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Arbeitsmarkt : Kampagne soll Not auf dem Lehrstellenmarkt lindern

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Mehr Ausbildungsplätze: Das ist das Ziel einer neuen gemeinsamen Plakat- und Informationskampagne des hessischen Wirtschaftsministeriums, der Vereinigung der Unternehmerverbände, der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie der Handwerks- und Industrie- und Handelskammern.

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          Mehr Ausbildungsplätze: Das ist das Ziel einer neuen gemeinsamen Plakat- und Informationskampagne des hessischen Wirtschaftsministeriums, der Vereinigung der Unternehmerverbände, der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie der Handwerks- und Industrie- und Handelskammern. Daß solche und ähnliche Initiativen nötig sein dürften, um die Situation auf dem Lehrstellenmarkt zu verbessern, machen etwa jene Zahlen deutlich, die Wolfgang Forell, Leiter der Regionaldirektion, bei der Präsentation der Kampagne gestern im Wiesbadener Landtag für das erste Quartal dieses Jahres nannte: Demnach meldeten sämtliche in hessischen Industrie- und Handelskammern organisierten Betriebe der Arbeitsverwaltung 16200 Lehrstellen, sechs Prozent oder 1025 Ausbildungsplätze weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Beim öffentlichen Dienst liegt die Zahl der Meldungen zur Zeit mit 1185 um 13,5 Prozent hinter dem Vorjahr zurück, und bei den freien Berufen (Ärzte, Rechtsanwälte und ähnliche Professionen) beträgt der Rückstand sogar 23,5 Prozent. Hier sind derzeit 429 Lehrstellen in der Statistik verzeichnet. Forell wies gleichwohl darauf hin, daß dies ein Zwischenstand und die Aussagekraft mithin begrenzt sei.

          Keine "Momentaufnahme" ist dagegen das, was das Statistische Bundesamt gestern meldete: Im vergangenen Jahr war die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Deutschland so niedrig wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Der Statistik zufolge haben etwa 564500 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen, 0,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig hat es aber zwei Prozent mehr Schulabgänger gegeben.

          Ganz neu ist das Konzept der Kampagne nicht, die in Hessen Abhilfe schaffen soll. Sie greift vielmehr die Plakataktion des vergangenen Jahres - "Suche Ausbildung. Biete..." - auf und entwickelt sie mit Hörfunkspots und Zeitungsanzeigen sowie einem erweiterten Internet-Informationsangebot weiter. Beginnen wird die Kampagne nach den Osterferien, zunächst mit 10000 Plakaten, weitere "Wellen" sollen folgen. Wie der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) meinte, hätten die Betriebe in Hessen zwar schon im vergangenen Jahr "weit über Bedarf ausgebildet", man müsse aber "noch einmal zulegen", um allen jungen Menschen eine Perspektive bieten zu können. Die gestern im Bundestag diskutierte Ausbildungsplatzabgabe helfe da nicht, sei ein Irrweg. Dieser Einschätzung schloß sich Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, an. Eine Ausbildungsplatzabgabe entziehe dem Wirtschaftskreislauf schätzungsweise 3,5 Milliarden Euro, und auf eine solche Belastung reagiere die Wirtschaft zwangsläufig eher mit beschleunigter Rationalisierung und schließlich mit einem Abbau von Arbeitsplätzen. Das "Erfolgsmodell" der betrieblichen Ausbildung" basiere vor allem auf der Freiwilligkeit. Den besten Dienst leiste die Politik der Ausbildung dann, wenn sie Reformen konsequent umsetze.

          Weidemann warnte nachdrücklich davor, mit einer Ausbildungsplatzabgabe und dem damit verbundenen bürokratischen Apparat die Lage zusätzlich zu belasten. Eine klare Absage erteilte auch Jürgen Heyne, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern, einer solchen Abgabe. Einmal mehr erneuerte er für das Handwerk das Versprechen an junge Menschen, "allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ausreichend Lehrstellen in Hessen zu bieten". Heyne verwies auf die Vorjahreszahlen, denen zufolge 11545 Lehrverträge im Handwerk abgeschlossen wurden, 2,5 Prozent mehr als im Jahr davor. "Ausbildung ist immer auch Kapitalbildung", meinte Wolf Klinz, der die Arbeitsgemeinschaft der hessischen IHK vertrat. Denn eine im eigenen Betrieb qualifizierte Jugend sei der Garant für Innovationen, die sich im wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens niederschlügen. Das Tauziehen um eine Ausbildungsabgabe werde die Unternehmen abwarten lassen, befürchtet Klinz. Leidtragender könnte dann womöglich ein ganzer Schuljahrgang sein. JOCHEN REMMERT

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