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150 neue Stellen sollen entstehen : Lufthansa Cargo plant Winter mit zehn Nachtflügen

Auf Expansionskurs: Lufthansa Cargo. Bild: Florian Manz

Die Frachttochter der Kranichlinie hat 2010 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. 250 neue Stellen sollen in diesem Jahr entstehen und das Frankfurter Frachtzentrum auf jeden Fall erneuert werden.

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          Nach dem rabenschwarzen Krisenjahr 2009 mit einem operativen Verlust von 171 Millionen Euro hat die Lufthansa Cargo AG schon im Jahr darauf den Trend wieder umkehren und den Umsatz im Vorjahresvergleich um 43,3 Prozent auf nahezu 2,8 Milliarden Euro steigern können. Das teilte der Vorstandsvorsitzende, Karl Ulrich Garnadt, am Mittwoch sichtlich erfreut bei der Vorlage der Geschäftszahlen mit.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Vorsichtig optimistisch war der zum 1. Januar auf den Posten des Lufthansa-Passagevorstands gewechselte ehemalige Lufthansa Cargo-Chef Carsten Spohr zwar schon Anfang 2010. Dass sein Nachfolger Garnadt nur ein knappes Jahr später gleich ein Rekordergebnis würde vorlegen können, hat aber gewiss auch er nicht geglaubt. Zumal ein Pilotenstreik, die Aschewolke eines isländischen Vulkans und heftige Schneefälle das Geschäft zusätzlich massiv belastet hatten.

          Urteil zu Nachtflügen ist auch noch von Bedeutung

          Doch die Frachtflieger haben die überraschend schnell und kräftig wieder anziehende Nachfrage nach Transportkapazität für sich nutzen und in einen operativen Gewinn von 310 Millionen Euro ummünzen können. Nun sollen Investitionen in die Erneuerung der Logistik und hier besonders in ein neues Frachtumschlagzentrum im Norden des Frankfurter Flughafens die Chancen auf weiteres Wachstum sichern, wie Garnadt weiter sagte. In der Frage der Nachtflüge rechnet er nicht mit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, aus der am Ende ein Aus für sämtliche Nachtflüge in der Zeit zwischen 23 und fünf Uhr früh folgt. Für den Winterflugplan 2011/2012 haben die Frachtflieger jedenfalls zehn Flugbewegungen für diese Nachtstunden vorgesehen. Einen Spruch aus Leipzig erwartet Garnadt allerdings auch nicht mehr in diesem Jahr.

          Die Investitionen in die Logistik sind Teil einer Qualitätsstrategie, an deren Ende schnellere, effizientere und damit kostengünstigere Arbeitsabläufe stehen sollen. Deshalb, so bestätigte Garnadt auf Nachfrage, wird die Frachtfluggesellschaft in jedem Fall in das Frankfurter Umschlagzentrum investieren. Allerdings werde sich das Volumen schon daran orientieren, wie die Frage der Nachtflüge letztlich entschieden werde.

          Ganz auf nach Nachtflüge verzeichten könne man nicht

          Zuvor war schon öfter bei der Lufthansa Cargo davon die Rede, dass man sich ein modernes Umschlagzentrum einen dreistelligen Millionenbetrag kosten lassen würde – allerdings nur dann, wenn es kein Nachtflugverbot gebe. Das hört sich nun etwas weniger eng verknüpft an.

          Gleichwohl hob auch Garnadt hervor, dass das erfolgreiche Geschäftsmodell der Lufthansa Cargo in Frankfurt darauf basiere, dass man Frachtkapazität der Passagiermaschinen kombiniere mit der Transportkapazität der eigenen Frachter – auch in der Nacht. Der Airline-Vorstand geht zwar davon aus, dass mit der neuen Landebahn Nordwest in Frankfurt auch mehr Frachtverkehr am Tag abgewickelt wird. Ganz auf Nachtflüge verzichten könne man aber angesichts besonders eiliger Güter, deren rascher Transport besonders lukrativ sei, aber ganz sicher nicht.

          Frankfurt als bester Standort

          Für Garnadt ist Frankfurt wegen seiner zentralen Lage, der Anbindung an alle wichtigen Verkehrssysteme und der Ansiedlung der großen Speditionen am Flughafen und in der Umgebung der beste Standort für den Frachtumschlag in ganz Europa, wenn nicht weltweit.

          Zu den geplanten Investitionen zählt auch die Anschaffung fünf neuer Frachtflugzeuge des Typs Boeing 777. Ob es Piloten der Lufthansa Cargo oder solche anderer Konzernfluggesellschaften sein werden, die sie fliegen werden, wollte Garnadt am Mittwoch nicht sagen. Beispielsweise bei der Frachtfluggesellschaft Aero Logic, eine gemeinsame Tochter von Lufthansa Cargo und der Deutschen Post, verdienen Piloten weniger als bei der Mutter. Die aus Sicht des Arbeitgebers kostengünstigere Konkurrenz im eigenen Konzern sorgt immer wieder für Unruhe unter den Frachtpiloten der Fluglinie.

          Noch keine konkreteren Prognosen

          Weltweit will die Lufthansa Cargo in diesem Jahr 250 neue Arbeitsplätze schaffen, ein Gutteil davon in Frankfurt, wie es gestern weiter hieß. Zuletzt zählte die Fluggesellschaft 4469 Mitarbeiter, etwa 1700 davon arbeiten in Frankfurt.

          Für das laufende Jahr hofft das Haus, angesichts eines positiven ersten Quartals, weiter auf gute Zahlen, wie Finanzvorstand Peter Gerber sagte. Allerdings sei gerade das Frachtgeschäft grundsätzlich derart volatil, dass man noch keine konkreteren Prognosen wagen könne. Wesentlich wird die Entwicklung auch von den Kerosinpreisen abhängen, die nicht zuletzt von den Ereignissen in Nordafrika stark beeinflusst werden.

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