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Hessischer Scanner-Hersteller : Mehr Umsatz durch soziale Medien

  • -Aktualisiert am

Vernetzt: Lea Korb ist beim Scanner-Hersteller Microbox die Frau für Social Media Bild: Wonge Bergmann

In der ländlichen Wetterau sitzt ein führender Hersteller von Hochleistungs-Scannern mit Kunden rund um den Globus. Eine 18 Jahre junge Frau sorgt über Instagram und andere Kanäle für mehr Aufmerksamkeit und höhere Erlöse.

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          Lea Korb ist eine bemerkenswerte junge Frau. Die Achtzehnjährige hat dieses Jahr ihr Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,0 gemacht, nebenbei den Abi-Ball organisiert und arbeitet zudem seit Januar 2018 beim Bad Nauheimer Unternehmen Microbox. Sie will alles perfekt machen und Verantwortung übernehmen. Bis zum Ende der Schulzeit waren es fünf oder sechs Stunden in der Woche, seit August ist sie in Vollzeit beschäftigt, kümmert sich um Internetrecherche für den Vertrieb und die Darstellung der Firma in den sozialen Medien. Microbox produziert mit 63 Mitarbeitern hochauflösende Scanner und Kameras zur Digitalisierung von Büchern, Gemälden, Urkunden und anderen Kulturgütern. Kunden sind vor allem Bibliotheken in der ganzen Welt.

          Zunächst wusste Lea Korb gar nicht, was sie tun sollte. Sie recherchierte auf Anweisung. Mittlerweile bewegt sie sich in dem Metier wie ein Fisch im Wasser und steuert eigene Ideen bei. Dass die indische Regierung weit vorn ist beim E-Government, der Digitalisierung der Verwaltung und von Anträgen, war bei Microbox bekannt. „Die scannen doch bestimmt auch viele Bücher ein“, dachte sich die junge Frau, als sie sich des Themas annahm, und fand eine Plattform, auf der sich Händler anmelden können, die Geschäfte mit der Regierung machen wollten. Außerdem fand sie heraus, welche Mitbewerber in welchem Umfang auf dem Subkontinent tätig waren. Grundsätzlich geht es darum, den internationalen Markt besser kennenzulernen, Kulturträger und Fördermöglichkeiten in einem so fernen Land ausfindig zu machen.

          Banale Posts siebt sie aus

          „In meiner Generation recherchiert oder kommuniziert man ständig“, erläutert Lea Korb, die selbst hauptsächlich Snapchat und Instagram nutzt. „Der Umgang mit den sozialen Medien ist für uns selbstverständlich. Wer dort nicht zu finden ist, existiert praktisch nicht.“ Natürlich sei es nicht einfach, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Beispielsweise finden sich banale Posts wie: „Ich esse gerne Brot mit Hummus.“ Und jemand antwortet: „Ich auch“. Doch inzwischen bedienten sich auch staatliche Institutionen und Behörden wie die Polizei dieser Kanäle und wie allseits bekannt der amerikanische Präsident. Die British Library habe 1,9 Millionen Follower auf Twitter und 273.000 auf Instagram. Es gehe darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen und ein möglichst breites Publikum zu erreichen.

          Microbox hat einen eigenen Twitter-Account eingerichtet. „Book2net“ wird von einem Studenten bespielt. Darauf sind Informationen über die Firma, ihre Produkte und ihre Einsatzgebiete zu finden. „Man muss dabei aufpassen, dass man den Auftritt nicht mit zu viel Output überfrachtet. Und dass der Entertainmentfaktor nicht zu kurz kommt“, sagt Korb. Viele Anfragen an die Firma kommen auch über Facebook. Aber das ist schon „oldschool“. Auf Youtube betreut die junge Frau den Firmenkanal mit Microbox-Produktvideos. Ihren jetzigen Job will sie nur ein Jahr machen. Danach möchte sie in Schottland oder den Niederlanden den Studiengang Politik, Philosophie und Wirtschaft beginnen. Anschließend kann sie sich eine Tätigkeit bei der EU in Brüssel vorstellen. Vielleicht geht sie auch in die Politik.

          Wertvolle Rückschlüsse für den Vertrieb

          Der für seine mitunter unkonventionellen Methoden bekannte Microbox-Chef Stephan Welp schätzt Korbs Arbeit sehr. „Wofür früher ganze Abteilungen Wochen brauchten, erledigt sie oft in wenigen Tagen“, sagt er. Innerhalb einer Woche habe sie in Großbritannien rund 200 Kontaktdaten aller wichtiger potentieller Kunden recherchiert. Das erlaube wertvolle Rückschlüsse für den Vertrieb.

          Welp erinnert sich noch gut an ihr erstes Zusammentreffen. Lea Korb nahm an ihrer Schule an einem Erasmus-Projekt mit Partnerschulen in fünf EU-Ländern teil und besuchte die Bad Nauheimer Firma mit ihrer Arbeitsgruppe. Dabei fiel sie dem Unternehmer durch ihre klugen Fragen auf. Das veranlasste ihn, sie zu fragen, ob sie Interesse an einem Job neben der Schulzeit habe. Sie hatte.

          Marktrecherche per Internet habe es bei Microbox schon vorher gegeben, sagt Welp. Durch die Tätigkeit von Lea Korb habe man den Umgang mit den sozialen Medien aber auf eine neue Ebene gehoben. Aktuell erhalte das Unternehmen täglich etwa 100 Anfragen auf seiner Homepage, rund 60 Prozent davon über Youtube. „Auch wenn sich vieles noch am Anfang befindet – umsatzsteigernd ist es definitiv.“

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