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4000 Mitarbeiter gesucht : Nachwuchsmangel kennt die Lufthansa nicht

Beliebte Arbeitsplätze: Die Lufthansa sucht Mitarbeiter - und wird sie finden. Bild: dapd

Überall ist von Fachkräfte- und Lehrlingsmangel die Rede. Doch es ist auch eine Frage, wer sucht und was er bietet. Die Lufthansa sucht in diesem Jahr 4000 Mitarbeiter - allein für Frankfurt mehr als 2000. Sie wird auch diesmal genug finden.

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          Wenn sich bei der Lufthansa überhaupt etwas von dem allenthalben in Rede stehenden Nachwuchs- und Fachkräftemangel niederschlägt, dann allenfalls darin, dass sich nicht mehr unglaublich viele Frauen und Männer bei der Lufthansa bewerben, sondern nur mehr sehr viele. Um die 100.000 sind es nach wie vor Jahr für Jahr. Von denen, die sich jetzt dazu entschließen, werden mindestens 4000 am Ende tatsächlich dazugehören. Zumindest hat Christoph Franz, passend zu seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG zum 1. Januar, entsprechende Pläne verkündet.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Allein von den 2200 neuen Stewardessen und Flugbegleitern sollen 1600 von Frankfurt aus arbeiten, wie ein Sprecher der Lufthansa gestern erläuterte. Auch der größte Teil der 900 Neueinstellungen für die Betreuung der Passagiere am Boden werde auf die Heimatbasis Frankfurt entfallen. Die mehr als 300 neuen Auszubildenden, die bei der Lufthansa anfangen sollen, werden dagegen auch in Hamburg, wo die Lufthansa Technik ihren Sitz hat, ihre Laufbahn beginnen oder aber an der zweiten deutschen Basis der Kranichlinie am Flughafen München. Die 270 Pilotenschüler, die die Lufthansa ebenfalls einstellen will, müssen dagegen alle nach Bremen. Dort ist die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa ansässig. Alles in allem werden in Frankfurt wohl mehr als 2000 Stellen entstehen.

          Es kann nicht allein an der Bezahlung liegen

          Dass die Lufthansa, anders als manches andere Unternehmen, bislang keine Schwierigkeiten hat, Stellen rechtzeitig mit den richtigen Leuten zu besetzen, kann nicht allein an der Bezahlung liegen. Denn die ist im Konzern keineswegs überall so stattlich wie bei den Piloten, die nach den Bedingungen des Konzerntarifvertrags ihr Geld verdienen. In der Spitze als Kapitän ist dort ein Jahresgehalt von 250.000 Euro möglich, und ein Anfänger Mitte zwanzig wird schon mit gut 60.000 Euro entlohnt.

          Aber beispielsweise eine Stewardess beginnt nach einer achtwöchigen Ausbildung mit 1780 Euro brutto im Monat. Hinzu kommen im Durchschnitt 40 Euro für jeden Tag, an dem sie dienstlich unterwegs ist, davon muss sie sich allerdings auch verpflegen. Das Urlaubsgeld beträgt knapp 1023 Euro, das war es.

          Flexible Modelle

          Auch die Tatsache, dass man an der blau-gelben Dienstkleidung rasch als Mitarbeiter einer der weltweit bedeutendsten Fluggesellschaften zu identifizieren ist, kann auf Dauer wohl kaum genügen, Mitarbeiter so erfolgreich zu gewinnen und zu halten, wie es der Lufthansa immer wieder gelingt. Auch die Chance, mitsamt der Familie günstig an Flugtickets für den Urlaub zu kommen, kann es allein nicht sein.

          Es spricht viel dafür, dass es, abgesehen vom Image der Fliegerei, das Paket aus Qualifizierungschancen, flexiblen Arbeitszeiten und auch Hilfen bei familiären Lasten ist, das die Lufthansa nach wie vor zu einem der beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland macht. Da ist beispielsweise die Chance für die Kabineneinsteiger, sich zum Purser zu qualifizieren, eine Position, die mit 3000 Euro brutto im Monat dotiert ist. Daneben hat die Airline Teilzeit- und Lebensarbeitszeitmodelle etabliert, die sowohl ihre eigenen Bedürfnisse nach flexibel verfügbaren Mitarbeitern berücksichtigt als auch die Wünsche und Lebenslagen der Beschäftigten.

          Ungeachtet dessen herrscht auch bei der Lufthansa nicht nur eitel Sonnenschein

          Unter dem Stichwort Work-Life-Balance organisiert die Lufthansa nicht nur einen Betreuungsservice für Kinder inklusive Babysitten und Hausaufgabenhilfe, sie bietet auch eine sogenannte Familienzeit an. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit für Mitarbeiter, eine Auszeit von bis zu einem Jahr zu nehmen, um sich beispielsweise der Pflege der demenzkranken Mutter zu widmen. Die Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz ist dabei garantiert. Dabei sei das Jahr zu den sechs Monaten hinzuzurechnen, die gesetzlich für eine solche Pflege vorgesehen seien, so dass bis zu anderthalb Jahre zur Verfügung stünden, erläuterte ein Konzernsprecher.

          Vor allem aber betreibt die Lufthansa nicht erst seit das Wort vom Fachkräftemangel die Runde macht, eine aktive Personalentwicklung, beispielsweise mit dualen Studiengängen, bei denen Studium und praktische Tätigkeit im Unternehmen kombiniert sind und eine Anstellung als nahezu sicher gelten kann. Die Lufthansa stehe eben im Ruf, kein "Hire-and-fire-Unternehmen" zu sein, sondern eines, das Interesse daran habe, Mitarbeiter zu halten, wirbt der Sprecher, fügt aber gleich hinzu: "Trotzdem sind wir natürlich eine Aktiengesellschaft, und es muss sich unter dem Strich lohnen."

          Ungeachtet dessen herrscht auch bei der Lufthansa nicht nur eitel Sonnenschein. Gerade dieser Tage endet die Schlichtung in der Tarifrunde 2010 für das Kabinenpersonal. Der Tarifstreit zwischen der Flugbegleitergewerkschaft Ufo und dem Management zieht sich seit fast einem Jahr hin. Die Gewerkschaft will für das Kabinenpersonal unter anderem günstigere Arbeitszeitverrechnungen erreichen und die besondere Position des Pursers II als Kabinenmanager geschützt wissen, der nur im Ausnahmefall selbst im Service mitarbeitet.

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