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Ab sofort einmal pro Jahr gratis : Mehr Transparenz bei Schufa und Co.

Antrag auf Auskunft: telefonisch, übers Internet oder in einer Servicestelle Bild: Cornelia Sick

Verbraucher können von April an erstmals ihre gespeicherten Daten bei Auskunfteien wie der Schufa kostenlos abrufen - und sich so besser gegen falsche Einträge wehren.

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          Wenn die Bank einen Kredit verweigert, ein Versandhaus die Bestellung oder ein Unternehmen den Abschluss eines Handy-Vertrags liegt das in der Regel daran, dass die Rückversicherung des Unternehmens oder der Bank bei einer Auskunftei negativ war.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Scoring heißt die Methode, nach der aus den gesammelten Daten über Kreditgeschäfte, Geschlecht, Alter, Beruf und Wohnort berechnet wird, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Kunde einen Kredit bedient oder eine Bestellung bezahlt. Der Wert hat für ihn weitreichende Folgen. Bei bescheinigter schlechter Zahlungsmoral muss der Kunde mehr Zinsen für den Kredit zahlen, oder die Bank verweigert das Geld komplett.

          Bisher war für Verbraucher wenig ersichtlich, wie diese Prognosewerte (Score) zustande kommen. Eine Studie des Bundesverbraucherschutzministeriums im vergangenen Jahr ergab zudem, dass die gespeicherten Daten der Schufa und anderer Auskunfteien oft falsch seien.

          Datenschützer empfehlen, die Auskunft zu nutzen

          Als Folge wurde zum 1. April das Bundesdatenschutzgesetz geändert. Von jetzt an können sich Verbraucher einmal im Jahr unentgeltlich darüber informieren, welche Informationen Auskunfteien über sie speichern. Das können Daten zu Konten, Ratenkrediten, Mobilfunk- und Leasingverträgen sein. Ein Antrag auf Auskunft kann telefonisch, übers Internet oder in einer Servicestelle gestellt werden.

          Auskunfteien müssen künftig auch mitteilen, welche Bonitätsprognosen sie an Unternehmen übermittelt haben - ein Punkt, den Verbraucher- und Datenschützer mit Spannung erwarten.

          Der Test des Verbraucherschutzministeriums hatte nämlich gezeigt: Auch unvollständige Daten können negative Folgen haben. Hat ein Verbraucher etwa noch nie einen Kredit aufgenommen, um diesen anschließend pünktlich zu bedienen, kann dies als Indiz für eine schlechte Zahlungsmoral gedeutet werden. Datenschützer empfehlen Verbrauchern, die neuen Chancen zu nutzen und alles, was in der Datenkartei als nicht plausibel erscheint, korrigieren zu lassen. Wie einfach das sein wird, muss sich allerdings erst noch herausstellen.

          Neben der Schufa gibt es Creditreform, Bügel und Arvato Infoscore

          Anders als bisher ist es von April an nicht erlaubt, allein aus einer schlechten Wohnlage eine schlechte Kreditwürdigkeit abzuleiten. Geodaten hat die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, mit Sitz in Wiesbaden nach eigenen Angaben bisher schon nicht berücksichtigt und wird darauf auch in Zukunft verzichten, da sie über ausreichend andere Daten verfüge, wie ein Sprecher sagt.

          Mit 440 Millionen Informationen zu 65 Millionen Personen ist die Schufa die größte und bekannteste Auskunftei. Mitunter halten Verbraucher das Unternehmen, das Sparkassen, Banken sowie Versandhandels- und Telekommunikationsunternehmen gehört, für eine Behörde. Weitere große Auskunfteien sind Creditreform, Bügel und Arvato Infoscore.

          Kritik gibt es an den neuen Preisen der Schufa, die zum 1. April deutlich teurer werden. Zwar kostet die Eigenauskunft einmal im Jahr wie vorgeschrieben kein Geld, wer jedoch eine Bonitätsauskunft für Dritte, etwa den Vermieter, benötigt, muss dafür in Zukunft 18,50 Euro statt bisher 7,80 Euro zahlen. Für Verbraucher, die solche Auskünfte öfter brauchen, empfiehlt sich ein zeitlich unbegrenztes Schufa-Abonnement. Die Daten sind dann jederzeit im Internet ohne Zusatzkosten einsehbar, und die Auskunft für Dritte kostet weiterhin 7,80 Euro.

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