda versichert.

          Frankfurts Ruf als Anwaltsstadt hängt eng mit seiner Funktion als Banken- und Finanzzentrum zusammen. „Als internationale Sozietät, die einen ihrer Schwerpunkte im Bereich der Finanztransaktionen hat, war es für uns selbstverständlich, den Schritt nach Deutschland mit der Eröffnung eines Büros in Frankfurt zu kombinieren“, sagt etwa der geschäftsführende Partner der amerikanischen Kanzlei Latham & Watkins, Jörg Soehring.

          Bereits seit 1962 ist das ebenfalls aus den Vereinigten Staaten stammende Großbüro Baker & McKenzie am Main, mit guten Erfahrungen, wie Deutschland- Geschäftsführer Günther Heckelmann berichtet. „Wir sind hier wirtschaftlich sehr erfolgreich.“ So seien etwa beim Investment Banking oder auch bei Firmenübernahmen durch Private Equity Fonds immer Anwälte nötig. „Im Gegensatz zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage boomt dieses Geschäft.“ Frankfurter Anwälte hätten darauf natürlich kein Monopol, doch sei die Stadt nach wie vor „ein sehr zentraler Platz“. Wegen des Flughafens werde Frankfurt im internationalen Geschäft häufig mit Deutschland gleich gesetzt.

          ...oder arbeiten für Top-Adressen

          Doch der Glanz der meist in edlen Hochhäusern residierenden, internationalen Kanzleien hat mit der Alltagsrealität der meisten Anwälte nicht viel zu tun. Nur jeder 20. im Kammerbezirk arbeitet bei einer der Top-Adressen. „Kleine Kanzleien mit jeweils fünf bis zehn spezialisierten Fachleuten beschäftigen viel mehr Rechtsanwälte“, berichtet Lauda. Und die tun gut daran, sich auf zwei oder drei Fachgebiete zu konzentrieren, mahnt der Chefredakteur der in Frankfurt erscheinenden „Neuen Juristischen Wochenschrift“, Martin W. Huff. Den Überblick über sämtliche Rechtsgebiete könne kein Jurist mehr behalten.

          Den Sprung in das kalte Wasser wagen deshalb die wenigsten Jung- Anwälte alleine. Gefragt ist vielmehr der Einstieg in eine bereits bestehende Kanzlei mit festem Kundenstamm. „Wir bekommen sehr viele Anfragen. Die jungen Kollegen treten sich fast auf die Füße“, sagt Jürgen Fischer von der Kanzlei Fischer, Euler, von Plottnitz. Nach Fischers Worten haben die aus der Zeit der linken Studentenproteste stadtbekannten Anwälte genug zu tun, „weil wir immer sehr spezielle, aufwendige Sachen machen.“

          Ein weiterer ehemals „linker“ Anwalt, Eberhard Kempf, gilt sogar als Star unter den Strafverteidigern des ganzen Landes. Er vertritt den Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozeß. Und er war Anwalt der Bankiersfamilie von Metzler bei ihrer Nebenklage im Prozeß gegen den Mörder ihres Sohnes Jakob.

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