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Einsatz für Tariflohn : Sechstel der Mitarbeiter von Amazon streikt am „Prime Day“

An einigen Standorten geht es an diesem Montag ruhiger zu. Bild: dpa

Wieder einmal bestreikt die Gewerkschaft Verdi Auslieferungslager von Amazon. Der Ausstand ist Teil eines Tarifstreits im siebten Jahr. Verdi erhebt schwere Vorwürfe. Der Versender gibt sich selbstbewusst und gelassen.

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          Im Ringen mit dem Versandhandelsriesen Amazon um einen Eintritt in den Einzelhandelstarif lässt die Gewerkschaft Verdi nicht locker. Aus Anlass des Schnäppchentags bei Amazon, dem „Prime Day“, hat sie Mitglieder in Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben, Koblenz sowie an den zwei Standorten in Bad Hersfeld zum Streik aufgerufen. Der Ausstand ist Teil eines Tarifstreits, der sich mittlerweile im siebten Jahr befindet. Bis zum Montag Nachmittag bundesweit etwa 2000 Mitarbeiter gestreikt, wie es bei Verdi hieß. Die Spätschichten sind dabei noch nicht mitgezählt. Insgesamt zählt der Konzern hierzulande etwa 13.000 Beschäftigte.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nachdem die Nachtschichten gestreikt hatten, legten Angehörige der Frühschichten ihre Arbeit nieder. Verdi-Sekretärin Mechthild Middecke bezifferte im Gespräch mit der F.A.Z. am Nachmittag die Streikenden in Bad Hersfeld auf gut 500. Zum Personalstamm der Schichten konnte sie nichts sagen.

          „Prime“-Lieferungen verzögert?

          „Aktuell stehen hier etwa 200 Kolleginnen und Kollegen vor dem Tor“, hatte sie gegen 7.15 Uhr berichtet. Die Stimmung sei gut. Die Beschäftigten hätten den Eindruck, dass sich „Prime“- Lieferungen verzögerten. Amazon sieht das aber ganz anders und gibt sich gelassen: „Der Streik hat keinerlei Auswirkungen auf unser Lieferversprechen“, teilte ein Sprecher mit.

          Anlass des Streiks ist die Streitfrage, wie Amazon seine Beschäftigten bezahlen sollte. „Während Amazon mit satten Preisnachlässen beim Prime-Day zur Schnäppchenjagd bläst, wird den Beschäftigten eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung vorenthalten“, kritisiert Verdi-Handelsexperte Orhan Akman. Verdi will Amazon im Handelstarif sehen. Die aktuelle Situation ist für Verdi „Tarifflucht“ und von „Niedriglöhnen“ gekennzeichnet. Und: „Die Löhne und Gehälter bei Amazon dürfen nicht länger nach Gutsherrenart bestimmt werden“, meint der Gewerkschafter.

          „Attraktiver Arbeitgeber“

          „Der Streikaufruf hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal“, teilte der Amazon-Sprecher dagegen mit. Der Konzern biete attraktive Löhne. „Wir zahlen am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist. In Bad Hersfeld beginnen die Mitarbeiter mit einem Lohn von mindestens 11,18 Euro brutto pro Stunde.“ Inklusive leistungsbezogener Boni und Jahressonderzahlung komme ein Mitarbeiter im Jahresschnitt nach 24 Monaten umgerechnet auf 2.266 Euro brutto monatlich. Zudem gebe Überstundenzuschlag, Aktien und weitere Zusatzleistungen.

          Dem hält Gewerkschafterin Middeke entgegen, ein Kommissionierer als typischer Mitarbeiter eines Logistikzentrums bekomme nach Handels-Tarif 2278 Euro im Monat brutto. Der Stundenlohn belaufe sich auf 13,98 Euro. Hinzu komme ein Weihnachtsgeld in Höhe von 62,5 Prozent des jeweiligen Novemberlohns sowie ein Urlaubsgeld von 1290 Euro.

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