https://www.faz.net/-gzg-9oldc

Älteste Messe im Abwärtstrend : Die Herbstmesse im freien Fall

„Style City“: Wie entlang einer Straße sind die Messestände neuerdings auf der Herbstmesse angeordnet. Bild: Frank Röth

Alle Rettungsversuche helfen nicht: Abermals ist die Zahl der Aussteller auf der Herbstmesse gesunken. Die älteste Messe Frankfurts steht vor einer ungewissen Zukunft.

          Die lyrischen Fähigkeiten von Pressesprechern können beachtlich sein. „Tendence 2019: Sommerhitze und coole Trends“, so war gestern eine Mitteilung der Messe Frankfurt zum Abschluss der Herbstmesse überschrieben. „Trotz hochsommerlicher Hitzewelle überzeugte das vielseitige Angebot die 15.000 Fachbesucher“, war weiter zu lesen und: „Bei wieder einmal tropischen Temperaturen nutzten 15.000 Einkäufer aus 80 Ländern die Tendence zum Networking, Erleben und Ordern.“

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Kein Wunder, dass in der Pressemitteilung so viel vom Wetter die Rede war. Denn über die Tendence selbst, die gestern nach nur drei Tagen zu Ende gegangen ist, lässt sich ansonsten wenig Gutes berichten. Die älteste Messe Frankfurts, einst der Stolz der Stadt, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. In diesem Jahr wurden 603 Aussteller auf der Konsumgütermesse gezählt, abermals 255 weniger als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Besucher, wie sie die Pressestelle gestern meldete, lag um ein Sechstel niedriger als vor Jahresfrist. Und wer weiß: Vielleicht war der Rückgang noch größer, denn jedenfalls die Zahl für das vergangene Jahr wurde im Nachhinein um mehrere tausend nach unten korrigiert.

          Seit Jahren ist dieser Rückgang des Zuspruchs zu beobachten, und keine der vielen Reformen hat den rasanten Schwund stoppen können, auch nicht die wiederholte Verlegung des Termins. Obwohl vor einem Jahrzehnt der Versuch gescheitert war, die Herbstmesse vom August in den Juni zu verschieben und dies rückgängig gemacht worden war, ging die Messegesellschaft 2017 diesen Weg neuerlich, was allerdings nur im ersten Jahr zu einem leichten Anstieg der Ausstellerzahl führte. 2018 kamen weniger als 1000 Unternehmen. Immerhin: Auch die verbliebenen 603 Aussteller in diesem Jahr reisten aus 37 Ländern an, die 15.000 Einkäufer aus 80 Staaten. Die Internationalität der Messe Frankfurt, auf die der Konzern so stolz ist, spiegelt sich sogar in dieser krisengeschüttelten Veranstaltung.

          Optimismus beim Management der Messe

          In der Messegesellschaft hat man sich viele Gedanken gemacht, wie die Herbstmesse attraktiver werden könnte, auch wenn die Überschrift über einer weiteren Pressemitteilung „Tendence 2019: Konsumgütermesse neu gedacht“ arg marktschreierisch klingt angesichts der betrüblichen Lage. Diesmal wurden die Stände in einer der Messehallen „in Form einer Stadt mit verschiedenen Vierteln und Erlebnisplätzen“ aufgebaut, wie es hieß, und ein griffiger Titel fand sich in der PR-Abteilung auch: „Style City“.

          Das Problem der Herbstmesse dürfte allerdings kaum sein, dass die Stände bisher nicht attraktiv angeordnet waren. Es reicht vielmehr tiefer: Mehr und mehr Herstellern scheint es auszureichen, ihre Neuheiten einmal im Jahr in Frankfurt zu präsentieren. Die Schwester der Tendence, die Frühjahrsmesse Ambiente im Februar, erlebt keineswegs einen Verfall. Zuletzt wurden dort 4451 Aussteller gezählt, diese Zahl ist seit Jahren in etwa konstant. Bei der Herbstmesse hingegen muss man in den Annalen schon bis 2002 zurückblättern, um Ausstellerzahlen von 4000 zu finden.

          Die Vorverlegung in den Frühsommer wurde einst damit begründet, dass der Handel die Ware für Weihnachten immer früher bestelle, nicht zuletzt wegen der weiten Wege, die die oftmals in Fernost hergestellten Produkte zurücklegen. Offenbar hat aber der neue Termin nicht geholfen. 2018 verstieg man sich in der Messe Frankfurt zu der Behauptung, es komme ja gar nicht auf die Zahl der Aussteller, sondern auf deren Qualität an, sagte aber zugleich, die Besucherzahl solle erhöht oder wenigstens bei 20.000 stabilisiert werden. Auch davon kann allerdings keine Rede sein. Wenn sich der Rückgang in etwa so fortsetzt wie von 2018 auf 2019, dann reicht es noch für Veranstaltungen in den nächsten drei Jahren, 2022 könnte der letzte Aussteller das Licht ausmachen. Immerhin: Vorerst übt sich das Management der Messe zumindest weiter in Optimismus. Die nächste Tendence ist für die Tage vom 4. bis 6.Juli 2020 terminiert.

          Weitere Themen

          Eine Stadt aus Pappkartons Video-Seite öffnen

          Frankreich : Eine Stadt aus Pappkartons

          Kartons, Klebeband und viele Helfer: Viel mehr braucht Olivier Grossetête nicht für seine Bauwerke. In der französischen Stadt Le Havre steht die bislang größte Pappkreation des Künstlers, gebaut von Freiwilligen.

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?
          Frankfurts David Abraham (l.) und Goncalo Paciencia (r.) können Lebo Mothiba von Racing Straßburg nicht stoppen.

          Frankfurt patzt in Straßburg : Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Eintracht Frankfurt muss um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg konnte der Bundesligist vor allem in der ersten Hälfte nicht überzeugen und verlor mit 0:1.

          F.A.Z.-Umfrage zur Lage in Hongkong : Deutsche Unternehmen meiden klare Worte

          Joe Kaeser mahnt gewaltfreien Dialog und Einhaltung des geltenden Rechts in Hongkong an. Viele deutsche Konzerne sind besorgt, drucksen aber herum – sie haben Milliarden in China investiert.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.