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Abriss der Zeilgalerie : Neue Chancen für Galeria Kaufhof

Flaggschiff: Die Frankfurter Galeria Kaufhof kann demnächst auf rund 33.000 Quadratmetern Verkaufsfläche Waren anbieten. Bild: Marcus Kaufhold

Die Metro-Tochter Galeria Kaufhof kann am besonders rentablen Standort Frankfurt ausbauen. Für Konkurrent Karstadt wird es dann noch schwerer.

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          Geduld zahlt sich aus. Nach dem Entschluss der neuen Eigentümer der Zeilgalerie in Frankfurt, diesen Bau abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, kann die Galeria Kaufhof GmbH eines der lukrativsten ihrer 104 Warenhäuser erweitern. Die vom später wegen Betrugs verurteilten Baulöwen Jürgen Schneider initiierte vertikale Einkaufspassage über sieben Ebenen gehört seit dem vergangenen Jahr der RFR Management GmbH und dem Projektentwickler DC Values.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Anders als bei den verschiedenen Vorbesitzern der 1992 als „les facettes“ eröffneten Zeilgalerie, war diesmal von Revitalisierung gar nicht mehr die Rede. Nun ist der geplante Neubau schon mehr oder weniger komplett an die Metro-Konzern-Tochter Galeria Kaufhof vermietet.

          Häufig wechselndes Führungspersonal

          Im Gegensatz zu dem seit Jahren mit unterschiedlichen Neigungswinkel in Schieflage befindliche Konkurrenten Karstadt versteht es die Metro-Tochter nach wie vor, das komplexe System Warenhaus so effizient und kundennah zu organisieren, dass sich das Geschäft auch rentiert. Ein Manager, der beide Unternehmen von innen kennt, sieht vor allem in dem häufig wechselnden Führungspersonal und den damit einhergehenden ständigen Strategiewechseln den Kern des Karstadt-Siechtums.

          Bei Galeria-Kaufhof nimmt man dagegen für sich in Anspruch, unter bewährter und sachkundiger Leitung, an jedem einzelnen Standort das Sortiment möglichst genau auf das Publikum, seine Kaufkraft und Gewohnheiten abzustimmen. Instrumente wie die Payback-Karte seien dabei hilfreich.

          Kaufhof in Frankfurt eine besondere Filiale

          Die Frankfurter Dependance an der Hauptwache zählte schon vor der nun getroffenen Entscheidung, sie um rund 10.000 auf rund 33.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu erweitern, zu den besonderen Standorten der Galeria Kaufhof GmbH. 2008 war es eines von zwei Häusern in ganz Deutschland, Hamburg Mönckebergstraße war das zweite, die von Grund auf, außen wie innen, neu gestaltet wurden. Galeria Kaufhof beanspruchte, damit „Vorreiter und Motor eines neuen innerstädtischen Einzelhandels“ zu sein.

          So wich in Frankfurt die in die Jahre gekommene weiße Blechfassade einem Kunstsandstein mit nobler Anmutung. Auch innen wurde es großzügiger, heller und etwas nobler, was die Marken betrifft. Zu den neu aufgenommenen Labels gehörten Hugo Boss, Jacques Britt und Wellensteyn. Im Lederwarensortiment kamen Coccinelle und Mandarina Duck hinzu, durchaus als hochwertig geltende Marken, die aber noch nicht dem reinen Luxussegment zuzuordnen sind.

          In Frankfurt achte man zudem besonders auf die konsumfreudigen Touristen aus Asien, vor allem auf jene aus China, erläutert ein Sprecher. Man wisse ziemlich genau, dass man die Pfannen und Töpfe von Fissler genauso vorrätig haben müsse, wie Koffer von Rimowa und ähnliche weltbekannte Marken. Gute und bekannte Labels ja, Luxus nein, resümiert der Sprecher für die Frankfurter Galeria Kaufhof. Luxus suchten Kunden in Frankfurt dann doch eher in den Geschäften an der Goethestraße und drum herum.

          Marken ja, purer Luxus nein

          Das sieht auch Thomas Roeb, Handelsexperte und Wirtschaftsprofessor der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, nicht anders. Hersteller von Luxusmarken wollten beispielsweise in Frankfurt natürlich in die Goethestraße und Umgebung, ganz sicher nicht in ein Kaufhaus an der Zeil, sagt der Handelsexperte.

          Schon der mittlerweile vor Gericht stehende Thomas Middelhoff, der 2005 den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei Karstadt-Quelle übernommen hatte, als das Haus bereits in Schieflage geraten war, habe ohne Erfolg versucht, die namhaften Luxusmarken ins Haus zu locken. Das war wohl auch der Grund, weshalb der Plan aufgegeben wurde, den Frankfurter Karstadt mit Topmarken in eine Art Klein-KaDeWe zu verwandeln.

          Was die Frankfurter Galeria Kaufhof betrifft, sind die Pläne nicht neu, dem hochrentablen Haus mit einem Anschluss der Zeilgalerie mehr Fläche zu verschaffen. Nicht zuletzt deshalb, weil der nur wenige Schritte entfernte Frankfurter Karstadt schon immer über mehr als 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügt. Genau genommen hat es von Beginn an zumindest eine gewisse Verbindung zwischen Kaufhof und Zeilgalerie gegeben – im Untergeschoss und über die Dachterrasse.

          Als funktionsfähige Verkaufsfläche ist die Zeilgalerie nach Angaben von Experten aber weder an die Galeria Kaufhof anzuschließen gewesen noch an das benachbarte MyZeil-Einkaufszentrum auf der anderen Seite. Dennoch gab es auch diese Überlegungen zeitweise, als MyZeil noch in der Planung war. Am Ende ist es weder zu diesem Anschluss gekommen, noch hat sich die Hoffnung erfüllt, das neue Einkaufszentrum nebenan würde auch der Zeilgalerie mehr Besucher und den Geschäften mehr Umsatz bringen.

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