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Arbeiten im Gefängnis : Recht und billig

  • -Aktualisiert am

Handarbeit: Der Inhaftierte Hans B. baut in der Butzbacher Gefängnis-Werkstatt ein Modell-Motorrad. Bild: Grapatin, Niklas

Zehn Euro verdient ein Gefangener - am Tag. Ausbeutung, sagen die einen, der erste Schritt in ein geregeltes Leben, die anderen. Besuch in der JVA Butzbach.

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          Hans B. ist der Traum jedes Arbeitgebers: Er ist fleißig, kostet wenig, und kündigen kann er auch nicht. Seit sieben Jahren arbeitet B. in der Gefängnis-Schlosserei in Butzbach. Er und seine Mitgefangenen stanzen Bleche, schweißen Bettroste, lackieren Geländer. Auch Gitter für Gefängniszellen hat B. schon gemacht. Für seine Arbeit bekommt Hans B., 53 Jahre alt, verurteilt zu zwölf Jahren Haft wegen Raubes, gut 15 Euro - am Tag.

          Ungefähr 4500 Häftlinge sitzen in Hessens Justizvollzugsanstalten (JVA), etwa zwei Drittel gehen einer Arbeit nach. Sie löten Grillroste, kleben Tüten und flechten Kletternetze für Spielplätze. Die Möbel der hessischen Landesvertretung in Brüssel wurden in Vollzugsanstalten geschreinert, genauso wie Schultische, Stühle für Polizeiwachen und Betten in Flüchtlingsunterkünften. Doch auch Unternehmen lassen gern im Gefängnis fertigen: Die Löhne sind niedrig, ein Schreinermeister bekommt zum Beispiel maximal 2,73 Euro in der Stunde - im Gefängnis ein Spitzenlohn. Für die Häftlinge ist das besser als nichts, für die Unternehmen super: Ein bisschen China in Deutschland.

          Niedriger Lohn und hohe Qualität

          Manchmal sei es schon schwierig, die Gefangenen zu motivieren, sagt Björn Wiegel. Seit fünf Jahren leitet der Metallbaumeister in der JVA Butzbach Häftlinge an. Manche von ihnen haben vor der Haft noch nie regelmäßig gearbeitet; viele sind ohne Ausbildung. Er müsse deshalb geduldig sein, sagt Wiegel, loben, Erfolgserlebnisse vermitteln. Mit hohen Löhnen anspornen kann er schließlich nicht.

          Es seien aber nicht vor allem die niedrigen Personalkosten, weshalb Unternehmen in einer JVA fertigen ließen, sagt Thomas Krienke, Leiter des Bereichs Arbeitswesen in Butzbach. Die Qualität sei entscheidend. In den Butzbacher Produktionsräumen stehen computergesteuerte Maschinen zur Kantenbearbeitung, ein Plasmaschneider, mehrere zehntausend Euro teuer. Es ist nicht das allerneueste Gerät, aber auch kein Schrott.

          Auftraggeber schätzen die Kombination aus niedrigen Löhnen und hoher Qualität. Was sie weniger schätzen, sind Fragen zu ihrem Engagement hinter Gittern. In den Werkstätten hessischer Gefängnisse lassen namhafte Automobilhersteller Teile sortieren, große Discounter Verpackungen für Weihnachtsgebäck falten.

          Gefängnisse müssen um Aufträge werben

          Darüber reden wollen sie nicht. Viele Unternehmen reagieren nicht auf Anfragen, unser Fotograf darf in Butzbach nicht alle Produkte fotografieren, weil Firmen Angst haben, erkannt zu werden. Ein Hersteller für Vereinsbedarf, für den Insassen der JVA Schwalmstadt Pokale bauen, ist nicht für ein Gespräch zu erreichen. In Gefängnissen fertigen zu lassen hat für viele Unternehmen etwas Schmuddeliges. Angst um das Image - das ist einer der Gründe, den Arbeitswesen-Leiter Krienke und seine Kollegen oft hören, wenn Betriebe ihnen absagen.

          Die Gefängnisse selbst hingegen werben offen um Aufträge, etwa auf Messen. Es sei nicht einfach, Auftraggeber zu finden, heißt es beim Justizministerium. Die Arbeiten dürfen nicht zu anspruchsvoll sein. Dazu kommt die Sicherheit: Wenn zum Beispiel Unternehmen Material anliefern, müssen sie ihre Lastwagen durchsuchen lassen. Das dauert. Und kostet.

          Zehn Millionen Euro setzten Hessens Gefängnisse 2014 um. Ihr großer Vorteil für Unternehmen: Mit der Arbeit hinter Gittern lassen sich Produktionsspitzen abfedern. In der JVA Butzbach sitzen gut 400 Inhaftierte. Am Morgen zehn Häftlinge mehr einzusetzen, die Schrauben sortieren, weil ein Kunde kurzfristig mehr Geschäft hat, ist nicht sonderlich schwierig. Von einem Tag auf den anderen zehn zusätzliche Arbeiter einzustellen, das ist für Firmen draußen fast unmöglich.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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