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Wertpapiergeschäfte : Ein Depotwechsel kann sich lohnen

Kaufen, wenn die Kanonen donnern: ein alter Börsenspruch Bild: dpa

Depot ist nicht gleich Depot. Wertpapieraufträge sind per Internet deutlich günstiger als über die Bankfiliale. Denn die streicht für die persönliche Betreuung hohe Gebühren ein.

          Kaufen, wenn die Kanonen donnern, lautet ein alter Börsenspruch. Angesichts der Turbulenzen auf dem Aktienmarkt und fallender Kurse überlegt manch einer, der bisher mit Aktien nichts am Hut hatte, einzusteigen ins Wertpapiergeschäft – in der Hoffnung, dass die Kurse, die jetzt im Keller sind, irgendwann wieder steigen. Hinzu kommt die Einführung der Abgeltungsteuer im nächsten Jahr. Für Anleger, die vorhaben, Aktien und Fonds länger als ein Jahr zu halten, empfiehlt es sich, noch 2008 zu kaufen. Nur so sind künftige Kursgewinne steuerfrei.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Neben der Auswahl der richtigen Aktien und Fonds kommt es darauf an, eine günstige Bank zu finden, denn Gebühren und Provision schmälern die Rendite. In diesem Punkt gibt es offensichtlich Nachholbedarf. Anders als etwa beim Tagesgeld leisteten sich Anleger teure Depots und nähmen klaglos hohe Gebühren für Transaktionen in Kauf, stellt die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer Februar-Ausgabe fest. Sie hat die Kauf- und Aufbewahrungskosten für Wertpapiere von 35 Banken miteinander verglichen – mit dem Ergebnis, dass Order über eine Filialbank deutlich teurer sind als über eine Direktbank und das Internet.

          Mittler oder Direktdepot?

          Um Aktien zu kaufen und zu verkaufen, brauchen Privatanleger in der Regel einen Mittler. Das können Filial- und Direktbanken sowie Discount-Broker sein. Filialbanken verlangen mitunter eine recht hohe Provision dafür, dass sie als Mittler für eine Wertpapierorder tätig werden. Sie rechtfertigen dies mit dem Aufwand für Beratung.

          „Viele Anleger brauchen jedoch keine Beratung, weil sie sich vorher über Angebote informiert haben und genau wissen, was sie kaufen wollen“, sagt Bernd Brückmann, Projektleiter Geldanlage bei „Finanztest“. Solchen Anlegern empfiehlt Brückmann, die Ordergeschäfte über ein Direktdepot selbst in die Hand zu nehmen. Wie der Vergleich von „Finanztest“ zeigt, gibt es Schnäppchen. Ein Beispiel: Ein Kunde der Deutschen Bank, der bei der Filiale anruft und einen Bankberater am Telefon beauftragt, Aktien im Wert von 50.100 Euro zu kaufen, zahlt dafür nach Angaben von „Finanztest“ 501 Euro Provision.

          Gibt er seine Order als Direktdepot-Kunde („Maxblue“) im Callcenter durch, fallen nur noch 44,80 Euro an, was einer Ersparnis von rund 456 Euro gleichkommt. Wenn der Kunde die Auftragsdaten selbst in den Computer eintippt, wird es noch mal günstiger. Dann nämlich muss er nur noch 34,90 Euro zahlen. Die besten Internet-Angebote haben bei dieser Ordersumme die Citibank (9,99 Euro) und die Postbank (18,95 Euro).

          Günstiges Direkt-, teureres Beratungsdepot

          Nicht nur bei der Deutschen Bank, auch bei der Frankfurter Sparkasse, der Dresdner Bank und Sparda-Bank Hessen haben Kunden die Wahl zwischen zwei Varianten: einem günstigen Direkt- und einem teureren Beratungsdepot. Bei Postbank und Citibank können Anleger ein und dasselbe Konto auf beiden Wegen nutzen. Die Direktbanken haben ohnehin nur Online-Depots im Angebot.

          Direktdepots sind in der Regel sehr günstig oder sogar gratis. DAB Bank, ING Diba und die Direktbanktochter der Frankfurter Sparkasse, 1822direkt, bieten ihr Depot in jedem Fall unentgeltlich an. Andere Geldinstitute knüpfen das Gratisangebot an bestimmte Bedingungen wie eine Transaktion im Quartal oder die Einzahlung in einen Sparplan.

          Auch beim Fondskauf empfiehlt sich die direkte Order bei der Börse. Denn wer über seine Bank Investmentfonds bestellt, zahlt in der Regel automatisch einen Ausgabeaufschlag von drei bis fünf Prozent, den der Fondsanbieter verlangt. Das Geld geht als Vertriebsprovision an den Vermittler. Um diesen Aufschlag zu umgehen, sollten Filialkunden bei ihrem Bankberater darauf drängen, dass er den Fonds, sofern möglich, an der Börse kaufe, empfiehlt Brückmann. Beim Verkauf ist es genau anders. Wer seine Fondsanteile direkt an die Fondsgesellschaft zurückgibt, spart Börsen- und Bankgebühren.

          Verbraucherschützer kritisieren mangelnde Informationen

          Der Börsenkauf lohnt sich laut „Finanztest“ allerdings nur dann, wenn die Bank dafür nicht übermäßig Gebühren verlangt. Genau das sei jedoch bei einigen Banken der Fall. Die Hypovereinsbank etwa verlange im Filialgeschäft für eine Fondsorder meist doppelt bis dreimal so viel wie für einen Aktienkauf. Daher empfiehlt sich auch beim Fonds der Weg über die Direktbank oder einen Discountbroker. Deren Provision liegt in der Regel unter einem Prozent. Viele Discountmakler bieten Fondsprodukte im Internet mit Rabatten von 100 Prozent auf den Ausgabenaufschlag an.

          Verbraucherschützer kritisieren, dass Banken Kunden nicht ausreichend informierten. Indexfonds, die lediglich einen Index wie den Dax nachbilden und nicht gemanagt werden, weshalb sie besonders günstig sind, kämen in der Beratung so gut wie nicht vor, weiß Thomas Mai, Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Hessen. Über den Grund muss Mai nicht lange nachdenken: „Die Banken verdienen nichts an diesem Produkt.“

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