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Anwaltsgebühren : Vor dem Mandat über Kosten reden

Günstige Erstberatung - und danach? An der Kaiserstraße in Frankfurt soll alles anders sein Bild: Frank Röth

Anwaltsgebühren sind kompliziert. Nur wer gut informiert ist, stellt die richtigen Fragen und erlebt später keine böse Überraschung.

          Der Vermieter droht mit Kündigung, die Autoversicherung will nicht zahlen, die Geschwister fechten das Erbe an - es gibt viele Probleme, die sich nicht ohne professionellen Rat lösen lassen. Die Hemmschwelle, einen Anwalt aufzusuchen, ist bei vielen Verbrauchern jedoch hoch.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Geschäftsmodelle, die dies ändern sollten, sind gescheitert. Die Discountkette Juraxx etwa musste 2007 Insolvenz anmelden, nachdem sie sich mit der Idee verhoben hatte, über günstige Gebühren für Erstgespräche in attraktiver Innenstadtlage Laufkundschaft zu ködern.

          Drei Anwälte, die damals dabei waren, sind an der Frankfurter Kaiserstraße unter dem Slogan „Anwalt geht auch anders“ als Bauer & Kollegen GbR noch aktiv. Sie hätten die Niederlassung seinerzeit im Zuge der Insolvenz übernommen, sagt Heiko Neuhausen, einer der drei. Das Konzept von damals sei im Prinzip geblieben. „Anders“ heißt in diesem Fall laut Neuhausen: Die Kanzlei ist montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Wenn möglich, bekommen Ratsuchende an der Anmeldung spontan einen Termin.

          Stundensatz wird mit 150 bis 300 Euro

          „Anders“ heißt bei Bauer & Kollegen auch, dass die Gebühr für die sogenannte Erstberatung mit 50 bis 80 Euro vergleichsweise niedrig ist. Nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz können Anwälte für ein erstes Beratungsgespräch bis zu 190 Euro netto verlangen - und sogar 250 Euro, wenn in einem Folgegespräch weitere Fragen geklärt werden müssen. Entscheidend sei jedoch, wie es mit den Gebühren nach dem Erstgespräch weitergehe, heißt es bei der Verbraucherzentrale Hessen. Oft sei ein Problem damit nicht gelöst, und erst danach werde es teuer.

          Um grundsätzlich mehr Transparenz in die Gebührenstruktur zu bringen, wurde vor knapp drei Jahren das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz geändert. Danach soll der Anwalt bei außergerichtlichen und zivilrechtlichen Fällen vor der Beratung mit seinem Mandanten darüber sprechen, was seine Leistung kostet, und, wenn gewünscht, ein Honorar vereinbaren. Das geht etwa als zeit- und aufwandsunabhängige Pauschale oder auch auf Stundenbasis. Ein Pauschalhonorar dürfte sich vor allem bei langfristigen Aufträgen und hohen Gegenstandswerten für den Verbraucher rechnen. Bei niedrigeren Streitwerten fährt er unter Umständen mit der gedeckelten Vergütungsgebühr besser.

          Ein Problem: Damit ein Anwalt die Beratungskosten abschätzen kann, muss er in Grundzügen wissen, worum es geht. Die Bundesrechtsanwaltskammer empfiehlt Mandanten daher, den Anwalt zu bitten, die Zeit für die Erläuterung der Sache nicht in Rechnung zu stellen. Auch sollten Honorarvereinbarungen immer schriftlich festgehalten werden. Bei einem Zeithonorar sollte klar sein, wie der Nachweis über den Zeitaufwand geführt wird. Zudem wird Mandanten empfohlen, sich eine detaillierte Aufstellung der Tätigkeiten und der dazu benötigten Zeit in regelmäßigen Abständen vorlegen zu lassen. Für Pauschalhonorare gilt: Es muss vorher festgelegt werden, welche Leistungen die Vereinbarung umfasst und welche später gesondert abgerechnet werden können.

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